Leben 13

Ich weiss: Ich bin nicht besser. Ich bin statistischer Durchschnitt. Es besteht kein Grund, stolz zu sein, oder gar überheblich.

Ich habe ein Haus gebaut, Kinder gezeugt und Bäume gepflanzt. Mehr kann die Gesellschaft nicht verlangen. Oder etwa doch?

Wenn ich, wie im Moment,  mit mir allein bin, denke ich, und das würde ich nie aussprechen, ich denke also, dass meine Weltsicht doch sehr in Schieflage geraten ist. Ich erkläre das nun mit der  Maslowschen Bedürfnispyramide:

Der Mensch strebt nach oben. Wenn er erfolgreich war, also die nächste Stufe der Pyramide erreicht hat, vergisst er die unteren Stufen.

Haben reicht ihm nicht, er lebt im Wollen, also im Mehrwollen. Sein Ego suggeriert ihm, Bescheidenheit sei eine Schwäche. Wenn er auf einer Stufe hängen bleibt, so hat er ein Riesenproblem, denn das Erreichte hat scheinbar seinen Wert verloren.

Ich bin mir nicht sicher, aber das hier skizzierte Verhalten ist womöglich die Begründung für meine eingangs genannte Schieflage. Neben dem Marsch durch Maslows Pyramide und den wahrgenommenen Schwächen und Katastrophen unserer Gesellschaft existiert viel Positiva. Wir erleben die Wunder der Natur, wir erleben altruistisches Handeln, wir erleben unsere Kultur, unsere Familie usw.

Und wir erleben die Positiva in unserem selbstgebauten Weltbild nicht als Werte, sondern als alltägliche Selbstverständlichkeit. Diese verdammte Kinderbalkenwaage ist auf der rechten Seite mit dem Bösen besetzt, und auf der linken Seite fehlt das Gegengewicht, das Gute. So in Schieflage  eilen wir in unsere Kneipe und nehmen am Stammtisch Platz.