Ordnung schaffen: Der Tod

Seit es in unserem Universum  Leben gibt, ist der Tod allgegenwärtig. Er ist fester Bestandteil unseres Alltags.Darum hat man ihm Symbole zugeordnet, ihn ein wenig mystifiziert, man hat ihm eine Gestalt gegeben. Der Kuttenmann mit der Sense wurde zum Feindbild hochstilisiert, und man hat ihn gar mit hochwirksamen Waffen ausgestattet. Waffen wie Pest und Cholera. Mit solcherlei Gestaltung hat man den Tod begreifbar gemacht, und man konnte ihm bei Bedarf Körper und Geist zuordnen. Auf diese Weise ist er einer von uns geworden – allerdings der Böse, der unser Leben fordert.

Nun kommt der aufgeklärte Mensch des 21. Jahrhunderts daher und entzaubert die Bilder. Er weiss, der Tod ist ein Zustand eines Lebewesens, und der Prozess, der diesen Zustand bewirkt, heisst Sterben. Nicht der Tod ist unser Feind, sondern das Sterben. Aber umgehend entwickelt dieser Aufgeklärte Denkschemata, die verwirren. Zum Beispiel behauptet er, das Sterben begänne mit dem Beginn des Lebens, also mit der Geburt. Ich sage: Wenn schon, denn schon. Dann beginnt das Sterben mit der Befruchtung der Eizelle.

Aber nein. Nicht das Sterben beginnt dort, sondern das Risiko des Sterbens. Und dessen Zeitpunkt ist unbestimmt.

Ich meine, Sterben und Tod sind Begriffe aus der Biologie. Es ist unnütz, die der Religion oder der Philosophie zuzuschreiben. Nun fühlen wir, dass eine derartige Versachlichung gänzlich ohne Charme bleibt. Dies verführt zu einem Rettungsversuch. Wir greifen uns den Tod und fragen ihn nach dem Verbleib der Seele. Und schon tut sich ein fruchtbarer Acker auf, der tausend Ideen dazu gedeihen lässt. Zum Beispiel verliert das Sterben seinen Schrecken, wenn man an die Seelenwanderung denkt, also an eine Wiedergeburt.

Wer in diese Richtung weiterdenken mag, der sollte zunächst klären, was die Seele ist, wenn es sie als eigenständige Entität geben sollte.Aber alles deutet darauf hin, dass die Seele keine Entität ist, sondern ein Zustand eines belebten Wesens. Dann hätte auch jeder Baum eine ….. und erst die Ratten!

2 Antworten auf “Ordnung schaffen: Der Tod”

    1. Schön für Dich. Ich meine, Aufgeräumtheit in dieser Ecke nützt, indem sie beruhigt. Mit diesem Text habe ih mich selbst wieder auf Kurs gebracht. Bin schliesslich demnächst 80 und in desolatem Zustand, also eigentlich fällig. Deshalb gehe ich abends auch in meinem Hochzeitsgewand mit Papierhemd und aufgemalter Krawatte ins Bett. Man weiss ja nie.

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