Ferienzeit

Ich bin erwacht,
und ein Sonnenstrahl findet den Weg
in mein Zimmer und zu meiner Seele.
Es duftet nach Heu und nach Kaffee –
aber das war an einem anderen Tag.

Noch verdeckt der Horizont
das Licht und die Kraft der Sonne,
aber nackte Füsse schreiten über eine Wiese
und geniessen den Tau des Morgens –
aber das war an einem anderen Tag.

Staunend betrachte ich
das kristallklare Wasser des Flusses.
Ein Fisch findet sein Futter am Grund,
und eine Kiesbank lockt zum Träumen –
aber das war an einem anderen Tag.

Ich treffe Fremde.
Sie sind wie ich gelöst vom Grau des Alltags.
Belanglose Worte entwickeln plötzlich Sinn,
und aus Fremdsein entsteht Vertrautes –
aber das war an einem anderen Tag.

Ich bin anderswo,
doch irgendwie auch zu Hause.
Ich werde gehen, und doch bleiben.
Meine neuen Wurzeln
sind die Quelle für Erinnerungen.
Das ist für heute.

Ich schaue aus dem Fenster.
Hier ist „Sie“, meine kleine, vertraute Welt.
Tausendfach geschaut, tausendfach gesehen.
Monotonie droht schon wieder, ich bin allein.
Das ist heute.

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