Modern reisen

Die eMail-Systeme werden zunehmend interessanter. Man stelle sich vor, es gelänge der Transport von Materie, einem Kaffeebecher vielleicht, über solche Einrichtungen. Man würde einem Kumpel eine Mail schreiben wie:“ Ich habe gerade frischen Kaffee für uns gekocht. Schicke bitte den Becher zusammen mit den fünf anderen zurück, ich will nicht dauernd Kaffeebecher nachkaufen!“

Oder man würde einen Freund in Australien besuchen, indem man 3-D-gepixelt, also in Würfelchen zerlegt, dorthin reist. Korrekt, Reisewege wären  Erdkabel und Richtfunk, Satellitenverbindungen, Kommunikationseinrichtungen der Telekom Nigeria, nur mal als Beispiel. Endlich hast Du ein  4-adriges Installationskabel im Haus des Freundes erreicht, bist dort als Datei angelandet. mailto:Charles@sidney.aus You have a new mail!

Jedes Materie-Würfelchen könnte für den Transportweg in Trägerbytes verpackt sein, das Verfahren heisst PAEM (pixelized and embedded matter), und jedes Trägerbyte trüge die Ursprungsadresse des Pixels mit sich (731 first 987 second 1748 third dimension), damit nach der Ankunft jedes Pixel wieder seinen angestammten Platz findet.

Der Reisende käme nicht auf dem Flughafen, sondern auf einer Festplatte an, und wartete dort auf den Start eines Programms, das ihn  wieder zusammenbaut. Ausführen: c:\paem\setup.exe.

Dein Aussie-Kumpel setzt sich also an seinen PC  und startet den Vorgang, und wenn er zuviel Bier genossen hat, drückt er nicht auf ENTER, sondern auf DELETE – die Folge ist dann ein sauberer Tod, und ein preiswerter dazu, weil’s den Sarg und die Begräbnisstätte erspart. Es bliebe lediglich nur ein zarter Geruch aus Ozon und Schweissfuss zurück, der sich bei rascher Lüftung im Outback verflüchtigt.

Denkste. Auf Deinem PC liegst Du als Kopie im Ordner Gesendet.

Hat der Aussie aber die richtige Taste gedrückt, so wirst Du per SETUP zusammengebaut (17 Minuten für 90 kg Lebendgewicht bei einer 1800-Mhz-Taktung des Rechners).  Angekommen,   machst Du einen kurzen Funktions-Check – liegen die Füsse noch auf der Festplatte, oder sind sie dran – und schaust, ob auch Deine Hose mitgekommen ist, und dann sagst Du erst mal Guten Morgen, Charles! Hast Du den Chianti gesehen, den ich mitbringen wollte, oder hat sich irgendein Webmaster die Buddel wieder mal abgezweigt?

Schau hin – das ist die Zukunft: Ich schicke keine Briefe, sondern komme auf dem Postwege selbst vorbei, um Dir das Neueste zu erzählen und olle Kamellen  wieder mal durchzukauen. Das in den Raumschiffen der Enterprise-Klasse praktizierte Beam-Verfahren ist dagegen veraltete Technik. Per Strahl kannst Du nur in einen Orbit gelangen, aber nicht von Berlin nach Sydney – probiers mit Lineal an einem Globus aus! Der Nachteil des Beamers liegt halt in der Geraden. Er kann einfach nicht krumm. Und es kommt immer eine Schaufel Dreck mit, zur Freude jeder Hausfrau!

Nun aber zurück zur Sache. Eine Warnung an den Laien soll dieses Kapitel beschliessen:

Sprich niemals von eMail. Damit verrät sich der Anfänger.

Sage einfach Mail – das ist lässig, oder Emil – wenn kein Emil in der Nähe ist. Das ist geil. Sage nie Imel. Das sortiert Dich direkt in das untere Viertel des Testpanels zur PISA-Studie. Dasselbe gilt für eMehl, Emel und Emmel. Ich hoffe, Du kommst damit klar.

Und noch eine Warnung: Internetter (Kunsthonig!) pflegen im allgemeinen eine „saloppe“ Sprache. Keine grosse Sache, wenn man anonym bleiben darf. Kann sein, es gedeiht zu einer schlechten Angwohnheit, zu poltern, zu pöbeln, herumzulabern. Kann sein, ich selbst habe von dieser Unart schon reichlich angenommen, möchte allerdings so authentisch wie vertretbar bleiben; ich sagte a u t h e n t i s c h,  nicht autistisch, gell?