Das Vaterland und seine Patrioten

Arthur Schopenhauer und ich ( ! ) sind uns nie begegnet. Er ist zu früh gestorben, nämlich im Jahr 1860, und ich wurde zu spät geboren, und das war so um 1940, glaube ich. Dennoch sind wir in einem Punkt Brüder im Geiste.

Aus seinem Nachlass: „Das deutsche Vaterland hat an mir keinen Patrioten erzogen.“ Sein Nachlass deckt sich vollständig mit meinem gleichlautenden Vorlass. (Ich liebe Kunstworte. Bin ja noch nicht tot.)

Vaterland und Patriotismus sind heutzutage beliebig benutzte Worthülsen mit wasserdünnem Inhalt. Was ist das, ein Vaterland? Das Land meines Vaters? Meiner Väter? Und was ist, wenn einer meiner Vorväter Franzose war? Muss ich dann nicht „Allons enfants de la Patrie“ singen? Nun, bekanntlich machen es sich auch die Patrioten einfach, indem sie verallgemeinern mit „dem Land unserer Väter“.

Und was ist eigentlich ein Patriot? Ein glühender Verehrer des Vaterlands, einer Fiktion? Einer moralischen Größe, die ihren Ursprung in Zeiten der Vielstaaterei hatte? Sollen wir etwa das Hambacher Fest erneut feiern, um die Deutschen auf SchwarzRotGold einzuschwören? Dann wären die Protestler im Hambacher Forst am falschen Ort gewesen, wo es nur um Braunkohle ging,und keinen Pfälzer Wein gibt!

Schon gut. Schluss is. Aber ein wenig polemisieren macht schon Spass. Es ist erlaubt, solange man weiss, was man tut.

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