Leben 5

Die letzte Nacht war kurz. Aber 4 Stunden Schlaf reichten aus, mein Gerippe so zu schädigen, dass ich über den Flur ging, wie es nur einem 80-jährigen zusteht. Für den Missbrauch körperlicher Gebrechen müßte ich mich entschuldigen, wüßte ich nur, wo. Ich bin nun mal nicht 80, sondern 79 1/2, und ich vertrage manches nicht, was die Doktoren anordnen. Da sagte einer, ich soll das Kopfteil ein wenig hoch stellen, ein anderer weist an, das Fussteil zu liften Nun bin ich auch noch Seiten-Schläfer, und so liege ich in meinem Bett wie eine missratene Blutwurst, und meine morgentliche erste Pflicht ist, meine Wirbel zu sortieren und so einzurichten, dass sie nur noch zwiebeln, wenn mich ein Pferd tritt. (Natürlich lasse ich niemals ein Pferd in mein Haus.)

Mein Arbeitszettel ordnet 3 Arbeiten an, wovon 2 innerhalb einer halben Stunde erledigt wurden. Der dritte Job hat es in sich: Online-Einkauf der Lebensmittel! Du fragst, was daran so schwierig sein soll? Probiere es! Wecke Deine Neugierde auf und fülle den Warenkorb – ohne Produktkenntnisse kaufst Du so um 15% Ware, die Du – korrekt justiert – in die Mülltonne wirfst und erbittert  irgendwas von „Dreck nicht fressen“ murmelst. Wie auch immer, ich plane weitere 90 Minuten für diesen Job ein.

Und der Rest des Tages? Von 17 Stunden sind zwei belegt, der Rest ist Dolce farniente. Aber wie das Leben so spielt! Ich habe noch nicht das schmutzige Geschirr in der Küche gesehen, da klingelt das Telefon. Meine Tochter bittet, „schon mal den Kaffee zu kochen“. Wir werden zusammen frühstücken, und sie bringt die Brötchen mit. Ich freute mich. Ein Lichtstrahl traf meine Seele und erhellte mein Inneres. Ich wusste, der Vormittag hat sich erledigt. Wenn meine Tochter und ich zusammentreffen, sind die folgenden Stunden mit Gespräch angefüllt.

Dabei ziehe ich regelmässig den Kürzeren. Ich werde an die Wand geredet, bis ich daran kleben bleibe, und nach dem Ablösen von der Tapete einen Fettfleck hinterlasse. Weniger hinderlich ist die Tatsache, dass meine Tochter deutlich intelligenter ist als ich. Es ergibt sich ein Kuriosum. Ich lerne von ihr. Nicht umgekehrt. Aber das ist völlig ok. Man lernt nie aus, weil sich auf unserem Planeten allzu viele Räder drehen.

Nun ist’s 17 Uhr, und ich habe heute noch 7 bis 8 Stunden vor der Nase. Keine Ahnung, womit ist diese Zeit füllen werde. Ich weiss: Wenn ich erst mal damit beginne, darüber nachzudenken, dann füllt sich mein Arbeitszettel, wird toxisch und fängt an zu schmerzen.

Ausserdem gibt es auch für mich ein mañana. Ich bin in der Disziplin Prokrastination ein Meister. Prokrastination – ein herrliches Wort für ein triviales Verhalten: Alle Arbeit auf morgen zu verschieben. Stimmts, oder habe ich recht?

Ach ja, meine Tippfehler! Wenn da welche sind, und es sind fast immer welche da, dann entschuldigt das bitte. Ich habe einfach keine Zeit zum Korrekturlesen.