Über mich

Soeben wies man mich darauf hin, dass ich anonym schreibe. Natürlich habe ich das bisher ganz anders gesehen. Viele meiner Beiträge verraten, von welcher Sorte ich bin. Und ich schreibe nicht unter einem Pseudonym. Tatsächlich dachte ich, das reicht.

Ich werde keinesfalls meinen Lebenslauf schildern oder gar eine Lebensbeichte ablegen. Aber es schadet nicht, meinen Blog – alsGesamtbild verstanden – mit einigen Basics abzurunden, wie man das mit Salz und Pfeffer macht, wenn man einen Eintopf kocht .

Ich bin Jahrgang 1940 und Witwer. Und ich bin ein Bayer, allerdings den Ur-Bayern so fremd wie die Franken, da in der Rheinpfalz geboren. Genetische Defekte: Ich bin Weintrinker und mag auch die Biersorten aus Bavaria sowie eine Leberkäs-Semmel, wenn der Leberkäs direkt aus dem Backofen kommt.

Mein Beruf? Weiss nicht. Ich habe über die Jahre 9 verschiedene Jobs gemacht, ohne ein Genie zu sein. Wir Generalisten leben das „Geht nicht gibts nicht!“. Schwerpunkt war die IT. Dort bin ich gestartet mit IBM-Lochkartenmaschinen, also in der Nähe von Herrn Hollerith. Es folgte die Datenverarbeitung auf Grossrechnern, wofür die Software zu schreiben war. Heute kauft man sie wie ein Paar Schuhe.

Was sonst noch? Viele Wochen meiner Lebenszeit habe ich in Kliniken abgehangen, da chronisch krank und dem Tode näher als dem Leben, und dank Fatigue gefühlt dem Rollstuhl näher als meinem Schuhwerk.

Ein Blick in die Botanik

Es geschah am Ende des 2. Weltkriegs, als die USA zu Testzwecken Atombomben auf zwei japanische Städte warf – auf einen Gegner, der längst zu Boden gegangen war. Ein wahrer Feuersturm löschte Hiroshima aus, und was dort lebte, war nicht mehr. Mit einer Ausnahme. Ein Ginkgobaum widerstand dem Massaker. Bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, entwickelte er neue Triebe, und heute wird er verehrt.

Seine Früchte sind essbar. Sie gleichen unseren Mirabellen. Und sie sind gefürchtet. Vollreif beginnen sie erbärmlich zu stinken. Wer sich je in einem Kino freie Sicht auf die Leinwand verschafft hat, indem er Stinkbomben einsetzte, kennt den Geruch der Buttersäure, die der Ginkgo fies mit einem Schluck Capronsäure modifiziert. Damit riecht die Frucht wie eine in Buttersäure gebadete Ziege!

Das Blatt des Ginkgo weist eine einmalige Struktur auf. Es ist eine Kombination von Nadel und Blatt und lässt vermuten, dass die Art vor Äonen in der Entwicklung vom Laubbaum zum Nadelbaum irgendwann stehen geblieben ist. Der Ginkgo ist ein lebendes Fossil.

Ein modernes Übel: Das Elternhaus

„Die Tugend der Eltern ist eine kostbare Mitgift.“

So Horaz, ein römischer Dichter (65 bis 8 v. Chr.). Er hat dies sicherlich nicht ohne Grund gesagt.

Die moderne, also unsere Welt leidet an den gleichen Defiziten wie die römische Gesellschaft zu Zeiten des Horaz. Der Geldadel des 21. Jahrhunderts nennt das dennoch „Fortschritt“.

Ein Mann nennt es „Fortschritt“, wenn er seine 108. Million erwirtschaftet hat. Und er wird in diesem, seinem Leben nicht mehr verstehen, dass er ein armes Würstchen ist. Sein Geld straft ihn, indem es nicht fähig ist, glücklich zu machen. Und sein Leben straft ihn, weil es Nischen hat, in denen Geld nichts bewirkt, wie die folgende.

Zurück zu Horaz: Wenn die Eltern kein tugendhaftes , sondern ein durch Geld verdorbenes Leben führen, so entwickeln sich die Kinder häufig zu asozialem Grobzeug. Es bleibt anderen Menschen überlassen, sie zu bearbeiten, sie also unter Schmerzen auf ein Normalmass zurechtzustutzen.

Zuviel Klischée? Gewiss, Pauschalierungen zu nutzen ist unfein.

Aber leben wir nicht in einer Welt, wo ein einzelner Psychopath den 3. Weltkrieg anzetteln kann? Wo irre, geldgeile alte Männer einen Krieg fordern, um endlich die Waffenarsenale leeren zu können, damit neu gekauft werden kann? Befasst Euch mit den Biografien dieser Leute, und Ihr werdet Klischées bestätigt finden.

Das Vaterland und seine Patrioten

Arthur Schopenhauer und ich ( ! ) sind uns nie begegnet. Er ist zu früh gestorben, nämlich im Jahr 1860, und ich wurde zu spät geboren, und das war so um 1940, glaube ich. Dennoch sind wir in einem Punkt Brüder im Geiste.

Aus seinem Nachlass: „Das deutsche Vaterland hat an mir keinen Patrioten erzogen.“ Sein Nachlass deckt sich vollständig mit meinem gleichlautenden Vorlass. (Ich liebe Kunstworte. Bin ja noch nicht tot.)

Vaterland und Patriotismus sind heutzutage beliebig benutzte Worthülsen mit wasserdünnem Inhalt. Was ist das, ein Vaterland? Das Land meines Vaters? Meiner Väter? Und was ist, wenn einer meiner Vorväter Franzose war? Muss ich dann nicht „Allons enfants de la Patrie“ singen? Nun, bekanntlich machen es sich auch die Patrioten einfach, indem sie verallgemeinern mit „dem Land unserer Väter“.

Und was ist eigentlich ein Patriot? Ein glühender Verehrer des Vaterlands, einer Fiktion? Einer moralischen Größe, die ihren Ursprung in Zeiten der Vielstaaterei hatte? Sollen wir etwa das Hambacher Fest erneut feiern, um die Deutschen auf SchwarzRotGold einzuschwören? Dann wären die Protestler im Hambacher Forst am falschen Ort gewesen, wo es nur um Braunkohle ging,und keinen Pfälzer Wein gibt!

Schon gut. Schluss is. Aber ein wenig polemisieren macht schon Spass. Es ist erlaubt, solange man weiss, was man tut.

Über die Liebe

Wahre Liebe verlangt, einen Teil der eigenen Identität zu opfern.

Zugleich empfängt man einen Teil der Identität eines anderen Menschen, und einen Bonus: Momente des Glücks.

So entsteht aus der Zweisamkeit das Gefühl von Vollkommenheit.

Aphorismus

Manche Menschen meistern schwierige Probleme mit leichter Hand – anderen wiederum hilft bei leichten Problemen nicht mal eine schwere Hand.

Aphorismus

Bewege Dich wachen Sinnes durch die Welt,

und Du wirst vieles über Menschen erfahren,

aber wenig über Menschlichkeit.

Ein Blick aus dem Fenster – 2 –

Hallo Natur-Fan’s! „Ein Blick aus dem Fenster“ beschreibt kurz den Zustand unseres Hausgartens. Warum schreibe ich darüber? Ad 1 ist es mir wichtig, was sich da draussen entwickelt, und ad 2 denken andere „Gärtner“ mal darüber nach, was Sinn macht.

Da sind etwa 14 qm an der Strasse, die eine verwirrte Hand total überdüngt hat. Der Rollrasen ist ungemäht durchgedreht und auf eine Höhe von 1,85 m herangewachsen. Diese Fläche wirkt exotisch, und Passanten bleiben verwundert stehen. Ich übrigens auch.

Daneben blühen diverse Wildblumen, weil das Gras es noch nicht dorthin geschafft hat. Bemerkenswert: Es wurde ein Stieglitz gesichtet. Er sass mit seinen vollen 12 Gramm Körpergewicht auf einem Blütenstengel. Wahrlich eine Rarität.

Dahinter kommen ca. 100 qm Wildwiese. Hier steht einem Leuchtturm gleich eine dieser bösartigen Disteln in stattlicher Höhe von 150 cm und einem leuchtend-gelben Blütenbouquet. Unmöglich, sie zu fällen. Vielleicht kriehgt sie nächstes Jahr Kinder! Ansonsten wuchert dort eine Gemeinheit, die zu beseitigen sich eine Reihe von Fachkräften im Netz umtut. Nur der NABU plädiert für den Gemeinen Hornklee, weil er, der Hornklee, den Insekten reichlich Nektar anbietet. Und die sind wieder da.

Kurz gesagt: Unsere re-naturierte Insel funktioniert, und ist sowas von pflegeleicht! Aber irgendwer muss nun für Regen sorgen. Oder soll ich das auch noch übernehmen?

Nachbearbeitung eines unbekannten Blogbeitrags

Soeben las ich in einem Blog über Verlangen, Sucht, Wollen und Können und die persönliche Freiheit bei Entscheidungen, hier den Weingenuss betreffend. Ich habe dreimal gelesen, um nachfühlen zu können, was ich verstehen soll. Es ist mir misslungen.

Das Thema „Sucht“ ist zu wichtig, um damit leichtfertig hantieren zu lassen. Jedermann kann damit nach Belieben umgehen, aber nur in seiner Ecke, und nicht im Netz. Das sagt nämlich:

„Sucht ist eine krankhafte Abhängigkeit von einem bestimmten Genuss- oder Rauschmittel o. ä., oder übersteigertes Verlangen nach etwas, einem bestimmten Tun, wie Vergnügen, Genuss usw.“

Die Sucht ist eine psychische Erkrankung mit psychosomatischer Wirkung und verlangt nach Therapie. Es gibt keine Freiheit der Entscheidung zum Konsum von Suchtmitteln. Anderes zu vermuten ist wie Magerquark ohne alles. Süchtige sind extrem unfrei.

Unsere sogenannte Wohlstandsgesellschaft hat mehr Süchtige, als man sich träumen lässt. Die Mehrzahl der Betroffenen weiss nichts davon bzw. darüber. Warum ist das so? Der Zustand wird erst mit dem Leiden des Betroffenen pathologisch. Und gottlob erlebt nicht jeder diesen dramatischen Schritt in die Krankheit, auch wenn er nächtens seine Wohnstatt auf den Kopf stellt, um die vermisste Tafel Schoko endlich zu finden, weil verdammt nochmal jetzt unbedingt Schoko mit Traube und Nuss verlangt wird, und gar am Nachtschalter der Tanke gekauft werden muss, weil irgendwer das letzte Pfund Fruchtjoghurt mit Pfirsich/Maracuja weggegessen hat.