Horsd’oeuvre: D’escargots

Vor Jahrzehnten spazierte ich nahe der Stadt Regensburg am Donau-Ufer entlang. Es fehlte nicht viel, und ich wäre durchgedreht; auf  etwa 50 Metern Uferweg zählte ich 53 Weinbergschnecken.

Vermutlich habe ich einen geringen Anteil Frankreich im Blut, denn diese Tierchen weckten Phantasien, und ich sah vor mir eine Platte mit 12 Escargots, sauber blanchiert und mit Knoblauch-Kräuterbutter im Schneckenhaus serviert, dazu Baguette und eine Flasche gut gekühltem Chardonnay – wie gesagt litt ich an einem Tagtraum.

Natürlich hatte diese, meine Schwäche eine Ursache. In der Kurklinik hatte man mich auf Reduktionskost gesetzt, auf 1000 Kalorien pro Tag. Wer jemals mit Moltofill-Fugenkitt gearbeitet hat, weiss wie Magerquark schmeckt. Allerdings, wenn man reichlich feingehackte Schalotten unterrührt, verändert sich der Geschmack in Richtung Schalotten in Moltofill, und mit Frühlingszwiebeln serviert ergibt sich eine andere Farbe des Fugenkitts. Aber jede Brotscheibe krümmt sich vor Ekel, wenn man sie mit Magerquark quält, und das war zum Frühstück und zur Abendmahlzeit angesagt.

Diese hier geschilderte üble Mumpe hat eine psychedelische Wirkung.

Deshalb der Traum von Escargots burgunder Art. Oder es taucht ein badisches Schneckensüpple auf, eine andere, aber gleich lecker aussehende Fatamorgana.

Weinbergschnecken drohen auszusterben, Darum stehen wild Lebende unter Artenschutz. Aber längst produziert man die Tiere auf Schneckenfarmen für den Kochtopf.

Des escargots, je t’aime-vous!