Tod

Ich habe es wirklich nicht gewusst, dennoch ist
es wahr. Man kann tot sein, oder – etwas
attraktiver – ein bißchen tot. Auch ein bißchen viel,
aber nicht ganz tot.
Die Feststellung, dass die Mehrheit der Deutschen sich
just in letzterem Zustand befindet, ist wirklich
nicht prickelnd. Es ist der politische Status des
Wohlstandsbürgers, der heute mit Mutti ins
Bett geht und ein Kind zeugt, aber nicht 18 Jahre
darüber weiterdenken mag, wie sein Nachkomme sich
in der realen Welt behaupten muss.
 
Es werden intellektuelle Krüppel gezüchtet.
 
Oooooh, Vorsicht! Nicht die Eltern versündigen sich.
Dieser Tadel kommt dem politischen System zu,
das den Materialismus predigt und den Sozialismus
per sozialer Marktwirtschaft als Schwindeletikett
den Bürgern verkauft.
 
Und die Bürger?
Ich habe versucht, Texte in meinem Blog zu bringen,
die schon beinahe eklig empfunden werden müßten.
Es interessiert keine Sau.
Ich werde noch nicht mal beschimpft.
Das ist mehr als enttäuschend.
Ich nenne das ein bißchen viel, aber nicht ganz tot.
 
Warum schreibe ich weiter?
Es gibt zwei Gründe.
Erstens ist es ein Mittel zur Bekämpfung
der Langeweile.
Zweitens ist’s ein Mittel gegen den Brain fog.
 
Verteile ich hier Schulnoten?
Sieht so aus. Ich entschuldige mich dafür.
Steht mir wirklich nicht zu.
 
Bemerkst Du, wie hinterhältig ich bin?

Ja, ich bin sehr, sehr wütend!

Quelle: thb.info

Es gibt Tage, die mich zum Träumen verführen.
Ich lese Nachrichten, suche zu diesen Stimmen
der Berichterstattung nach den Gegenstimmen,
um mich vor Täuschungen zu schützen, und
falle in Tagträume. Die schönsten davon sind
sogar rezidiv – sie wiederholen sich!
Ist das nicht allerliebst?
 
Apropos allerliebst – mein liebster Traum
gaukelt mir folgendes Bild vor:
 
Die Köhlbrandbrücke in Hamburg, 135 m hoch
mit einer Stützweite von 325 m wird
auf beiden Seiten mit 50 Figuren behängt,
an 20 m-Leinen mit einem sauberen Palstek.
Sie, die 100 Figuren baumeln im Wind,
mahnen die Lebenden,
trocknen vor sich hin,
und für den Moment ist die Welt ein wenig
besser geworden.
 
Mit den 600.000 toten Zivilisten im Irak-Krieg
hatte man diesen positiven Effekt nicht geschafft.
 
Wie gesagt: Es ist nur ein Traum.
Science fiction, durch eine gequälte Seele geboren.

Für Zahlen-Freaks

Deutschland wird in 2019 Zahlungen an die EU
in Höhe von 45 Milliarden Oiro leisten.
Der Rückfluss an DE wird auf ca. 12 Mrd. Oiro
geschätzt.
 
Im veröffentlichten Bundeshaushalt wird der
Zahlungsverkehr mit der EU verschwiegen.
 
Die Nettozahlung in Höhe von 33 Mrd. Oiro
fliessen an wirtschaftlich schwache Staaten.
Prima vista wäre dagegen nichts einzuwenden.
Wenn aber Ungarn mit Dumpingangeboten
deutsche Unternehmen abwirbt,
so darf man dies unfair nennen.
Wenn aber faschistische Regierungen
wie Polen und Ungarn mit deutschem
Steuergeld unterstützt werden, hat man
nicht Unfairness zu beklagen, sondern
politischen Schwachsinn.
 
Über die Profiteure dieses Schweinestalls
muss man nicht angestrengt nachdenken.
Es sind exportorientierte
Wirtschaftsunternehmen, und rund
650.000 hochbezahlte „Staatsdiener“.
 
Der zollfreie Warenverkehr in der EU
hat übrigens nicht verhindert, dass
irische Butter immer teurer wird.
Dieses kleine Beispiel erklärt, dass der
Markt nach anderen Gesetzen arbeitet,
als ein hochdotierter EU-Beamter
glauben mag.
Und der Bürger hat seine Steuern
zu zahlen – der Rest geht ihn
einen Dreck an.

Ich fordere den DEXIT!

Die deutschen Bauern kriegen ihre 12 Mrd.
wie bisher, und mit 33 Mrd. kann man
die Löcher im Sozialsystem stopfen.
Gemeint sind Alters- und Kinderarmut.
Die Bertelsmann-Stiftung ermittelte,
dass mittlerweile 21% unserer Kinder
von Armut betroffen sind.
Dies, bitte sehr, im reichen Deutschland.
 
In Süddeutschland residiert eine Frau, die
1 Mrd. im Jahr bekommt, ohne dafür einen
Finger zu rühren.
 
Hierzu müsste selbst die schlimmste
Dumpfbacke ins Grübeln kommen.
 
Ständig wird mit „Demokratie“
herumgesülzt. Was haben wir
tatsächlich?
Unsere Staatsform ist feudalistisch,
mit König Oiro dem Ersten.
 
Ich könnte ja nun mit dem Thema
„Arbeitssklaverei in 21. Jahrhundert“
fortsetzen – geschenkt!
 

Haiku: Auf dem Weg ins Nichts

Frisch angekommen,
aber noch nicht zu Hause
in der Zwischenwelt.

(Im Limbus patrum wartet man auf Erlösung durch Jesus Christus. Leider werden immer mehr Seelen angeliefert, als er erlösen kann. So werden Erlösbare unverschuldet ausgewiesen und landen in des Teufels Garküche.)

Die Bürde des guten Lebens

Mit Würde trägt er seine Lasten.
Man sagt ihm nun, er möge fasten.
Versuche haben ihm gezeigt,
er schafft es nicht,
er hat’s vergeigt.
Und die Moral von der Geschicht?
Auch mit den Pillen schafft man’s nicht.
Schon garnicht mit dem grünen Plunder –
auch Broccoli bewirkt kein Wunder.
Diäten sind halt eine Qual.
Um Himmels Willen! Werd‘ normal!

Twinkle, twinkle, little stars!

Es sollte ein Haus gebaut werden.
Folgerichtig rief man alle Bäckergesellen des
Umlands zum Bauplatz und ordnete an:
Fangt an!
 
Diese Metapher soll zeigen, wie die
Europäische Union entstanden ist.
Darum ist sie heute eine Missgeburt
und kann die aktuellen Herausforderungen
nicht bewältigen.
Es braucht nur einen Orban aus
Ungarn, um die EU aus der Diplomatie um den
US – Iran-Konflikt zu kicken, da Beschlüsse
nur einstimmig gefasst werden können.
 
Deutschland zahlt für diese Missgeburt EU
jährlich 12 Milliarden oiro netto.
Das bringt den Huren aus Osteuropa ihren Profit.
So können sie unbekümmert ihre faschistoiden
Anwandlungen ausleben und sich mit
amerikanischen Psychopathen verbünden,
vielmehr sich von jenen missbrauchen lassen.
Tut ja nicht weh!

Höllisches Treiben

(1) Hamburg-Blankenese, Bahnhofstrasse. Der Mann geht Richtung S-Bahn. Er mag guter Laune sein, und sein Schritt ist beschwingt – er scheint buchstäblich über den Bürgersteig zu tanzen. Sein Gesicht strahlt jene Zufriedenheit aus, die ausgeglichenen Naturen an einem sonnigen Tag zu eigen ist. Ja, es ist ein sonniger Vormittag – Bilderbuchwetter, wie man zu sagen pflegt. In den Vorgärten blühen die ersten Blumen um die Wette, blau und gelb überwiegen zur Zeit – es ist gerade Frühling geworden, und alle Welt versprüht gute Laune, ist geschäftig, und die Arbeit macht offensichtlich allenthalben Spass. Es ist die Zeit, in der die Menschen aus dem mentalen Winterschlaf erwachen, um sich die Sonne auf den Pelz scheinen zu lassen und genussvoll gute Laune zu verströmen. Ja, es werden sogar fröhliche Grüsse gewechselt, und selbst der Autoverkehr hält sich merkwürdig zurück, so, als ob die Menschen ihre stinkenden Fahrzeuge lieber zu Hause stehen liessen, um zu Fuss ihre Einkäufe zu erledigen oder einfach einen Spaziergang durch die Stadt zu machen, wohl wissend, dass diese Aufbruchstimmung nicht lange anhalten wird und unweigerlich in die gewohnte Lethargie der Getriebenen mündet.
 
Der gut gekleidete Mann passiert den Bahnhofsvorplatz und will eben eine Nebenstrasse überqueren, als ihm der Kopf wegfliegt.
 
Er hatte den linken Fuss für den nächsten Schritt gehoben, als ihm der Kopf abhanden kommt, er seine Balance verliert und auf dem Bürgersteig landet.
 
Da liegt er nun, und es scheint, als würden statt der üblich 6 bis 7 Liter wohl eher 26 oder 27 Liter Blut  aus seinem Körper herausfliessen.
 
Passanten legen die erwartete Aufgeregtheit an den Tag, Frauen schreien los, ein alter Mann brummt etwas von einer Riesensauerei, ein zweiter reklamiert Sicherheit für die Bürger. Angestellte aus dem Sportgeschäft gegenüber haben mittlerweile Polizei und Notarzt alarmiert, und es fliesst Blut. Noch immer. Ein junger Mann fragt unentwegt, warum keiner hilft – als könne man die Wunde, die beim Totalverlust des Hauptes entsteht, mit blossen Händen und einigen Erfolgsaussichten versorgen, Erste Hilfe leisten, dem Betroffenen, oder sagt man besser Getroffenen gut zureden, so als hätte er seine Ohren an einem anderen Platz und wäre noch auf Empfang geschaltet – Närrisches mischt sich mit Entsetzen, Neugierde und Mitleid.
 
Endlich taucht ein Notarztwagen auf – es ist nicht sehr weit bis zum Allgemeinen Krankenhaus Hamburg-Rissen. Die Besatzung des Rettungswagens springt aus ihrem Fahrzeug, der Arzt schaut sich die Unfallstelle an und stellt fachkundig fest: Der Kopf ist ab. Der Mann ist tot. Die Sanitäter werfen rasch eine Decke über den Leichnam und ziehen sich in ihren Wagen zurück. Man wartet auf die Polizei;  schliesslich ist auch Michel 17 eingetroffen, besetzt mit zwei Polizeiobermeistern.
 
Die beiden Grünen nähern sich behutsam dem Toten. Einer lüftet sacht die graue Wolldecke, und lässt den Zipfel wieder los. Bedächtig ziehen sie sich zurück; ihre Gesichter verraten, dass sie mit Kopflosen keinerlei Erfahrung haben, sich in Schwierigekeiten befinden, nicht genau wissen, was nun zu tun sei – und schliesslich doch noch eine rettende Idee entwickeln können. Nach kurzer Beratung geht einer zum Peterwagen und alarmiert die Mordkommission.
 
Endlich beginnen sie damit, die Menschenan-sammlung um gute drei Meter zurückzudrängen, ein unsinniges Unterfangen, denn die Leute behaupten ihre Plätze in einer Weise, als hätten sie dafür Erste-Rang-Preise bezahlt, drängen sich also wieder nach vorne, nachdem die Ploizeikräfte sich mit den Nachbarn zu beschäftigen. Und es dauert, bis die Polizisten einmal die Runde hinter sich gebracht haben, um zu erkennen, dass sie wieder von vorne beginnen dürfen, dies auch schliesslich tun. Zweiter Versuch.
 
Dem Entsetzen der ersten fünf Minuten ist längst das gefolgt, was in solchen Fällen die Zuschauerszene beherrscht: Neugier, Vermutung und Wichtigtuerei. Es rüsten sich die Zeugen für die bevorstehende polizeiliche Vernehmung. Tatsachen werden mit Phantasien verflochten, Vermutungen untergemischt, mit anderen Zuschauern ausgetauscht und abge-glichen, schliesslich modifiziert und dann als geplante Aussage paratgelegt.
Mittlerweile ist der Tote leer. Er blutet nicht mehr aus dem Hals, die Pfütze beginnt eine dunklere Färbung anzunehmen.
 
Endlich erscheint die Mordkommisssion, nimmt kurze Eindrücke auf und ordert die Spurensicherung. Man zieht sich in seinen PKW zurück, nicht ohne die Anweisung an die Uniformierten zu hinterlassen, die Leute fernzuhalten. Der Notarzt möchte gehen und seine Sanitäter mitnehmen, und die Kripo stimmt nach kurzer Beratung zu. Abgang.
 
Ein uniformierter Polizist bemerkt endlich, dass Zuschauer die Fahrbahn belagern. Der Verkehr staut sich nun bis Nienstedten zurück. Das neueste Stauopfer geniesst den Blick über die Elbe und zum Anleger Teufelsbrück. In Blankenese räumt derweil ein Polizist endlich die Strasse, und der Verkehr setzt sich in Bewegung. Der Tote liegt unter seiner Decke, ist unschuldig am Chaos. Und die Spurensicherung erscheint, nimmt ihre Arbeit auf. Ein Polizei-Arzt ist mitgekommen, und stellt den Tod fest. Und dass der Kopf fehlt. Nun fehlt er endlich amtlich.
 
Die Spurensicherung beginnt mit der aussichtlosen Suche nach dem Kopf. Sie endet mit der Vermutung, dass wahrscheinlich ein grosser Hund vor allen anderen am Tatort aufgetaucht war und mit einem Souvenir verduftet sei, welches er in einem instinktiven Handlungstrieb als Wintervorrat in irgendeinem Garten vergraben habe. Es sei eine Rasterfahndung nach allen Hunden einzuleiten, für die eine Schulterhöhe von mehr als 50 mm angenommen werden müsse. Nicht gefragt wurde nach der Anwesenheit von Kindern.
 
Die Vernehmung der Zeugen – es gab sie tatsächlich – bringt die aus Film und Fernsehn hinlänglich bekannten Ergebnisse. Es gab einen Täter, und es gab keinen. Der Täter ist von weisser, schwarzer, gelber und roter Hautfarbe, blond und schwarz, alt und jung, mit und ohne Flinte, mit Machete und Taschen-messer, mit Schweizer Offiziersmesser, Kettensäge
und tragbarer Guillotine, das Opfer wurde zerbissen, gesprengt, zerfahren und auf vielerlei andere Weisen dahingemetztelt. Nein, einen Eskimo habe man nicht wahrgenommen. Krokodile seien in Hamburg auch eine ausgesprochene Rarität. Merkwürdig sei die über-einstimmende Aussage, der Tote habe einen Hut getragen. Der Hut ist nicht auffindbar. Wahrscheinlich werde der Hut noch auf dem Kopf sitzen, und sei vom Hund mitbeerdigt worden, oder so ähnlich.
 
Die Kripo ist noch etwas unschlüssig um die Frage, wie es nun weiterzugehen hätte, und endlich wird die Identität des Toten festgestellt. Diesbezügliche Erkenntnisse sind ernüchternd: Es hat einen Niemand erwischt, einen Rentner ohne Familie – wenigstens wird es nicht erforderlich werden, andere Menschen mit einer schlimmen Nachricht unglücklich zu machen.
 
Einer der Kripo-Beamten murmelt in sich hinein, das Glück sei mit die Dummen. Laut ausgesprochen schadet ein solcher Standpunkt der Karriere, man sitzt wochenlang vor der alten Adler-Schreibmaschine, bei der ausgerechnet das A streikt,  und tippt  nzeigen, Bed rfsmeldungen für Klop pier und ähnliches.
 
Am Tatort scheint die Situation einzufrieren. Die Dynamik der ersten halben Stunde ist verflogen, und es scheint die Anwesenden Melancholie zu befallen.
 
Sensible Zuschauer haben diese Entwicklung rechtzeitig gespürt und sich auf den Weg gemacht. Wohin auch immer. Für andere ist es nun zu spät. Schwermut legt sich wie ein Leichentuch über die Szene, hält die Anwesenden gefangen, vermittelt ihnen das Gefühl, als seien sie Staffage, unentbehrlich und darum mit dem Fluch der Unbeweglichkeit belegt, zudem schweigend, denn alles war gesagt, selbst das Ungehörige ausgesprochen (Haben Sie gesehen, der hat sich in die Hose geschissen!). Immerhin bleibt der Autoverkehr von dieser Lähmung unbehelligt, bildet einen bewegten Rahmen um den Unglücksort, kontrastiert diesen und gibt ihm damit einen eigenen, seltsamen Status, so, als hätte man ihn mit einer gläsernen, schalldichten Wand umstellt.
 
(2) Anderer Ort, selbe Zeit. Noch hatte der Mann in Hamburg Blankenese den Kopf nicht verloren. Luzifer ist wieder einmal ausser sich. Die Probleme mit der Disziplin seiner Truppe häufen sich und sind kaum in den Griff zu bekommen. Am tollsten trieben es wie stets Succubus und Incubus, jene Unterteufel, die sich auf den Diebstahl der menschlichen Fortpflanzungs-fähigkeit spezialisiert haben. Succubus, dieses  Teufelsweib, kauert nun vor Luzifer und erwartet sein Donnerwetter. Nein, es ist gewiss keine Angst im Spiel. Man kennt seinen Boss, bellende Hunde beissen nicht, wenn er sich ausgekotzt hat, kann man zur Sache kommen und vernünftige Entscheidungen treffen. Also lautet zunächst die Parole: Sei devot und warte ab.
 
Luzifer beginnt seine Ansprache wie üblich. Dabei hebt er seine Stimme um eine Oktave an und keift in Altweiber-Manier: Ich bin Luzifer, der Sohn des Lichts und der Göttin Aurora, gefürchtet und verehrt als SATAN, Engel des Bösen! Alles hier hört auf mein Kommando! Dies sollte niemals in Zweifel gezogen werden! Und von Dir, Succubus, will ich nun wissen, wo Incubus sich wieder herumtreibt. Ihr beide habt von mir einen Auftrag erhalten. Was läuft hier bloss wieder ab? Antworte, Weib!
 
Succubus unterdrückt eine gelangweilte, und setzt eine ängstliche Miene auf. Der Alte mag das, eine Marotte, und es kostet nicht einmal eine Anstrengung, ihm den Gefallen zu erweisen. Jetzt noch die Stimme auf Zittern eingestellt, und leise antworten: Herr, ich weiss es nicht. Vermutlich ist er wieder mal voraus-geeilt. Du kennst ihn, manchmal reitet ihn der Gott!
 
Luzifer kreischt: Nicht schon wieder! Ich habe die Schnauze voll von ihm und seinen Eskapaden. Nun ist der Kerl 70.000 Jahre alt und kann es immer noch nicht lassen, Unfug zu stiften! Mach´ sofort hinterher und sieh nach, was der Kerl treibt! Bericht in einer halben Stunde!
 
Succubus die Teufelin streicht sich anmutig über ihr Schnäuzchen – der Alte liebte diese kleine Geste über alles, seine Schwanzspitze beginnt zu glühen – und erhebt sich. Ja, Chef, ich habe verstanden und mache mich umgehend auf den Weg. Keine Sorge, wir haben das immer hingekriegt. Dem Incubus werde ich den Himmel heissmachen und ihm so die Leviten lesen, dass ihm sein Huf drei Tage lang dort juckt, wo er sich nicht kratzen kann! Verlass Dich ganz auf mich! Sprichts, und entfernt sich rückwärts wieselnd aus Luzifers Audienzzimmer.
 
Natürlich weiss die Teufelin, wohin es ihren Partner Incubus getrieben hat. Ohne Zweifel hat er erneut ein Süppchen angerührt, das sie mit auslöffeln muss. Doch zunächst zieht sie sich in ihre Zelle zurück, um sich reisefertig zu machen; sie bürstet sich den Pelz, schaltet auf Unsichtbar und zurück, findet alles roger und macht sich schliesslich auf den Weg. Zwei Sekunden später kommt sie in Hamburg-Blankenese an, auf Unsichtbar geschaltet, was sie invisibel zu nennen pflegt, und hält Ausschau nach ihrem Partner Incubus.
 
Fünfzehntausend Jahre Zusammenarbeit mit einem Teufel namens Incubus schärfen die Sinne. Darum entdeckt die Teufelin ihren Partner linkerhand auf der Kante eines dreistöckigen Wohnhauses; er hat es sich auf der Dachrinne bequem gemacht – unsichtbar geschaltet, ganz nach Vorschrift. Sitzt da oben und drückt ein gelangweiltes Gesicht hin.
 
Offenkundig hat er das Interesse an der Szene unten verloren, wartet auf irgendetwas. Sieht die Succubus und beginnt zu grinsen. Succi, altes Mädchen! Hat aber gedauert, bis Du endlich nachkommst. Hast Dich wohl zu lange gebürstet? Siehst aber wirklich gut aus, mein Zuckerschnäuzchen! Succi hat den Rest ihres mageren Humors verloren – das hätte er bedenken sollen, bevor er sein vorlautes Maul aufreisst. So denkt jedenfalls Succi, und legt sich ins Zeug. Schwingt sich rauf auf die Dachkante und baut sich links vom Incubus-Schätzchen auf.
 
Sie senkt ihre Stimme um eine Oktave, legt ein Schäufelchen Raucherhusten bei, und spricht – nein, sie röhrt, als habe sie ein schweizerisches Alphorn samt Senn verschluckt, gemessen, aber bedrohlich, einer Zeitbombe gleich, deren Zünder auf 60 Sekunden steht:
 
Inni, Du dreifach gewendetes Arschloch! (Inni´s Blick wechselt von träge auf wachsam).
Der Alte hat mich gerade erst niedergemacht, und mich dann dringlich hierherbeordert! (Inni´s Blick wird wieder träge).
Nun habe ich wieder einmal an Deiner Stelle die Brühe über den Kopf gekriegt! (Inni´s Blick wird wieder angespannt!)
Der Alte sagt, ich solle Dir so in die Eier treten, dass Du in Pension gehen kannst! (Inni kneift seine Stelzen zusammen, versucht damit einen Knoten zu falten, weil, wenn sie will, macht sie das, er kennt sie!).
Ich aber sage Dir, das kannst Du vergessen. Ich bestimme immer noch selbst, wann ich Dir ins Gekröse trete. Und das passiert mit Sicherheit, wenn Du nicht sofort beginnst, die Scheisse da unten wegzuräumen! Ich hänge Dir Dein Kreuz aus, dass Du Deinen Arsch in einer Schlinge tragen musst! Und dazu habe ich jedes Recht!
Der Alte tritt mir in den Hintern, und ich Dir ins Gemächt – so hat alles wieder seine Ordnung, ist das klar?  I s t   d a s
k l a r , Du Sackgesicht?
 
Inni weiss: Wenn sie Sackgesicht sagt, wird es ernst. Lahm entgegnet er noch, es sei doch alles nur ein Ulk gewesen, wir können das ja in Ordnung bringen (tja, Inni ist nicht der Schlaueste; mit dem Plural hat er schon wieder daneben gelangt, Succi dreht nun durch und will ihn treten, wovor ihn sein siebenter Sinn mit einem Sidestep bewahrt, und er verlässt rasch seinen Logenplatz und hängt sich rechterhand ans Fallrohr.
 
Succi dagegen tritt zu, ins Leere, verliert die Balance und segelt hinunter auf den Bürgersteig, haarscharf an einer alten Dame vorbei, die sofort ein Schaudern packt, und eine Ahnung vom nahen Tod, was Succi sofort spürt, bedauert und zur Sühne den Rheumaschmerz in der rechten Schulter von Frau Lüders lindert – auch Teufel können das!
 
Währenddessen hängt Inni am Fallrohr und brummelt etwas von Gefühlsduselei. Succi macht sich auf den Weg nach oben, entlang des besagten Regenrohrs. Inni weicht zurück, vielmehr nach oben aus, schwingt sich über die Dachrinne und nimmt Deckung hinter dem Schornstein. Succi kauert davor, röhrt ihn an.
 
Und jetzt, Inni-Schätzchen, verschwindest Du vom Dach.
Du eierst nach unten, und räumst auf. Und vergiss nicht: Ich bin Luzifers Henker. Ich reisse Dir raus, was Dir lieb und wert ist, und verfüttere es an die Engel!
Du hast jetzt 37 Minuten, dann herrscht da unten wieder Ordnung, Alltag, Friede, Freude und Eier-kuchen. Ist das klar?
Und wenn Du dort fertig bist, werde ich weisungsgemäss dem Alten berichten. Ich werde ihm sagen, es sei hier nichts gewesen. Und dann machen wir uns an unseren Auftrag. Hast Du alles kapiert, oder muss ich nochmal wiederholen?
Inni kleinlaut: Alles retour?
Succi: Mach los, Du Sohn einer …..
Inni ist schon weg.
 
(3) Rückabwicklung ist angesagt. Dabei spielt die Zeit eine gewichtige Rolle. Seit Inni´s Eingreifen in die Strassenszene am S-Bahnhof Blankenese sind inzwischen 46 Minuten vergangen.  Inni betritt die Szene, für jedermann unsichtbar, ausgenommen für Succi, die es sich auf der Dachrinne bequem gemacht hat und mit Falkenaugen den Prozess überwacht. Was hat der blöde Hund nur wieder angerichtet. Wäre ich der Boss, denkt sie, der Typ würde nicht mehr aus der Hölle rauskommen. Innendienst bis zum Abwinken, für mindestens weitere 50.000 Jahre. Aber der Alte ist zu gutmütig. Manchmal kommt einfach der Engel bei ihm durch!
 
Inni rechnet. 46 Minuten zurück, plus zwei Minuten Vorbereitung macht neunundvierzig – und los. Erst ein Stillstand der Zeit, dann alles retour, just so, wie man einen Film rückwärts laufen lässt. Inni überwacht angestrengt den Prozess, und Succi überwacht ebenso aufmerksam ihren Inni, bemerkt eine Minute Zeitdifferenz, alles läuft weiter zurück, wenn nur dieses hundeschnäuzige Arschbackengesicht von einem Unterteufel mal etwas richtig machen würde! Und genauso röhrt sie ihm das hinunter; er sieht danach wirklich betroffen aus. Nach knapp 49 Minuten rollt in Pinneberg ein Ford Mondeo rückwärts in seine Garage, der Fahrer steigt aus, trottelt rückwärts gehend in sein Haus, hängt seine Jacke an die Garderobe, retiriert in die Toilette und setzt sich auf den Topf, endlich ….. nun, das lässt man aus. Verletzt die Menschenwürde.
 
Endlich ist die Reorganisation abgeschlossen. Die Zeit stoppt, und bewegt sich wieder in die korrekte Rich-tung. Der Typ in Pinneberg kommt vom Topf hoch, fühlt sich gut und macht sich wieder auf den Weg Richtung Blankenese. Nichts ist passiert. Nur einige empfindsame Menschen erleben die überflüssige Minute als ausgedehntes Déjavu.
 
Inni entert die Dachrinne und setzt sich neben Succi. Sie ist aber noch nicht mit ihm fertig. Du kommst jetzt mit zum Alten, Sackgesicht! Ich muss Bericht erstatten. Und Du wartest vor seiner Tür. Ich möchte heute nicht nochmal erleben, wie Du Mist baust. Ist das klar?
 
Sekunden später steht Succubus vor Luzifer und berichtet: Ehrwürdiger Satan, ich habe Incubus in Hamburg angetroffen. Er hat dort auf mich gewartet. Es war nichts passiert. Ich vermute, er hat grossen Respekt vor Dir und Deiner Allmacht. Kann sein, er beginnt zu verstehen. (Sie fährt sich mit der Pfote zart über ihr Schnäuzchen, und Luzifer bemerkt´s mit Entzücken). Es gibt also keinen Grund sich zu sorgen.
Luzifer fragt nach, was sie eine Stunde lang getrieben hätten, wenn nichts zu reparieren gewesen sei. Succi: Nun, ein wenig lüstern war der Incubus schon. Du kennst ihn. Wenn er sein Engelsgesicht aufsetzt und damit beginnt, Rosenkränze zu beten, dann steht er kurz vor einer Eruption, und man muss einige Mühe darauf verwenden, ihn wieder so weit herunter-zukühlen, dass man ihn allein lassen kann. Aber sei versichert: Wir arbeiten dran. Keine Sorge. Succi hat alles im Griff!
 
Luzifer verliert das Interesse an Inni, und sein Interesse an Succi wächst. Sie bemerkt dies, bedauert, dass eines der grossen Welträtsel ungelöst bleibt: Engel sind geschlechtslos. Und das bleiben sie auch als gefallene. Wie kann es angehen, dass der Boss sich wie ein geiler Bock aufführt, seine Energie derart verschwendet, sich aufplustert wie ein Gockel, um dann einem aufgeschlitzten Heissluftballon gleich abzu- schlaffen, ohne auch nur im geringsten einen Nutzen aus dem Gehabe zu ziehen?  Kerle!
 
Succi zieht sich zurück, bevor die Situation richtig unangenehm wird; der Alte mag sich in sein Schwefel-bad verziehen und de-eskalieren. Sie hat schliesslich einen Auftrag zu erledigen, und zudem die Dumpf-backe Inni am Halse.
 
Succubus und Incubus machen sich auf den Weg, um ihre Arbeit zu erledigen. Der temporär Geköpfte sitzt nun in seiner Stammkneipe und hat bereits das zweite Bierchen vor sich stehen. Es ist offenkundig: Er hat auch die für das Eingiessen von Pils erforderliche Körperöffnung ordnungsgemäss zurückerhalten; seine Mine verrät, dass Schäden an Körper, Geist und Seele nicht eingetreten sind.
 
(4) Succi memoriert laut (damit Inni mitkriegt, was nun zu tun ist):
 

·      
Auftrag

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Durchführen: Incubus / Succubus

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Termin: innerhalb von 6 Stunden

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Zielperson: x, Senator der Freien und Hanse-stadt Hamburg, Bezirk Mitteleuropa, Planet Erde

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Massnahme: holen (tot oder lebendig), und sofort vorführen

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Begründung: Senator X wurde durch Pastor Y verflucht; Y murmelte den Fluch: Da sitzt er. Den soll der Teufel holen! noch während seines Gottesdienstes. Damit wird der Fluch wirksam.

·      
Die Massnahme des Pastors steht im Zusammenhang mit einer erwarteten, aber nicht eingetretenen Spende für die Nordelbische Kirche und dem damit einhergehenden Verlust von 25 Prozent des Spendenbetrags für die Gemeindekasse des Pastors. Senator X hatte einen 6stelligen Betrag zugesagt und einen 3stelligen zur Verfügung gestellt.

·      
Besonderheit: Das Verhalten des Senators X deutet an, dass er der Hölle nähersteht als dem Himmel. Das ist jedoch irrelevant. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass derlei Erwägungen die Durchführerung des Auftrags nicht beeinträchtigen dürfen.
 
Senator X wohnt am Süllberg; er ist Eigentümer einer Penthouse-Wohnung mit Elbblick. Verheiratet, aber kinderlos geblieben, hat er sich für eine Legislaturperiode vom Handel abgewandt und sich der Lokalpolitik verschrieben. Als gelernter Kauf-mann hat er folgerichtig das Ressort Kultur übernommen.
Sein Unernehmen beschäftigt in der Regel 130 Mitarbeiter und wird derzeit von einem Geschäfts-führer geleitet. Das Unternehmen handelt mit allem, was der ferne und der mittlere Osten zu bieten haben: Teppiche, Tee, Gewürze, Elektronik, um die wichtigsten Posten zu nennen. Man kann mit Fug und Recht behaupten, Senator X sei ein hansea-tischer Pfeffersack im Original.
 
Das ist nun jener Mann, den die Teufel holen sollen, weil ein Pastor es wünscht. Welch eine Ironie!
 
(5) Teufel reisen nicht. Sie scheinen immer genau dort zu sein, wohin sie wollten. Ein Kurztrip von München nach Hamburg dauert den Bruchteil eines Wimpern-schlags. Sofern Inni sich dabei um eine Sekunde verspätet, dann hat er gewiss einen Abstecher nach Australien unternommen, und bekommt deswegen richtigen Zoff mit Succi.
 
Natürlich ist Senator X nicht zu Hause. Die Teufel wissen nicht, wo er sich aufhält, aber sie kennen seinen nächsten Schritt. Also rasch bei der Industrie- und Handelkammer vorbeigeschaut, nicht da. Nächste Station ist die Staatsoper, Büro des Intendanten (vorzüglicher Cognac!), dann weiter ins Rathaus, hier das Restaurant (X hat Boeuf à la mode gegessen), sodann das Büro des Bürgermeisters aufgesucht, und ist anschliessend in den Freihafen  gefahren, wo er einen Schuppen, den 10er gemietet hat.
 
Hier wird’s für Succi und Inni überaus ungemütlich. Nicht dass hier Weihwasser gelagert wäre – das nein. Aber Teufel fürchten Gewürze ebenso. Sie sind mög-licherweise traumatisiert durch intensiven Kontakt mit Weihrauch, wovon die Katholiken in Kirchen wie im Freien reichliche Mengen verbrennen. Die Ursprünge des Weihrauch im christlichen Gottesdienst liegen im römisch-byzantinischen Hofzeremoniell. Dabei wurde Weihrauch als Amtsinsignie hoher Beamten über-nommen. Schon damals haben sich Bischöfe hinter Schwaden von Weihrauch versteckt und zugleich ihren Gläubigen die Sinne vernebelt. Inni ist frustriert:
 

·      
Succi, weißt Du noch, damals inByzanz, als ….

·      
Höre mir mit den alten Geschichten auf!

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Aber Succi, riechst Du ihn nicht? Das ist kein Sandelholz!

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Inni, Du bist ein feiger Teufel! Und Du hast Glück, dass uns jegliches Schamgefühl abgeht! Los, weiter!

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Succi! Ich mag keine Gewürze! Sie machen mich nervös! Man weiss nie, was kommt! Unser Mann ist ein Pfeffersack! Gewürzhändler!

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Inni, noch einen Ton, und ich tue, was der Boss mir aufgetragen hat! Hier ist keine Kirche, hier wird kein Weihrauch abgefackelt! Das hier ist nicht der Kölner Dom, sondern Schuppen 10 im Hamburger Freihafen. Vergiss endlich Byzanz, Du Lusche!
 
Schliesslich haben die beiden ihren Mann auf Boden 3 geortet. Ausgerechnet dort. Er palavert mit einem der Gangführer, sitzt dabei auf Paketen – Weihrauch.
Boswellia carteri Prov. Somalia. Steht so da, riecht so, ist auch drin.
 
Succi ist sprachlos. Was tun? Invisibel bleiben, selbstverständlich. Warten. Natürlich. Zuhören. Was sonst? Aber die Zeit!
 

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…. sicher, dass die bestellte Qualität drin ist?

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Da müssen wir eine Stichprobe nehmen! Ich hole mal schnell eine leere Dose …

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Aber keine Fischdose ….

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Gewiss Herr Senator. Ich weiss Bescheid – sonst glauben wir noch, dass der Weirauch nach Hering riecht, mit Senfsosse …. hahahaha …

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Machen Sie zu, Sandner, soviel Zeit habe ich nicht!

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Sekunde, da ist sie schon. Die haben wir letztes Mal auch benutzt! Wir wollen doch den Herrn Bischof in Paderborn nicht verärgern!

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Nu man los, Sandner!
 
Inni: Jetzt hau ich ab. Es wird ungemütlich!
Succi: Feiger Hund!
Sandner: Dor hebbt wi den Krom. Mit´n beten Holzkohle ward dat gein.
Der Senator: Machense man zu!
Sandner: Brennt´n beten!
Inni: ich verzisch mich.
Succi: Ich komme mit.
 
Und bald riecht der Boden 3 des Schuppens 10 am Tschechenhafen wie der Dom zu Bamberg am höchsten katholischen Feiertag.
Sandner: Brennt gut, qualmt gut, riecht wie immer. Kann ich jetzt lüften?
Der Senator: Machense man zu. Ich nehme mir eine Probe mit. Meine Frau schwört  auf H15. Soll gegen alles helfen. Und so ganz unrecht hat sie nicht. Wurden Sie jemals in einer katholischen Kirche von Mücken geplagt? Nein, meinte Sandner, das wäre man schlecht möglich, weil er Atheist sei, lauerten ihm die Mücken in seiner Schlafkoje auf. Stecken Sie sich doch auch eine Probe von dem Zeug ein, für zu Hause, sagte der Senator im Weggehen, und verströmte dabei einen Duft wie eine Tonne Mottenkugeln. Den Teufel werde ich tun, brummte Sandner. So, wie ich rieche, kann ich nicht nach Hause kommen. Meine Alte schmeisst mich sofort wieder raus. Da kann ich denn man gleich in die Kneipe. Sprachs und zog los. Den Schuppen hatte er dann doch noch abge- schlossen und die Alarmanlage scharfgeschaltet.
(6) Senator X duftete still vor sich hin, setzte sich in seine Luxuskarosse und machte sich auf den Heimweg. Succi und Inni hatten ihm aufgelauert, sich aber nicht an ihn herangewagt. Succi memorierte erneut:
 

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Erstens haben wir nur noch eine und eine halbe Stunde Zeit, um den Auftrag zu erledigen.

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Zweitens kommt der Senator X ungeschoren davon, wenn wir´s in der restlichen Zeit nicht schaffen.

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Drittens fehlt uns die Zeit, die wir mit Inni´s Blödsinn in Blankenese vertrödelt haben.

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Viertens möchte ich nicht in unserer Haut stecken, wenn der Alte erfährt, dass er den Senator nicht kriegen kann.

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Daraus ergibt sich fünftens, dass wir ab sofort agressiv vorgehen müssen. Vergessen wir den Weihrauch, sonst gibt’s Zunder!
 
Inni hält dagegen: Mach Du´s. Ich fass den Typen nicht an. Beim letzten Mal habe ich gereihert bis zum Sankt-Nimmerleinstag. Eine Kunst, sage ich Dir. Nicht essen, nicht trinken, aber reihern, das krieg Du erst  mal hin.
 
Succi: Wenn ich wieder Zeit habe, werde ich Dich gebührend bedauern. Nun aber holen wir uns den Senator! Schlappschwanz!
 
Und einen Wimpernschlag später kauern sie in des Senators Salon, unsichtbar wie immer, und beobachten Frau X beim Arrangieren eines gewaltigen Blumenbuketts. Des guten Wetters wegen hat die Hausfrau die Schiebetür zur Dachterrasse geöffnet. In der Sonne tanzen die ersten Mückenschwärme, sehr zum Missfallen von Frau X, die nicht ahnt, dass diese frühen Insekten noch nicht zum Blutsaugen konditio-niert sind. Angeber allesamt.
 
Um es kurz zu machen: Zunächst erscheint Senator X auf der Bildfläche. Duftet nach Weihrauch, als wäre er stundenlang in einer Fronleichnamsprozession mitgelaufen.
 
Inni kriegt das Würgen.
 
Frau X erinnert sich: Hast Du ein wenig Weihrauch mitgebracht? Schau Dir die Mücken an. Schwärme davon schon im Frühjahr, unglaublich! Ja? Her damit.
 
Rasch hat sie eine vorbereitete Schale herbeigeholt, und der Senator bestückt und befeuert diese.
 
Inni beginnt zu reihern.
 
Succi will sich dem Senator nähern.
 
Inni verliert die Kontrolle und schaltet aus Versehen auf Sichtbar.
 
Frau X schreit wie am Spiess, und sinkt ohnmächtig zu Boden.
 
Der Senator ist aus härterem Holz. Merkwürdig, denkt er. Die Gestalt sieht aus wie die bei Albrecht Dürer: Der Ritter, der Tod und der Teufel. Genau, es ist der Teufel! Was will die Type hier?
 
Die unsichtbare Succi verliert jetzt ihererseits die Fassung.
 
Der Senator hält noch immer die Weihrauchschale in der Hand und vergisst, sie abzustellen. Lässt sich in einen Sessel fallen und staunt: Wer hat je im Leben einen kotzenden Teufel gesehen?
 
Succi ist mittlerweile unter Krämpfen zurückgewichen. Die gesamte Szenerie scheint ihr unwirklich. Kämpft sich zu inni vor und schaltet ihn auf invisibel.
 
Der Senator ist noch immer bei Dürer; seine Berufung zum Kultursenator beginnt Früchte zu tragen. Endlich stellt er die rauchende Schale zur Seite, um sich einen Bildband aus dem Bücherbord zu greifen.
 
Dumm, denn er schiebt den Mückentod den beiden Teufeln direkt unter die Nase.
 
Inni ist einer Ohnmacht näher als allem andern, und Succi beginnt zu reihern. Sie weichen zurück, und Succi will den Kampf wieder aufnehmen. Sie rappelt sich auf und stürzt auf den Senator zu, der sich mit einem schweren Bildband in der Hand umwendet – er trifft Succi versehentlich direkt auf die Schnauze, und sie weicht jaulend zurück.
Teufel weinen nicht, auch wenn ihnen danach zumute ist. Succi setzt sich verzweifelt auf den Teppichboden. Unter ihr bildet sich eine Pfütze, was den Senator nun doch ziemlich verwundert. Pfützen aus dem Nichts sind auch in Hamburg äusserst selten.
 
Während er sich fragt, wo das üble Vieh abgeblieben sein mag, und wer es ihm geschickt haben könnte, und was der ganze Mummenschanz eigentlich soll, kommt für Succubus und Incubus die Abberufung. Ihre sechs Stunden sind verstrichen, der Teufel hat den Senator nicht gekriegt.
 
An seiner Stelle bekommt er zwei kotzende Unterteufel. Sie werden seinen Zorn zu spüren bekommen, sobald es ihnen wieder besser geht. So lange wird er mit seiner Rache warten. Zur Strafe wird er die beiden in Hamburg installieren – in menschlicher Gestalt selbstverständlich. Sie sollen wie Herr X politische Ämter bekleiden.
Sie sollen wie Herr X unredlich handeln, verflucht werden, und er wird ihnen Unterteufel schicken, sie jagen lassen, sie vor seine Füsse werfen lassen und ihnen alles nehmen, was sie je besassen. Er wird sie in seiner Hölle schmoren lassen.  Bis dahin, Ihr Höllenhunde, kotzt Euch ruhig aus, und erleidet einen ersten Schmerz! Ich, Luzifer, der Sohn des Lichts und der Herr der Hölle habe alle Zeit der Welt, und die Ewigkeit dazu!
 
Gut gebrüllt, Löwe! Nur hat die Pleite ein Nachspiel. Wenige Momente nach Fertigstellung der Strafpläne für seine beiden Versager wird er, Luzifer,  zum Herrn gerufen. Wo bleibt mein Senator, mein Sohn? So lautete seine einzige Frage. Zwei Erzengel mit Flammenschwertern setzten bedrohliche Mienen auf. Wo bleibt mein Senator, der meine Kirche um einen sechstelligen Betrag betrog?
 
Ein Cherubim, Engel der Weisheit: Er hat ihn nicht!
 
Ein Seraphim, Engel der Liebe: Er hat ihn laufen lassen!
 
Beide (im Chor): Er ist ein Versager!
 
Die Cherubime mit ihren Flammenschwertern: Wir wollen ihm das Fell versengen!
 
Alle zusammen: Herr befiehl? Was sollen wir mit ihm machen?
 
Und der Herr sprach: Es ist Luzifer, einer Eurer Brüder, und mein Sohn! Habt Erbarmen. Schickt ihn in Menschengestalt auf die Erde und lasst ihn ein gesamtes Menschenleben erfahren. Er soll im Leid baden und Demut lernen!
 
Die Engel gehorchten, unverzüglich und ohne Widerrede.
 
Und so wurde Klaus Kinski geboren.

Eine Begegnung der seltsamen Art

Gestern hatte man in Hamburg das Vergnügen
eines  Sonnentags – nun gut, es  war ein Sonntag!
Ich hatte das Fenster meines Büros geöffnet
und litt tapfer unter Frischluft.
Während ich vor mich hin döste und anfing,
hinter meinem Aktenmief herzujammern,
stellte sich Besuch ein. Eine reichlich
verwegene Wespe zeigte sich interessiert
an meinem Körpergeruch und/oder an einem
angebissenen Apfel der Marke ELSTAR.
 
Nun, für Aussenstehende ist diese
Begebenheit nicht gerade sensationell.
Für mich schon.
Vor 12 Monaten hätte ich den Gast getötet.
Heuer aber, nachdem ich meinen Garten
als tot erklären musste, war das geflügelte und
so wehrhafte Wesen seltsam willkommen.
Die Bestie beschnüffelte mich ausgiebig,
kam wohl zu dem Ergebnis,
ich sei ungeniessbar, und verschwand.
 
Ich rief ihr hinterher, es sei mir eine Freude
gewesen, sie zu treffen. Und das war
ehrlich gemeint.
Vielleicht steht sie für einen Restart
in meiner grünen Wildnis.

Zukunft

Die Unfähigkeit der Polit-Laien auf den
Regierungsbänken der vergangenen
Jahrzehnte, für ein soziales Gleichgewicht
in unserem Gemeinwesen Sorge zu tragen,
veranlasst mich zu folgender Prognose: 

Zum Wie und Wann wage ich keine
Vorhersage.
Aber ich fürchte eine rechtspopulistische
Diktatur.

Das Licht der Sonne

Sonnentage sind sehr unzuverlässige
Begleiter unseres Lebens.
Eben noch spenden die Sonnenstrahlen
Licht und Wärme, dann lassen sie sich
unverhofft von Wolken einfangen und
fallen in Regentropfen zur Erde,
verschwinden rasch in trockener Krume
oder – schlimmer – in den finsteren
Schächten der Menschen, um dort ihren
Glanz, vielmehr ihre Existenz zu
verlieren.
So endet Sonnenlicht als Schmutzwasser,
und  die Menschen warten –
auf neue Sonnentage.

Wie kommt das Salz ins Meer?

Nun, es kommt nicht.
Es fliesst.
Regen und Flüsse tragen Natriumchlorid und
Mineralsalze an Land ab und transportieren
das Salz-Gemisch in die Weltmeere.
Einen weiteren Beitrag liefert der
Untergrund der Meere.
 
Die Sonne spielt mit.
Sie lässt Meerwasser verdunsten und als
Süsswasser in die Wolken aufsteigen.
Diese Reduktion des Meerwassers durch Wärme
gleicht den Zulauf durch Flüsse aus.
Auf diese Weise bleibt auch der Salzgehalt
des Meerwassers konstant.
 
Kuriosum: Das Tote Meer.
Dieses Gewässer ist ein Binnensee in einer
heissen Klimazone.
Die Verdunstung des Seewassers hat
einen extremen Wert angenommen. Deshalb
beträgt der Salzgehalt des Wassers
340 Gramm pro Liter.
Zum Vergleich:
Nordsee = 30 Gramm.
Das ist Nudelwasser!

Ein Schwachmatikus erzählt

Wieder einmal befallen mich Zweifel und
lähmen mich in meinem Denken und
Handeln. Ich sitze verzweifelt, oder
sagt man eingezweifelt? Ich sitze also
grübelnd unentschieden vor meinem
Keyboard (heute ist Sonntag, an Werktagen
nenne ich das Gerät eine Tastatur); ich sitze
also an Besagtem und quäle mich mit
Grundlegendem, quasi mit einer, der
humanen Existenz entliehenen Frage:
„Soll ich mir jetzt einen Kaffee kochen, und
falls nein, was geschieht dann mit meinem
Rosinenbrot?“
Ich lebe allein, aber irgendwer muss mir
antworten.
 
Nachtrag: Ich habe unter Missachtung aller
ökonomischen Risiken  eine Kanne Kaffee
maschinell hergestellt. Diese Maschine hat
unentwegt gestöhnt und geröchelt, und
ein schwarz-braunes Ejakulat abgesondert.
Mein Rosinenbrot erwies sich als ein
hinterhältiges Produkt. Eingespeichelt
änderte es seine Konsistenz und wurde
im Mund wieder zum Teig, den man
erneut aufbacken müsste. Aber die Not
macht bekanntlich erfinderisch.
Ich habe mich technisch weiterentwickelt:
Abbeissen, nicht kauen sondern schlucken,
und mit Kaffee nachspülen.
Der weitere, internistische Prozessverlauf
ist automatisiert, und ich reagiere nur
auf akustische Störmeldungen.

Mahlzeit

Bratwurst in Pfannen
windet sich  in der Hitze.
Ein Me(E)sser droht.
 
Wer Sauerkraut hat,
verzichtet gern auf Mostrich.
Eine Bratwurst dankt.
 
Der Senf im Glas schmollt.
Er fühlt sich unverstanden.
Die Wurst triumphiert.

Mein Apfelbaum

Das Elbe-Urstromtal, heute die Elbmarschen
genannt, ist an meinem Wohnplatz
ca. 9 km breit, gesäumt von eiszeitlichen
Endmoränen.
 
Irgendein Landwirt hat irgendwann
damit begonnen, hier Obstbäume zu pflanzen.
Man zählt heute zum Beispiel
9 Millionen Apfelbäume.
Und – was soll ich sagen – einer davon
gehört mir. Ein roter Boskop.
 
Mein Baum ist alt. Seine Äpfel, sollte er
überhaupt welche zustande bringen,
sind klein, und nicht mehr rot.
Er ist ein Methusalem seiner  Art,
in Menschenalter gemessen so
um 120 Jahre alt.
 
Ein Obstbauer mahnte, der Baum müsste
gefällt werden, und ein junger koste
nur einige Oiros und so weiter, und die
Familie stimmte uneingeschränkt zu –
aber dieser Baum bleibt. Er gehört zur
Familie. Man mag das gerne wunderlich
nennen, aber er hat gerade
wieder prachtvoll geblüht.
Das war natürlich vergebliche Mühe für
den Alten, denn es fehlen die Bestäuber.
Anders gesagt: Mein Garten ist biologisch
so tot wie ein Klappspaten.
 
Dies feststellen zu müssen ist bitter.
Der Garten hat nie Herbizide, Fungizide
oder Insektizide zu spüren bekommen, und
dennoch ist tierisches Leben nahezu
komplett erloschen.
 
Wann ist wohl der Mensch dran?

Geplauder über ein Tabu

Man sagt, das Sterben beginne mit der Geburt.
Dieser Prozess, das Leben kann Jahrzehnte laufen.
Die Prozessdauer bemisst sich in Schicksalen.
Diese sind nicht in Menschenzeit umrechenbar.
Der Prozess verläuft progressiv.
(Je älter, desto schneller.)
Pflege verlängert die Prozessdauer.
Dennoch entstehen zunehmend Schäden.
Bei grossem Schaden schaltet die
Zentrale ab.
(Oder sie wird per Externem abgeschaltet.)
Am Prozessende heisst der Status „Tod“.
Oder: Der Prozess ist tot.
Oder: Der Mensch ist tot.
 
Hmmm. Damit verbindet sich die Frage,
was seine Seele die ganze Zeit
getrieben hat, und wo sie nun
unterkommt. Aber ist das relevant?
Wer hat je eine Seele gesehen?
Wenn es sie gibt, so kennt man nur
ihre Wirkung. Und wenn es sie nicht
gibt, dann hat die Wirkung
eine andere Ursache. Die Verdauung?
Zum Beispiel Empathie für das 
Menschengeschlecht?
Der eine hat sie, der andere nicht.
 
Wo sitzen im Körper die Gefühle?
Wieso  kann man sie stimulieren?
Wo wirkt der gute alte Absinth?
Ausser auf die Leber …..
Emotionen sind das Resultat
bio-chemischer Sub-Prozesse
im Gehirn?
Warum kann ich eine Woche
lang traurig sein, aber
nicht glücklich?
 
Wie oft muss ich wiedergeboren
werden, um hierzu richtige Antworten
zu erhalten?
Kann man die Endgültigkeit
des Nirwana tatsächlich geniessen?
 
Ich glaube, ich spinne.
Habe die Peilung verloren.
Um die Ordnung wieder herzustellen,
gehe ich jetzt in die Küche und
mache den Abwasch.
Wir im Norden nennen das
„Kombüse aufklaren“.