Gedanken unter einem Apfelbaum

Wir wissen ein wenig über die  grossen Kulturen der Vergangenheit, weil sie deutliche Spuren hinterlassen haben. Ein gefrässiges Raubtier, die Dekadenz hatte sie vernichtet, die Kultur der Etrusker, das antike Griechenland, das  römische Reich, das der Inkas und der Pharaonen und ja, auch das der Teutonen, das 1000jährige Reich unseres durchgeknallten Führers Adolf Schicklgruber, der sich Hitler nannte – sie alle sind Geschichte.

Ich sehe einen Apfel. Sein Baum erlebte – funktionell auf Null reduziert – einen Winter. Das wäre die kulturelle Katharsis. Es folgen Frühling und Sommer, die Aufbauphasen mit reifen Früchten, also hat man den kulturellen Höhepunkt erreicht. Nun beginnt der Abstieg

in eine neue Katharsis. Früchte und Blätter fallen, und der Apfelbaum scheint wieder tot. Es herrscht erneut der Winter.

Warum dieses Gleichnis? Es benutzt einen natürlichen Vorgang, um einen natürlichen Zyklus zu erklären. Ersetze den Apfelbaum mit dem römischen Reich der Caesaren. Es passt, nicht wahr? Aufbau, Blütezeit, Höhepunkt, Zerfall und Auslöschung. Ersetze Rom durch irgendeine andere Kultur, und es passt. Also ersetze ich den Apfelbaum durch Kultur, und es passt immer noch.

Nun schaue ich hin, wo wir in diesen Tagen stehen, und es drängt sich mir die Einsicht auf, dass wir die Phase des Zerfalls erleben. Das ist nichts, was mir Angst machen könnte. Der Apfelbaum lehrt mich, dass der Niedergang einer Kultur Phase in einem notwendigen Zyklus ist, an dessen Ende ein neuer Zyklus beginnen wird, also eine kulturelle Wiedergeburt.

Wenn es gelingt, unseren Egoismus für einen Moment zu unterdrücken, könnten wir solche Gedanken geniessen – sie sind mehr als nur utopisch. Und ich füge gegen allzu viel Optimismus hinzu: Die Menschen der Gegenwart sind nicht besser als die der antiken Welt.

Sie sind nur anders. Der unermessliche Fortschritt aus den letzten Jahrhunderten hat den Menschen nicht zum Guten verändert.

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