Leben 15

Ich nehme mir die Freiheit, das folgende Thema meinem Leben als persönliches, bitteres Erleben zuzuordnen. Ich bin in der SPD als Juso gestartet, und mit Helmut Schmidt’s Entscheidung zum NATO-Doppelbeschluss in 1983 endete meine Mitgliedschaft. Heute sagt mein Verstand: Abgehakt, erledigt. Und mein Gefühl trauert immer noch ein wenig. Um was geht’s jetzt?

Daniel Deckers kommentiert das Drama um die SPD eloquent, für jedermann verständlich, und im Grunde auch richtig, eine Aussage ausgenommen. Er sagt, nicht die Jahre in der GroKo hätten die Partei geschädigt, sondern sie hätte sich aufgegeben. Ich denke, als FAZ-Mann muss er so unverbindlich schreiben. Würde er die Dinge beim Namen nennen, so müssten Leser zur Vermutung kommen, die SPD krepiere an irgendeinem Gift, und das könne nur durch die CDU/CSU gestreut sein.

Quelle: FAZ – Bezirksversammlung – Das Fähnlein der 7 Aufrechten – Der Siebte fotografiert !

Klartext: Eine Partei kann sich nicht selbst aufgeben. Sie ist kein denkendes Wesen, das in der Lage wäre zu entscheiden: Jetzt lege ich mich mal hin und gehe ein wie eine Primel! Nein, es sind Menschen, die das Gift verteilen, und im vorliegenden Falle ist es die Parteiführung der SPD.

Der Niedergang der Sozialdemokratie begann schon mit Helmut Schmidt. Er zeigte gelegentlich seine Neigung zum Industriekapitalismus. Seine Nachfolger gingen diesen Weg konsequenter; man war es einfach leid, die Partei der kleinen Leute zu sein. Und auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit verschlief man Trends wie die Gründung der Grünen und der Linken, die Wählerstimmen kosten. Die Politiker der Gegenwart sind Wunderwesen, die es schaffen, unentwegt um sich selbst zu kreisen. Und wenn sie ihren Orbit verlassen, dann tun sie das nicht, um sich für die kleinen Leute und ihre Bedürfnisse zu interessieren, nein, sie wenden sich den grossen Leuten zu, die immer mit 30 Silberlingen locken.

Demokratie funktioniert nur bei einem annähernden Gleichgewicht der gesellschaftlichen Kräfte mit divergierender Interessenslage.

Der Verlust der Sozialdemokraten führt zu einem katastrophalen Ungleichgewicht. Die Rechtsparteien diktieren das politische Geschehen. Und die Opposition degeneriert zur Formsache.