Am Mirabeau

Wiki: Cours Mirabeau, Aix-en-Provence

Gelegentlich geschieht es, dass man einem inneren
Bedürfnis nachkommt, einer leisen Sehnsucht nach
etwas, das begraben schien und dann doch, sanft verklärt,
für eine kurze Weile das Denken beherrscht.
Just dies ist mit heute früh widerfahren.
 
Sehnsucht braucht Erinnerung als Nahrung.
Dabei kann es geschehen, dass die Erinnerung
übermächtig wird und zu Selbsttäuschung verleitet.
Und wenn schon, dachte ich, und schloss die Augen.
Meine Büro-Butze war nun ausgeschaltet, und ich sass
in einem Strassencafé auf dem Cours Mirabeau
in Aix-en-Provence, vor mir ein frischer Salat, ein Glas Rosé
aus Bandol und ein wenig Baguette. Über mit ein
Blätterdach der Platanen, und um mich herum
– es war Frühsommer ohne Touristenmassen – nichts weiter
als französischer Alltag.
 
Ich habe mich in dieser Szene so sehr verloren,
dass ich mich selbst vergass, mich in mein Innerstes
vertiefte und als eine Seele wiederfand, die genau dort
erschien, wo sie hingehört, auf dem Cours Mirabeau.
 
Es waren Momente glücklicher Erinnerungen,
aber sie schützen nicht vor der Wirklichkeit eines
regnerischen Sonntags im Alten Land bei Hamburg.
Also  tat ich, was getan werden musste.
Ich habe Aix und den Mirabeau abgehakt,
in meinem Gedächtnis vermerkt, dass es schön war,
wieder einmal dort gewesen zu sein,
und mein Frühstück vorbereitet.
Zugleich, und um auf die Erde zurückzufinden,
habe ich erneut verärgert gebucht, dass die
Franzosen aus der Provence ihren Besten
aus der Gegend um Bandol nicht an Ausländer
verschwenden, sondern selbst trinken.
So sieht‘s aus.

„Deutschland geht es gut!“

Michael Hüther ist Direktor des Instituts der deutschen
Wirtschaft in Köln. Er steht beispielhaft für eine Mehrheit
von Wirtschaftsfachleuten und Politikern, die sich
derzeit über die – wie mir scheint – unbedacht geäusserten
Gedanken des Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert so sehr
erregen.
 
Die Kritiker beweisen ihre ideologische Verbretterung;
erstaunlich, wie intelligente Menschen mit richtig
fetten Planken vor dem Hirn öffentlich agieren.
 
In der Causa Kühnert akzeptieren sie, und vergleichen sie
den gescheiterten Kommunismus sowjetischer Prägung
mit dem heute vorherrschenden Neoliberalismus.
Offenbar sind sie intellektuell nicht befähigt,
sich ein System vorzustellen, das irgendwo dazwischen
liegt und wenigstens die Grundbedürfnisse der Bürger
zu bedienen in der Lage wäre.
 
Unsere Repräsentanten scheinen mehrheitlich
bräsige, bratzige alte Männer zu sein, denen man
jegliche Flexibilität im Denken wie im Handeln
absprechen muss.
Neuerdings tragen sie einen neuen Heilsbringer,
die Digitalisierung wie eine Monstranz vor sich her.
Und sie wissen nicht, was ich weiss:
Konsequente Digitalisierung bewirkt eine
Industrie-Revolution mit Folgen, die auch
durch die Bundesagentur für Arbeit nicht mehr
schön-gerechnet werden kann.
 
Die Politikverantwortlichen denken ziemlich genau bis
zu ihrem Brett vor dem Hirn – nicht weiter.
Heute über die Zukunft der Nation nachdenken?
Nööö. Das hat Zeit. Mit mir nicht. Darum soll
sich die nächste Generation bemühen.
 
Schreckgespenst:
 
10 Mio. Arbeitslose
Hartz 4 bei 1000 oiro
macht 10 Milliarden pro Monat
also 120 Milliarden oiro per annnum.
 
Die Belastung der Arbeitnehmer wird steigen, die der
Unternehmen nicht.
Genauso funktioniert das System heute.
 
Jetzt, liebes Deutschland, darfst Du weiterschlafen.

Kind sein heute

Neulich habe ich die „Schüler-Woche“ eines
14-jährigen Jungen „durchkalkuliert“.
Es stehen 168  Stunden pro Woche zur Verfügung.
Der fixe Zeitaufwand inkl. Sport liegt bei 145 Stunden.
Als „freie Stunden“ bleiben 23, und diese werden
verbraucht für „Abhängen“ mit Internet, Musik, Games etc.
 
„Früher war er sooo ein liebes Kind!“
Ja, das war er. Aber wann und warum ist er
das heute nicht mehr?
Zunächst wird ein Kind durch die Familie geprägt.
Danach übernehmen Schule und die Strasse
diese wichtige Funktion. In der Familie
macht nun jeder sein Ding. Der Nachwuchs
ist ja nun alt genug und muss selbständig
werden. Leider ist in dieser Lebensphase
die Sozialisation noch längst nicht abgeschlossen.
So wird der Familiensinn als Schwachpunkt
in das Unterbewusstsein verdrängt,
und man unterwirft sich dem Gesetz der Strasse.
Dessen schärfste Waffe ist der bedingungslose
Egoismus. Junge Menschen mutieren zu Kotzbrocken.
Und man muss froh sein, wenn sie sich nicht
bewaffnet auf den Kriegspfad begeben, weil sie
an der Wirklichkeit verzweifeln.
 
Diese böse Entwicklung gleicht dem Roulette.
Man verspielt gedankenlos die
gedeihliche Zukunft der eigenen Kinder.
Aber Geld heilt alle Wunden. Das muss reichen.

Freiheit

Einerlei ist es, ob einer regiert, ob alle;
denn Freiheit ist nur,
wo jeder sich selber,
keiner den andern beherrscht.

(Verfasser unbekannt)

So ist das Ideal der individuellen Freiheit
sauber definiert.
Man nennt diesen Zustand auch Chaos.
 
Organisation und Funktionsweise
unserer Gesellschaft lassen diese Form
der Freiheit nicht zu.
Die Freiheit des Einzelnen ist zum Wohl
der Gemeinschaft eingeschränkt.
Der ständige Kampf um die Grenzen
zur Unfreiheit hatte stets Marginalien
zum Gegenstand. Das ändert sich. Die Margen werden immer grösser.

Also: Wehret den Anfängen!

Asozialität?

Asozial – dieses Adjektiv benutze ich zu meinem
Erschrecken häufig, um meinen Frust über
Misstände in unserer Gesellschaft abzureagieren.
Grund genug, darüber nachzudenken.
 
Was ist gemeint?
Asozialität ist eine als abwertend
gemeinte Zuordnung für Verhaltensweisen,
die die Gesellschaft tatsächlich schädigen.
 
Eine Beleidigung?
Nein, eine Wertung wie „billig“ oder „teuer“.
Asoziales Handeln ist immer nachweisbar.
Man kann Kritik kunstvoll umschreiben, oder
ein solches wertendes Adjektiv verwenden.
 
Ist ein Langzeitarbeitsloser asozial, weil er
durch die Gemeinschaft unterstützt werden muss?
Vorsicht!
Das kommt darauf an:
Ist er stinkfaul, dann lasse ich die Abwertung gelten.
Ist er aber 55 oder älter und findet keinen Job,
dann ist das Wirtschaftssystem asozial bzw.
jene Person, die ihn aus seinem Job entlassen hat.
Oder:
2 Mio. Arbeitslose und 8 Mio. Arme – eine Regierung,
die sich solche Zahlen leistet, ist asozial.
 
Ich denke, ich sollte weiterhin das Kind
beim Namen nennen.

Deutsches Fernsehen

Wider besseres Wissen habe ich heute mal
wieder die TAGESSCHAU eingeschaltet.
Der Grund: In den USA ist um die Trump-
Clique die Kacke am dampfen, und die US-Medien
berichten ausführlich. Ok.
 
Nun der Blick auf die deutsche Berichterstattung.
Kein Piep über das Geschehen in den USA.
Statt dessen die Stellungnahme eines Kirchen-
funktionärs zu den schrumpfenden Kirchengemeinden:
„Sie sind auf die sinkende Geburtenrate und
auf die zunehmenden Kirchenaustritten
zurückzuführen.“
 
Der Kirchenmann redet Schwachsinn, und die ARD
berichtet diese Plattitüde.
 
Mich lässt so ein Versuch, mich zu verblöden, zur
Furie werden! Bin in meiner kleinen Bürobude
im Quadrat gesprungen! Warum?
Fällt Dir nix auf?
Kein Mensch redet darüber, dass  
Kirchenmitglieder auch einfach wegsterben.
Das muss mir doch gesagt werden!
 
Etwas ernsthafter: Ein Intendant glaubt allen Ernstes,
die Aufgabe des TV wäre, die Bürger zu erziehen
.
Was er meint: So weit zu verblöden, dass sie
das Maul halten, selbst wenn sie Mißstände
registrieren.
Bis dahin war ich des Glaubens, das TV wäre
dazu da, mich zu informieren.
 
Welch dummer Irrtum!

Der Fado

Der Fado ist portugiesische Musik. Der Name hat
seinen Ursprung im lateinischen „fatum“, also
im „Schicksal“.
Der Fado ist gesungene Emotion.
Das bedeutet, dass er nicht einfach gesungen,
sondern gelebt wird.
Er ist in zwei Zentren zu Hause,
und zwar in Coimbra und in Lissabon.
 
https://www.youtube.com/watch?v=vdR2_Yxgrio

Demos und Kratos

Zu Zeiten Homers und Hesiods,
also um 800 v. Chr. verstand man
unter Demos die Sippen- oder Dorf-
gemeinschaft, und Kratos meinte die
Karre ziehen.
Neusprachlich also:
Die Sippe zieht ihre Karre selbst,
regelt also ihre Angelegenheiten
im modernen Sinne demokratisch.
 
400 Jahre später übernahm Aristoteles
diese Herrschaftsform für die Polis, also
für Stadt und Staat. So begann ein Dilemma.
 
Riechst Du den Braten?
Die Art der Verwaltung einer Sippe im
antiken Griechenland soll heute noch,
und zwar für ein 80-Millionen-Volk
zufriedenstellend funktionieren?
 
(Demokratie >>> grosse Heiterkeit!)