Think!

Ich sollte mir wohl abgewöhnen, auf alles, was mir auf den Keks geht, umgehend zu reagieren. Die eben geschriebene Mail an einen Bürgerservice ist wieder ein Beispiel für die Vergeblichkeit ehrlichen Bemühens und die Flüchtigkeit nicht zu Ende gedachter Gedanken. Es ist, als ob Du einen Brückenpfeiler fertig gebaut, und dabei vergessen hast, dem Beton Zement unterzumischen. Das Ding steht, sieht gut aus, wird trocken, und ein Windhauch weht es um und weg. Es endet in einer Sandwolke, und Du darfst wieder von vorne beginnen.

Warum nur macht man immer wieder die gleichen Fehler? Nicht nur Du und ich sind von dieser Schwäche befallen – nein, es ist die ganze Welt. Gesund oder krank, jung oder alt, mit oder ohne Hirn – immer die gleiche  Sch …. Du weisst schon.

Think positive!

Auch Schatten färben ab. Wenn Du lange genug auf der Schattenseite verweilst, kriegst Du selbst einen. Am Ende stört Dich der Krümel auf dem Damast, und Du reibst, zerdrückst ihn zu einem schwarzen Fleck, um Dich gleich darüber zu erregen, dass weisse Tischtücher so selten geworden seien, Deine Familie sich über Dich schwarz ärgert und sich mit weissem Gesicht verdrückt – es ist Zeit, mein Freund, zum Psychiater zu pilgern.

Think positive. Kürzer: Think! Diesen markanten Spruch hatte bekanntlich Jim Watson, der grosse alte IBM-Boss so über seinem Schreibtisch aufgehängt, dass seine Besucher ihn unvermeidlich zur Kenntnis nehmen mussten. Ein Wort, ein Programm. Setzt man „positive“ hinzu, könnte auf Jimmies plate auch „Laugh!“ stehen. Oder „Heute schon gelacht?“

Sag mal: Kann es eigentlich wahr sein, dass wir horrende Honorare zahlen, nur um uns von einem Psychiater fragen zu lassen, ob wir heute schon gelacht haben? Und wenn ja, warum? Oder wenn nein, warum gerade eben?

·           Herr Fisch, warum lachen Sie?

·           Ich lache über mich selbst!

·           Sag, Roland, was Sie an sich selbst so lustig finden?

·           Nein, Klaus-Heinrich, nein, das sag ich nicht!

·           Aber Herr Fisch, haben Sie kein Vertrauen zu mir?

·           Doch, Herr Pümpel, das habe ich, aber nicht zu mir!

·           Aber das sollten Sie mir jetzt doch erklären. Mögen Sie?

·           Nein, Herr Pümpel, ich mag nicht.

·           Gut, Herr Fisch. Das war ein guter Anfang.

.          Aha.

.          Wir haben schon einen Fortschritt erzielt!

RRRRRRing!

Klaus-Heinrich Pümpels Küchenwecker kündigt das Ende der ersten Sitzung an, nur ganze vier Minuten zu früh, was bei 20 Minuten gleich 20 Prozent Fehlzeit ausmacht, was 12 Euro entspricht, die ich für nothing zahle, und ich beschliesse, noch ein wenig zu bleiben, werde aber Richtung Tür geschubst, denn draussen steht ein anderer Patient, für andere 16 Minuten, und ich beschliesse erneut, und spontan, diesen Menschen nicht zu befragen, ob er da drinnen schon mal gelacht hat, über sich selbst, und darüber, dass er noch 53 mal hierherkommen muss – soll – darf – ich selbst habe ja nichts unterschrieben – Herr Fisch, das ist jetzt garnicht zum Lachen – , aber Jim Watson will mir nicht aus dem Sinn gehen mit seinem THINK! und ich mit meinem Konter „LAUGH!“, im kategorischen Imperativ voll durchformuliert, kurz, knapp, wahr – nur:

Verdammt nochmal!  Ich habe bei Pümpel tatsächlich herzhaft abgelacht! Überleg mal. Der hat es geschafft. Und dafür soll er auch 60 Oiro kassieren. Aber – das ist ab sofort beschlossen und Gesetz – nur diese ersten 60, und ab sofort werde ich kostenlos lachen. Ich denke an Pümpel, ich denke an mich, ich denke an den Höllenstuhl, der statt der berühmten Couch für die Patienten bereitsteht, und ich denke an 60 Euro – und schon geht es mir gut. Naja, sagen wir mal: Besser. Gut gehts mir erst, wenn ich ungepümpelt lachen werde. Wenn ich die Nachrichten des Tages als Witz erlebe.

Wenn mich die Toten des Tages nur noch nachdenklich stimmen, aber nicht mehr  wütend.

Wenn ich meinem Computer mitten auf die Festplatte schreiben kann: Wie, Du Aas machst wieder Zicken? Hier hast Du meine Antwort. C:\\format c: – und servus, Du Depp!

Und wenn ich einem Pümpel ins Gesicht grinsen kann mit der Bemerkung:

Bei mir können Sie lange picken,

bis Sie ans Hirn kommen!