Unendlich ist die Schar der Toren

Francesco Petrarca, ital. Humanist und Dichter (14. Jahrhundert)

Der US-Präsident Donald Trump hatte zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli 2019 eine 60 Minuten-Rede vorbereiten lassen, die ihm auf einem Teleprompter zum Ablesen angeboten wurde. Wie berichtet wird, hatte er mit seltener Disziplin den Text vorgetragen, und die Macher im Hintergrund waren hellauf begeistert: Diesmal klappt’s! Dachten sie.

Dumm war, allzuviel Patriotismus und präsidiales Eigenlob einzubauen. Der Präsident war schliesslich ergriffen von seiner eigenen Grösse und seiner geistigen Potenz. Es kam, wie es kommen musste. Er verlor den Kontakt zum Teleprompter und wurde kreativ mit einem Lob für die US Army: „Die Armee war in der Luft, sie rannte gegen Befestigungsanlagen an, sie erkämpfte Flughäfen, sie machte alles, was zu machen war!“ Seine Zuhörer waren vor Begeisterung aus dem Häuschen, und es dauerte sehr lange, bis dem einen oder anderen schwante, dass es im Juni 1775 weder Flugzeuge noch Flughäfen gab, da die Gebrüder Wright erst in 1903 das erste motorisierte Fluggerät bauten.

Die Summe der Fehlleistungen und kriminellen Handlungen der Trump family lässt sogar die Deutschen erschrecken – sie sind selbst keine Waisenknaben, wenn gelogen und betrogen werden muss.

Warum zum Teufel gilt die Wiederwahl Trumps in 2020 als so gut wie sicher? Ich sehe zwei Gründe. Zum einen ist er ein begabter Demagoge, der es versteht, den Underdogs Traumbilder zu verkaufen. Und zum anderen ist er manipulierbar, also für die Oberschicht und andere Interessengruppen wie die Rassisten nützlich.

Ich glaube, dass nirgendwo in einer Verfassung festgeschrieben wurde, öffentliche Ämter dürften nur an Gesunde vergeben werden.

Und wenn schon! Verfassungsbrüche leistet man sich ohne Skrupel, wenns nicht anders geht. Wer aufmerksam verfolgt, wie Politik geht, lernt  automatisch dazu, zum Beispiel dass Bertolt Brecht recht hatte, als er kommentierte: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral!“

Modernisiert klingt  das ein wenig rigoroser: „Erst kommt der Profit, und dann kommt nichts mehr.“

Haben wir Bürger nun einen Grund zum Jammern? Erst Scheisse bauen, und dann klagen? Wie blöd ist das denn! Dank unserer Inkompetenz und Bequemlichkeit hat sich aus der kleinen Raupe Nimmersatt ein gewaltiges Ungeheuer entwickelt, das uns irgendwann einen neuen Schwarzen Freitag bringen wird und uns nach dem Zusammenbruch unserer Existenz dazu zwingt, wieder bei Null zu beginnen. Es gilt aber auch, was der Multi-Milliardär Warren Buffett in 2006 ungeniert verkündete:

„Es herrscht Klassenkrieg, richtig! Aber es ist meine Klasse, die Klasse der Reichen, die Krieg führt, und wir gewinnen.“

Leute wie ihn macht eine Staatskrise noch reicher. Aber auch Buffett und Soros  haben ein Problem: Es ist das Altern. Irgendwann liegen sie in einer Holzkiste und können nichts mitnehmen ausser ihrem eigenen Hintern. Mich tröstet dieser Gedanke.

Aber – um der Wahrheit die Ehre zu geben – beide sind nun 88 Jahre alt und geben schon zu Lebzeiten einen wesentliche Teil ihres Milliardenvermögens in Form von Stiftungen und Spenden der Gesellschaft zurück.