Mein Apfelbaum

Das Elbe-Urstromtal, heute die Elbmarschen
genannt, ist an meinem Wohnplatz
ca. 9 km breit, gesäumt von eiszeitlichen
Endmoränen.
 
Irgendein Landwirt hat irgendwann
damit begonnen, hier Obstbäume zu pflanzen.
Man zählt heute zum Beispiel
9 Millionen Apfelbäume.
Und – was soll ich sagen – einer davon
gehört mir. Ein roter Boskop.
 
Mein Baum ist alt. Seine Äpfel, sollte er
überhaupt welche zustande bringen,
sind klein, und nicht mehr rot.
Er ist ein Methusalem seiner  Art,
in Menschenalter gemessen so
um 120 Jahre alt.
 
Ein Obstbauer mahnte, der Baum müsste
gefällt werden, und ein junger koste
nur einige Oiros und so weiter, und die
Familie stimmte uneingeschränkt zu –
aber dieser Baum bleibt. Er gehört zur
Familie. Man mag das gerne wunderlich
nennen, aber er hat gerade
wieder prachtvoll geblüht.
Das war natürlich vergebliche Mühe für
den Alten, denn es fehlen die Bestäuber.
Anders gesagt: Mein Garten ist biologisch
so tot wie ein Klappspaten.
 
Dies feststellen zu müssen ist bitter.
Der Garten hat nie Herbizide, Fungizide
oder Insektizide zu spüren bekommen, und
dennoch ist tierisches Leben nahezu
komplett erloschen.
 
Wann ist wohl der Mensch dran?