Üble Gedanken

Eigentlich habe ich momentan keine Lust zum Schreiben. Da kommt mir doch eine Diskussion um einen Song von Peter Maffay vor die Flinte, und ich lese, und ich verstehe nichts. Und wie das so meine Art ist beginne ich zu grübeln. Plötzlich ist mir zum Weinen zumute, und ich denke: “Alter, mach hier keine Geschichten! Vor Dir steht ein Glas Wein, ein Riesling von der Saar, und da weint man nicht hinein!“

Gut. Ich kriegte das in den Griff, aber es blieb eine leise Trauer kleben wie die Tomatensosse auf meinem T-Shirt. Wie auch immer: Ich muss akzeptieren, dass jeder Mensch sein eigenes Weltbild hat, das möglicherweise sich über Jahrzehnte entwickelte und mangels Anlass auch nicht radikal verändert  werden musste. Nun mag es Mitmenschen geben, in deren Weltbild Peter Maffay eine tragende Rolle spielt. Bei anderen ist es die Religion, oder der Fussball, eine politische Partei oder das geniale Lebensmotto der Saarländer: „Hauptsach gut gess, nix gschafft man mer gleich!“ Bitte sehr, alles erlaubt. Gesund wäre allerdings, wenn daneben die gesellschaftliche Realtät halbwegs richtig dargestellt stünde. Wer keinen Blick dafür übrig hat, ist dumm oder faul, oder ideologisch versaut.

Wenn mich auf die hier geschilderte Weise der Weltschmerz peinigt, so lande ich stets im Fatalismus, und der hat einen Namen: Oswald Spengler mit seinem kulturphilosophischen Hauptwerk, dem „Untergang des Abendlands“. Dieses Buch müsste umgeschrieben werden, also die Zeit um 1900 in die Zeit um 2018 verändert, und dann als Pflichtlektüre für angehende Wirtschaftswissenschafter und Soziologen installiert werden.

Und wer sich dann dumpfbackig darüber aufregt, dass Spengler den Krieg als Anlass für den kulturellen Niedergang eines Gesellschaftssystems benennt, dem würde man eine Aussage von Warren Buffett, einem Multimilliardär entgegenhalten:

„Es herrscht Klassenkrieg, richtig, aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“ (Zitat, 2011)

Merke: Der Krieg, der uns gegen die Wand brettern lässt, ist längst voll entbrannt. Er findet auf einer Ebene statt, die für solche Menschen unerreichbar ist, die mit der Weltgeschichte, den globalen Entwicklungslinien und der Zukunft nichts am Hut haben und die sich lieber mit Peter Maffay beschäftigen. Es liegt mir fern, das zu kritisieren – aber beklagen darf ich das schon, oder?

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