Leben 11

Apokalypse

Es geschah an einem sonnigen Vormittag. Die Sonne schien, und die Menschen gingen ihrer gewohnten Arbeit nach. Die dunkle Wolkenwalze war schnell, bedeckte den Himmel lückenlos, und färbte ihn schwarz. Die Reaktion der Menschen auf dieses Phänomen reichte von besorgt bis zu Angst. Und die Hälfte der Hamburger Bürger wusste um die Ursache. Sie erklärten ungewohnt lautstark, es sei Vulkanasche unterwegs, und sicherlich sei nun auf Island die Hölle los. Man eilte nach Hause und suchte nach Informationen bei einem der vielen Fernsehsender, im Radio, im Wetterbericht der BILD, durchsuchte das Internet zumThema Jetstream und so weiter, und so fort. So verging der Rest des Tages, und die folgende Nacht war wie immer, also auch beruhigend.

Die Sorge setzte sich fort nach dem Erwachen, denn es wollte einfach nicht Tag werden. Der Himmel blieb schwarz, und – das war nun neu – alle draussen geparkten Autos waren einheitlich grau. Ebenso grau hatten sich die Fliesen eines Balkons eingefärbt. Der Besitzer strich mit dem Finger darüber und registrierte: Vulkanasche. Sahara ist eher rostfarben. Rasch zog er sich zurück in seine Wohnung, denn draussen war es kalt geworden. Sein Thermometer meldete ihm 9° C im Hochsommer. Plötzlich hatte er gegen eine Panik anzukämpfen. Er wusste, irgendwo ist irgendetwas Fürchterliches geschehen. Bei der ersten Tasse Kaffee suchte er die ihm bekannten kritischen Orte zusammen und schrieb sie auf einen alten Briefumschlag. Da ist Tschechien, also die Gegend um Karlsbad. Liegt im Osten, aber die Wolke kam aus West. Dann müsste sie 1 x um den Globus gewandert sein, und wir hätten längst davon erfahren. Also weiter. Die Vulkan-Eifel? Er rief einen Freund aus Adenau an. Der legte sofort los: Habt Ihr auch die Sauerei mit der Asche und einen schwarzen Himmel? Zur selben Zeit berichtete der Bayrische Rundfunk über den Zustand Bayerns, der dem Hamburgs bis aufs Haar gleicht. Die Bayern vermuten des Übels Wurzel allerdings in Italien; den Neapolitanern seien wohl die Phlegräischen Felder um die Ohren geflogen! Der Hamburger lächelte müde. Wäre es so, dann hätten die Alpen vermieden, dass Bayern grau gepudert würde. Nun kümmerte er sich um Island, indem er sein Radio auf NDR II ausrichtete. Von dort erwartete er zurückhaltende, hanseatisch gediegene Informationen – die ihm umgehend geliefert wurden. Island klagt über fehlendes Tageslicht und allzu viel Vulkanasche. Und Island bringt den Yellowstone-Nationalpark mit seinem Hotspot von 60 x 35 km  Ausdehnung mit einer oberflächen-nahen Magmablase von 46.000 Kubik-Kilometern ins Spiel. Der NDR reichte die isländischen Informationen übersetzt weiter an seine Hörer. Die erfuhren nun, dass man über viele Jahre den Ausbruch eines Supervulkans fürchtete, nachdem man feststellte, dass sich in der Yellowstone-Caldera der Boden unentwegt hebt und senkt.Ein solcher Vulkanausbruch würde ziemlich präzise jenes Bild erzeugen, das man nun in Europa als Realität hinnehmen muss.

Strittig bleibt, wie lange die Vulkannacht über Hamburg bestehen bleibt, und ob es in der Zwischenzeit zu einer kleinen Eiszeit kommen wird. Unbestritten ist jedoch die Tatsachen, dass Europa auf solche Katastrophen nicht vorbereitet ist. Und sollte uns die Sonne zwei Jahre lang nicht zur Verfügung stehen, so wird die Versorgung mit Nahrungsmitteln für  Mensch und Tier kritisch, wenn nicht gar unmöglich.

Über Idaho und die USA mag man nicht nachdenken. Die Details bleiben uns jedoch nicht erspart, und wir werden auch diese Kröte noch schlucken müssen.