Leben 1

Soeben haber ich ein kleines Wunder vollbracht. Es ist spät, und ich durchsuchte diverse Quellen nach sehenswerten Fernsehbeiträgen, fand einen Spielfilm mit Michael Caine, spielte an – und schaltete ab. In den vergangenen Wochen ist mir dies einige Male passiert, ohne dass ich darüber nachdenken musste. Heute nacht ist das anders. Für Desinteresse eines Fernsehsüchtigen muss es Gründe geben. Werde ich endlich weise? Das wäre wirklich wünschenswert! Oder bin ich auf dem Weg in die absolute Einsamkeit, oder gar in die Demenz? Das wäre die negative Entwicklung einer menschlichen Existenz!

Wie sie so sind, die Pragmatiker dieser Welt: Erst warten wir mal ab, suchen nach Indizien, finden welche und sortieren sie hierhin oder dorthin, haben nichts verstanden, aber bewerten und urteilen und blamieren uns vor der Welt, wenn es ihr gelingt, zu uns durchzudringen. Ich weiss, das ist unvermeidlich. Also folge ich dem Drang, mich zur Wehr zu setzen. Ich weiss auch, dass ich selbst mein ärgster Feind bin. Will ich Ordnung schaffen, dann wuss ich wohl oder übel bei mir beginnen. Und dies ist leichter, als ich glaubte.

Ich habe entschieden, dass ich auf dem Weg zur Weisheit bin, und daran lasse ich nicht rütteln. Aber ich mache es mir nicht einfach, suche nach Beweisen. Ich finde mich damit ab, dass ich womöglich niemals weise denken und handeln werde, aber ich begnüge mich mit der Feststellung des Fortschritts. Ich spüre, dass Widerstand signalisiert: Du lebst Dein Leben!  Opportunität ist nur ein taktisches Mittel zur Zielerreichung! Du willst es unbedingt, wenn Du etwas nicht willst! Und wenn Dir das alles zu mächtig und zu schwer erscheint: Denke an den winzigen Falter, der Dir gerade um die Nase flatterte, und frage Dich, welche Kraft es vermochte, einem solch winzigen Wesen so viel Lebenskraft zu schenken, und ob es richtig ist, dass Du als schwergewichtiger Riese so wenig Lebenskraft besitzt, dass Du Dich – um Schutz vor der Welt bemüht – in ein Schneckenhaus zurückziehen möchtest.