Leben 20

Digitalisierung

Ein kleiner Spass dazu: 1111 1111  lesen wir als 11 mio. 111 tausend 111.  Der Computer rechnet und spuckt aus, es sei der Wert 255.

Das ist unerhört, denn beides ist richtig. Wir rechnen dezimal, der Computer dual, auch binär genannt. Wie das geht, erspare ich uns.

Wer gelernt hat, mit dem Abakus zu rechnen, hat das Prinzip schon drauf.

Nun hat mich aber das Thema Digitalisierung angefasst. Um den Stand der Diskussion dazu zu erfassen, musste ich eine Menge lesen und hören. Ich kämpfe nun mit dem Bestreben, mich kurz zu fassen. Wie sag ich’s meinem Kinde? Etwa so:

Ich habe knapp 3 Stunden lang gelesen, um irgendwo einen Fachmann zu finden, der die Auswirkung der Digitalisierung auf die Arbeitswelt offen und logisch begründet beschreibt. Gefunden habe ich nur Geschwurbel. Aufgegeben habe ich mit dem Verdacht, dass keiner wagt, konkret zu werden, weil man es einfach nicht kann. Warum darf ich das so kategorisch behaupten? Nun, ich darf das, weil ich 35 Jahre lang mit Digitalisierung beschäftigt war, also mit der Installation von Computersystemen in betriebliche Prozesse. Lediglich zur Robotik in  Produktionsabläufen bin ich inkompetent.

Offenbar hat man die Datentechnik neu entdeckt und daraus einen Ballon konstruiert, der schön bunt am Himmel steht und doch nur heisse Luft enthält. Schliesslich lässt sich auf diese Weise gutes Geld verdienen.

Natürlich schreitet die Digitalisierung in den Unternehmen voran. Schliesslich erwartet man daraus einen Nutzen. Senken der Personalkosten, Verbesserung der Produktqualität, Verbesserung der Unternehmensführung durch hohe Transparenz, Sicherheit im Produktionsprozess und anderes – alles gute Ziele für den Unternehmer. Die Realisierung ist jedoch teuer und mühsam. Projektmanagement, Wirtschaftlichkeitsrechnungen, Nutzwertanalysen, Netzplantechnik – alles schick, alles fein! Und doch fliegt Dir Dein Projekt sowas von um die Ohren, dass Dir Hören und Sehen vergeht. Irgendwann ist man nur noch mit Krisenmanagement beschäftigt, und von oben gibt es nur noch einen Satz warme Ohren. So, Leute, so habe ich „digitalisiert“. und dabei auch noch das Mitleid von Kollegen erfahren. Von den arroganten Typen aus dem Vorstandsflur gibt es nicht mal ein Dankeschön, wenn Du „Fertig!“ meldest.

Nun sind da auch die Robotik-Leute. Sie haben meine ungeteilte Hochachtung. Zwar haben sie den Vorteil, dass sie es nicht mit Menschen zu tun kriegen, aber wenn in einer Autofabrik ein Roboter sich eine Karosserie schnappt und sie präzise aufs Chassis  tüdelt, und sein Blechkumpel nebenan umgehend damit beginnt, alles was lose ist zusammenzulöten, und das mit einer Toleranz von einen Viertel-Millimeter, so erstarre ich in Ehrfurcht und sage im Stillen: Hut ab, Leute! Klasse gemacht, Leute!

Ja, das beeindruckt. Und die Automatisierung wird vorangetrieben. Sie wird Arbeitsplätze vernichten. Das war bereits in den 60er Jahren so.

Der Spalt zwischen Arm und Wohlhabend wird grösser und grösser. Aber vermutlich haben uns zwei Weltfinanzkrisen 2 x arm gemacht, bevor die Digitalisierung das Ausmass einer Katastrophe gewinnen konnte.

Und nebenbei bemerkt: 0001+0010 ist nicht 11, sondern dezimal 3.