Leben 18

Manchmal packen mich Zweifel an meinem Geisteszustand. Dann vermute ich so etwas wie eine Zwangsneurose. Ich definiere selbst: Es ist ein psychisch bedingter Zwang, auf reale oder eingebildete Situationen emotional zu reagieren.

Genau dies ist mir soeben wieder einmal bewusst geworden. Habe ich doch in einem Anfall von Souveränität den Fernseher ausgeschaltet ( das war ein Trigger), und schon beschäftigt mich die Qualität des Fernsehprogramms wieder einmal, und ich beginne zu analysieren. Gesund ist das nicht!

Egal. Das Hirn ist gut angewärmt, also auf Betriebstemperatur. Somit kann ich los werden, was mir durch den Kopf geht.

Zunächst schliesse ich aus, dass die TV-Macher ihr Publikum manipulieren. Die dabei benutzten Verfahren möchte ich hier nicht aufzählen. Es reicht die Feststellung einer massiven Schweinerei, die man den Öffentlich-Rechtlichen nicht verzeichen kann. Ich beschränke mich auf die Mischung der Programmbeiträge, die vom Trash bis zum kulturell Wertvollen, von seichten Talkshows bis zu massiver Gesellschaftskritik alles, wenn zwar gewollt dosiert anbietet.

Tatsache ist: Für jeden ist etwas dabei, ob er sich mit der Quantenmechanik herumschlagen mag oder ob ihn die Goldene Hitparade der Volksmusik bauchpinselt. Man könnte mit einigem guten Willen von Ausgewogenheit sprechen, und daran kann nichts kritikwürdig sein.

Warum also übt man so viel Kritik an der Programmgestaltung? Man fasse sich an die eigenen Nase! Das Übel ist nicht das Programm, sondern die eigene Unfähigkeit, abzuschalten, wenn ein Beitrag nicht konveniert! Fernsehen ist zum täglichen Ritual verkommen. Einschalten ist ein Muss. Und dann sieht man irgendeinen vermeintlichen Scheiss und wird gallig. Aber die Glotze muss laufen. Schliesslich ist der tägliche Fernsehabend ein krönender Abschluss des Tages, mithin unverzichtbar.

Wenn also die berüchtigte Hitparade der Volksmusik gesendet wird: Mitsingen! Wetten, dass …… dass das Spass macht?