Leben 17

Es ist nun ein Vierteljahrhundert her, seit mir ein Amtsarzt auf meine Bitte unverblümt erklärte, meine Gesundheit sei so stabil wie ein Sack voller Kochlöffel, und 50% meiner Art stirbt innerhalb der ersten 3 Jahre, und 80% innert 5 Jahren. Und er fügte hinzu, dass wir, also er und ich nun einen Schluck guten Cognac vertragen könnten. Und genau das geschah. Der Gute hatte wirklich einen erlesenen Geschmack, und reichlich Humor und Lebensfreude. Und ich hatte eine vergnügliche Viertelstunde.

Mein Körper hat sich nie erholt. Aber ich gehöre zu jener Gruppe, den 20%ern, die überleben, und ich habe nun zusätzlich die Folgen des Alterns hinzunehmen. Und weil das nicht reicht, starb vor Monaten meine Frau.

Ich darf also feststellen, dass Krankheit, Alter und der Tod mein Leben gründlich verändert haben. Das wurde mir diktiert. Ich konnte mich nicht dagegen wehren. Nun müsste ich trivial, aber richtig anmerken, so sei halt das Leben. Nur ….. so einfach ist das nicht. Abstrahiert stellt sich die Frage, wie der Mensch derartige Veränderungen verarbeitet, und wie er danach zurecht kommt.

Es liegt auf der Hand: Die Reaktion auf Veränderungen des Lebens ist individuell. Der eine zerbricht irgendwann, ein anderer passt sich problemlos an. Man blickt zurück, oder in die Zukunft. Man beklagt das Negative, oder man sucht optimistisch das Positive des neuen Lebens zusammen und pflegt dieses wertvolle Paket.  Und all dies tut jeder auf seine Weise.

Die hier angestellte Betrachtung ist gewiss schlicht bei schlicht. Nix Neues, auf den ersten Blick. Aber es gibt da noch den zweiten Blick, und der ist meist schärfer als der erste. Und der sagt mir, dass viele der Betroffenen in dieser Hinsicht unaufmerksam sind und nahezu paralysiert in die Zeit hineinleben. So verliert man unter Umständen kostbare Lebenszeit,  und Lebensqualität. Es gilt also, bei tiefgreifenden Veränderungen ein neues Bewusstsein zu entwickeln, in welchem das Negative wie das Positive seinen Platz findet.

Alles andere regelt sich dann von selbst.

2 Antworten auf “Leben 17”

  1. Obwohl dein Beitrag ziemlich traurigen Inhalts ist, klickte ich den gefällt mir Button. Denn finde es sehr gut, dass du deine Gedanken und auch Empfindungen trotz dem bestimmt sehr schweren Verlusst deiner Frau, sowie überhaupt zum Thema hier mit deinen Lesern teilst. Vor allem aber dein letzter, sehr wichtiger und bestimmt auch hilfreicher Absatz wird vielen anderen Menschen in ähnlicher Lage helfen, trotz allem zuversichtlich nach vorne zu blicken. Sehr schöner Beitrag von dir!
    Liebe Grüße von Hanne

    Gefällt 1 Person

  2. „wie der Mensch derartige Veränderungen verarbeitet, und wie er danach zurecht kommt.“ Ja, dass ist die Frage. Zurecht kommen mit einem völlig durcheinander gewürfelten Leben.

    Gefällt 1 Person

Kommentare sind geschlossen.