Leben 14

Wieder geht ein Tag zu Ende. Ich schaue mich um, möchte registrieren, was dieser Tag hinterlassen hat. In meinem Gesicht macht sich ein Grinsen breit. Im Flur, neben dem Telefon liegt ein Päckchen, noch ungeöffnet, da der Inhalt zwar Nutzen verspricht, aber keine Begeisterung. Ich schaue kurz in die Küche, und dort sind die beiden schmuddeligen Bratpfannen verschwunden. Irgendein guter Geist hat sie wohl gesäubert weggeräumt, und eine schwache Erinnerung sagt mir, ich selbst sei dieser gute Geist gewesen. Es kommt keine Euphorie auf. Deshalb schaue ich aus dem Küchenfenster. Es muss einen weiteren guten Geist geben, der – wie so oft – meine Mülltonne von der Strasse geholt und auf ihren Stellplatz brachte. Und ich war das nicht. Ich habe tief geschlafen, als der Müllwagen vorbei schepperte.

Nun, ich hatte heute dennoch ein Highlight. Da hat ein Dr. Michael Winterhoff, seines Zeichens Kinder- und Jugendpsychologe und Therapeut meine Möbel gerade gerückt, sodass ich revidieren musste. Er sagt, die Deutschen würden verdummen. Ich sagte, sie würden verblöden.

Dumm ist besser. Davon abgesehen habe ich von Dr. Winterhoff gelernt, dass neben der genetisch bedingten Intelligenz eine in Kindheit und Jugend erworbene Intelligenz entwickelt wird. Wenn nun die Entwicklung dieser erworbenen Intelligenz gestört wird, so bleibt – etwas überspitzt gesagt – das arme Menschlein auf dem Stand eines 3-jährigen stehen. Sachlich formuliert: Es entstehen deutliche Defizite.

Dr. Winterhoff redet davon, dass die Hälfte  unseres Nachwuchses eine normal gute Entwicklung erfährt. Bei der zweiten Hälfte erzeugt die Bildungsrealität Schäden. Was nun dies angeht, so gibt es natürlich Ursachen. die – wen wundert es – in der menschlichen Dummheit zu finden sind. Da sind die Eltern, die ihren Erziehungsauftrag vernachlässigen, somit als Bestimmungsfaktor wie als Vorbilder ausfallen. Und da sind Kindergarten und Schule, die mit einem ziemlich idiotischen System agieren, die „autonomes Lernen“ genannt wird. Das Prinzip: Es gibt keine Lehrer, sondern Lernbegleiter. Die Kinder bestimmen den Lerninhalt und die Intensität des Lernens sogar in Pflichtfächern wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Das bedeutet den Verlust der Autorität des Lehrers und seine unverzichtbare Funktion als Reflektor und Korrektiv für die Kinder.

Das Ergebnis: Manche Hochschulabsolventen brauchen Nachhilfe in Deutsch! Kinder verlieren sich in der digitalen Welt und werden unfähig, soziale Kontakte zu entwickeln, und so weiter. Diese, die Hälfte unserer Kinderschar ist für die Gesellschaft verloren, weil mangels sozialer Intelligenz Aussenseiter. Das autonome Lernen ist eine Kopfgeburt des OECD. Offenbar weiss man dort von Bildung so viel wie ein Blinder von Farben.

Wir haben somit einen weiteren Beweis für den Verdacht, dass im deutschen Kultusbetrieb die Inkompetenz Regie führt. Böse Zungen behaupten gar, man habe hier einen Baustein zum grossen Plan der Volksverdummung vorliegen. Auch wenn man keine Absichten unterstellt – es funktioniert. Bei 50% der jungen Menschen.