Phrasen dreschen

Vielleicht ist es an dieser Stelle angebracht, zur Praxis des Sprücheklopfens Stellung zu nehmen, zu einer  Unart, die man auch mit Phrasendrescherei bezeichnet.

Stellung beziehen zur Phrasendrescherei? Denk nach, mein Freund. Was sollte wohl dabei herauskommen? Kann man jemandem, oder gar sich selbst  diese Unsitte abgewöhnen? Lächerlich. Das Sprücheklopfen unterlassen? Ja dann bin ich doch nur noch ein halber Hans Otto! Phrasen sind schliesslich so etwas wie die Sättigungsbeilage, wie man in der ehemaligen DDR Kartoffeln, Reis und Nudeln bezeichnete, jener Stoff also, mit dem man ein ernsthaftes Gespräch anreichert, nur um Volumen zu erzielen!

Ein Redner, ich meine einen Profi am Mikro, redet 2 Stunden lang; wenn er den Inhalt seines Vortrags auf die reine Substanz eindampft –  sinnigerweise reden Köche vom Reduzieren der Kochflüssigkeit, um mehr Geschmack z. B. an die Sosse zu bekommen –  wenn also der Redner eindampfen würde, blieben acht bis zehn Sätze übrig, die angesagt drei bis vier Minuten erforderten, dann wüsste jeder Bescheid, und alle könnten rascher ans Kalte Buffet gelangen. Aber: Wie armselig stünde der Redner hinter seinem Pult,  müsste sich fragen lassen, wofür er ein solches Pracht-Honorar kassiert. Und er würde sofort erkennen, dass er nicht für die Essenz bezahlt wird, sondern für den Verdünner – farblos, ohne Geschmack, und an jedem Wasserhahn für den Bruchteil eines Cents zu haben.

Gewiss: Ohne Substanz ist eine Rede, eine Unterhaltung nicht auszuhalten; die Protagonisten setzen sich der Lächerlichkeit aus.

Das ist, wie man weiss, noch kein Hinderungsgrund – substanzlose Reden sind an der Tagesordnung, denn wer etwas sagen muss, obwohl er nichts zu sagen hat, der kann nur noch zu diesem merkwürdigen Verhalten Zuflucht suchen. Wohl dem, der für anderes gebraucht wird – bei ihm übt man Nachsicht. Wohl dem, der Macht besitzt – er wird gefürchtet und bleibt verschont. Aber wehe der Randfigur, die mitlaufend sich aufzuplustern versucht, um damit nach Anerkennung und Aufwertung zu fischen – solche Bedauernswerte sind Hohn und Spott ausgesetzt – Zombies ohne Vergangenheit und ohne Zukunft.

Also noch mal von vorne. Warum sich über Dampfplauderer auslassen? Möglicherweise schärft man damit den eigenen Blick zum Erkennen der Rattenfänger in unserer Gesellschaft, und damit auch der solideren Gattung, die redlich sich bemüht …

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