Hamburger Wetter

Vor wenigen Minuten bin ich nach Hause gekommen,   war mit dem Auto unterwegs – heute ein gefährliches Unterfangen. Braune Kerle randalierten, serienweise flogen sie über die Strasse, um schliesslich mit offener Klappe irgenwo liegenzubleiben – Bio-Mülltonnen.

Regen gab es satt, ein banniger Sturm bewegte diese Kübel  durch die Landschaft und durch die Gemüter der Passanten; erst gestern konnte man noch bei reichlich Sonne und angenehmer Wärme an den kalendermässig taggenau angefangenen Frühling glauben, und heute befindet man sich in erstklassig organisiertem Novemberwetter, das nach Lage der Dinge für die nächsten fünf bis sechs Monate anhalten könnte. Eine Übertreibung? Dies unterstellt nur, wer nicht an der Elbe wohnt. Der Eingeborene bestreitet zwar vehement, aber doch nur pro forma die endlose Wetter-Misère – wenn auch anders als der Rest der Welt. Er wird ausführen, es sei im Prinzip ja wahr, dass sich Hamburg und Dauerregen seit Jahrzehnten und auf ewig verbündet hätten, aber nicht so, wie die Zugezogenen es immer darstellen, es sei dann doch alles ganz anders, da wäre zum Beispiel der März 1956 gewesen, sonntags hätte man auf der Terrasse von Sagebiel´s Fährhaus sage und schreibe vier Paare beim Nachmittagskaffee beobachtet! Und es sind dieselben Leute, die dann ihre gummistiefel-bewehrten Füsse verschämt unter dem Tisch verstecken, und die nie zugeben würden, dass sie mit Schwimmhäuten zwischen den Zehen zur Welt gekommen sind.

Tröstlich, dass anderswo noch soviel Sonne scheint, damit ein vernünfiger Rotwein erzeugt werden kann, welchselbiger schliesslich im nassen und dunklen Teil der Welt als Seelentröster so dringend benötigt wird.