Träumerei

Ich wünschte, ich könnte fliegen,
dann würde ich mich
aus dem Schweinekoben erheben
und den ganzen Mist hinter mir lassen,
Ich würde weder den Schlachter
noch seine Wurst fürchten,
meine Gülle dem Wind überlassen,
vogelisch reden lernen,
die Flugsicherung verunsichern,
bräunen ohne zu braten,
im Fluge aus den Kronen der Apfelbäume
Früchte pflücken,
im Süden Trüffeln schnüffeln
und sie dann selber müffeln,
gegen meinen Bauern Luftattacken fliegen,
durch offene Fenster ein- und ausschweben,
mit Piloten „Alles roger!“ austauschen,
in der Schweinebucht eine Landung versuchen,
einen Tierarzt suchen, der spritzen kann,
mit Zeppelinen um die Wette fliegen,
Blütennektar trinken wie ein Kolibri,
mich in einen italienischen Keiler verlieben,
und in einem Eichenhain abferkeln,
Schweinfurt besuchen,
auf Borneo mit den Schweinsaffen
Kokosnüsse pflücken,
meine Hufe lila lackieren,
auf dem Rücken fliegend  „I´m flying“ singen,
nur noch Saumässiges fressen,
frei sein und gut riechen,
täglich die Kolumne „Neues von der Flugsau“ lesen,
mit Miss Piggy einen Film drehen und
von Robert Redford gekrault werden,
Luftkampftechnik nach Immelmann erlernen,
und segeln, segeln, segeln
auf der Thermik im Hochgebirge
zwischen Drachenfliegern und Paraglidern,
bei Ballonfahrern Obst ergattern,
nur saumässige Landungen hinlegen,
wie es sich gehört
– und einen Fliegertod sterben,
und danach nicht im Rauch abhängen müssen,
fühlen, wie meine Seele weiterfliegt –
wenn ich es mir recht überlege:
Ja, ich wünschte, ich könnte fliegen!

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