Ein Blick aus dem Fenster

Tja, ich blicke aus dem Fenster, und meine Nachbarn
blicken besorgt zurück. Das geschieht allerdings nicht
meinetwegen. Vielmehr bin ich in Ungnade gefalllen.
Mein Garten konveniert überhaupt nicht.
Er ist nicht, wie alle anderen Gärten ringsum, so
gestaltet, dass man ihn deutsch-gepflegt nennen dürfte.
Nein, er hat über 2/3 seiner Fläche seit zwei Jahren
keinen Rasenmäher zu spüren bekommen.
Was immer an Kraut wächst, ist willkommen.
Es wird nicht gedüngt, es wird kein Gift gespritzt,
es herrscht die Natur nach ihren Gesetzen.
 
Der Erfolg des gärtnerischen Dolce farniente:
Nein, es hat sich noch keine Rotte Wildschweine gezeigt.
Kein Grosswild, kein Niederwild, nicht mal
ein verlauster Igel zeigt sich in meiner Wildnis,
wohl aber sind die Insekten zurückgekehrt.
Es ist wieder Leben eingekehrt, dort draussen,
und nun warten wir, die Familie,
auf die Vögel, und auf Blumen.
 
Und wir, mit unserer kleinen Insel in der Wüste
aus Stein, Asphalt und Sportplatzrasen
sind stolz auf das Erreichte, und wir warten gespannt
darauf, was der Natur als nächstes einfällt,
um das angebotene Biotop sinnvoll zu nutzen.