Leben 8

Thema: Ein typischer Nachmittag.

Plötzlich sagt die blecherne Uhr, es sei nun Mittagszeit und die innere, virtuelle meint dazu, jetzt wäre Futter ranzuschaffen. Nun bin ich unbestritten ein gehorsamer Diener meiner versteckten Leidenschaften. Deshalb schiebe ich gleich eine Pizza ins Rohr. Das  Besondere: Sie gehört nicht zur Familie derer von Oetker. Man hat sie nämlich mit Piquanté-Frucht belegt, und ich habe das scharfe Früchtchen noch nicht kennengelernt. Also freue ich mich auf die Première  von „Pizza extra scharf“.

Solange meine Mahlzeit noch vor sich hin gart, nutze ich die Zeit, um aus meinem Bürofenster in den Garten zu schauen. Ich tue das mit Genugtuung. Während ich hier in meinem Sessel klebe wie ein sitzen gebliebener Hefeteig-Klops, tobt draussen das Leben. Zwei Jahre fast nichts tun hat es zurückgebracht.

Nun ist mir klar, dass ich mit meiner Grundhaltung zum natürlichen Gelände, das mal mein Garten war und viele tausend DM und oiro verschluckt hat, nicht die Welt rette. Wenn ich zur Wahl gehe und mein Kreuzchen irgendwo hinmale, breche ich auch nicht die Macht des Kapitals.

Im ersten Fall flüchte ich mich in das Kostüm des Naturfreunds, im zweiten in das des Demokraten. Doch beide Rollen sind die von Narren. Zur Rechtfertigug meiner Narrenrolle in Sachen Natur: Ich schaffe Lebensraum für einige tausend Kreaturen. Manche denken für Ungeziefer.

So, diese Pizza ist gegessen, und – nomen est omen – die Piquanté-Frucht hat sich als pikant erwiesen, leicht süss, leicht scharf, und in Verbindung mit Chorizo-Scheiben tatsächlich gut. Ich darf hier urteilen, weil ich kein Pizzafreund bin.

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Nun bin ich doch wieder aufgewacht. Der heutige Nachnittag hat mich 3 Stunden Schlaf gekostet. Das sind 3 Stunden mit ohne alles. Und so läuft es nahezu jeden Tag, Verlust an Lebenszeit! Wenn das so weitergeht, und danach sieht es aus, führe ich Buch und lasse mir dereinst die Summe von der Ewigkeit abziehen, als bereits geleistete Jahre.