Nachgedacht

Was ist los mit Dir, Alter? Dein ganzes Leben lang und bis zum heutigen Tag hast Du Dich als  humorvollen Menschen gesehen, und nun schreibst Du Blogbeiträge mit überwiegend negativem Inhalt? Tag für Tag dieselbe Sch ….. ? Ich beginne eine Diskussion mit mir. Erst mal gilt: „Negativ“ ist negativ gewertet. So also nicht. Ich bestehe auf „kritisch“ über Negatives reden oder schreiben.

Kritisches zu schreiben generiert keine Sympathie. So gewinnt man keine Freunde. Schliesslich giesst man Dreck kübelweise über Menschen aus, die eventuell den kritischen Zustand von irgendwas mit Erfolg verdrängt haben. Na, dann eben nicht! Zwar erlaube ich mir hie und da einen Denkfehler, aber niemals werde ich mein Bild von unserer  Welt so sehr verkleinern, dass der Schmutz in den Falten eines Schrumpfwesens verschwindet und nicht mehr stinkt.

Humorvoll sein heisst nicht doof sein. Heisst nicht, unkritisch durch das Leben zu trudeln. Der Humor ist Medizin, und er hilft dabei, nicht zu verzweifeln. Genau dafür wurde die Unterart gebildet, die wir „Galgenhumor“ nennen.

Jaja, Alter! Das Leben auf dem Planeten Erde hat auch eine positive Seite! Du weisst das! Du könntest doch zum Beispiel ein Kochrezept über heisse Milch mit ohne alles schreiben? Oder deutlich anspuchsvoller über einen „Schokoladenpudding in 2 Minuten“? Oder einfach über „das Leben ist schön“! Und jetzt, genau an dieser Stelle poppt der innere Konflikt auf. Die Lösung ist – ich schreibe das ungern – trivial. Unser  Leben hat wie Janus zwei Gesichter, und man muss beide nicht nur hinnehmen, man muss sie lieben. Und man muss sie als ständige Begleiter akzeptieren. Nur wer das Leben zur Melange verkommen lässt, hat verloren.

Dumm nur, dass die Wirkung beider Gesichter so unterschiedlich scheint. Das Gute wird als alltägliche Selbstverständlichkeit hingenommen und nicht in Hymnen besungen. Anders das Böse. Es wird unentwegt getriggert und ist deshalb aktuell und akut. Es schmerzt, und es helfen keine Pillen. Wir verlangen dringend Kompensation, erfahren die Unwirksamkeit des Guten und greifen zu anderen Mitteln wie Drogen, Alkohol, Pizza und Schokolade. So geraten wir auf Nebengleise und fahren einer Zukunft entgegen, die nichts Gutes verheisst – oder wir steuern rechtzeitig um, indem wir mit Hilfe von Verstand und Vernunft in der geraden Spur weiterfahren.

Gut gebrüllt, Löwe! Aber sag an: Was machst Du auf der geraden Linie mit deinen Gefühlen? Sie beharren auf ihren Mitwirkungsrechten! Unterdrücke sie, und Du wirst zum seelischen Krüppel! Wieder ein Konflikt, und wieder eine triviale  Lösung: Schreibe einen Blog! Und wisse: Was Du durchdacht und geschrieben hast, gilt als verarbeitet. Dadurch wird die Welt nicht besser – aber Du fühlst Dich besser. Nun ja. Eine wirklich kleine Lösung, aber besser als keine Lösung, nicht wahr?