Besuch einer alten Dame

Die Nacht war wieder einmal regnerisch. Ich stand am Fenster und dachte über ein Problem nach, und ob es mich beträfe, oder nicht. Gerade hatte ich entschieden, über das Problem hinweg zu sehen, es also nicht zur Kenntnis zu nehmen, als vor dem Fenster auf meiner Terrasse dieser rote Mantel ohne Inhalt, aber mit zwei zur Schale geformten Händen erschien.

Noch ehe ich meine Verblüffung überwunden hatte, vernahm ich in meinem Inneren eine weibliche Stimme, die monoton – wie soll ich das jetzt beschreiben – die also monton informierte:

„Ich bin eine Fee. Du hast drei Wünsche, die ich Dir erfülle. Ich bringe Dir Bescheidenheit, Klugheit und Weisheit. Nutze sie!“

So sprach sie, und verschwand. Ich liess mich in einen Sessel fallen, und es brauchte eine gefühlte Ewigkeit, bis ich klar denken konnte. Umso deutlicher verstand ich. Sie hatte mir keine freien Wünsche angeboten, sondern eine Botschaft überbracht. Sie lautet im Klartext:

„Sei zufrieden. Du hast alles, was Du brauchst. Wage, Verstand und Vernunft zu benutzen. Bewahre Deinen inneren Frieden und sei unabhängig beim Denken, Reden und Handeln.“

Ich habe den Wert des unerwarteten Besuchs sofort erkannt. Aber warum galt ihre Visite gerade mir? Etwa weil ich eine Revision nötig hatte? Kennt sie gar meine Zukunft?