Am Mirabeau

Wiki: Cours Mirabeau, Aix-en-Provence

Gelegentlich geschieht es, dass man einem inneren
Bedürfnis nachkommt, einer leisen Sehnsucht nach
etwas, das begraben schien und dann doch, sanft verklärt,
für eine kurze Weile das Denken beherrscht.
Just dies ist mit heute früh widerfahren.
 
Sehnsucht braucht Erinnerung als Nahrung.
Dabei kann es geschehen, dass die Erinnerung
übermächtig wird und zu Selbsttäuschung verleitet.
Und wenn schon, dachte ich, und schloss die Augen.
Meine Büro-Butze war nun ausgeschaltet, und ich sass
in einem Strassencafé auf dem Cours Mirabeau
in Aix-en-Provence, vor mir ein frischer Salat, ein Glas Rosé
aus Bandol und ein wenig Baguette. Über mit ein
Blätterdach der Platanen, und um mich herum
– es war Frühsommer ohne Touristenmassen – nichts weiter
als französischer Alltag.
 
Ich habe mich in dieser Szene so sehr verloren,
dass ich mich selbst vergass, mich in mein Innerstes
vertiefte und als eine Seele wiederfand, die genau dort
erschien, wo sie hingehört, auf dem Cours Mirabeau.
 
Es waren Momente glücklicher Erinnerungen,
aber sie schützen nicht vor der Wirklichkeit eines
regnerischen Sonntags im Alten Land bei Hamburg.
Also  tat ich, was getan werden musste.
Ich habe Aix und den Mirabeau abgehakt,
in meinem Gedächtnis vermerkt, dass es schön war,
wieder einmal dort gewesen zu sein,
und mein Frühstück vorbereitet.
Zugleich, und um auf die Erde zurückzufinden,
habe ich erneut verärgert gebucht, dass die
Franzosen aus der Provence ihren Besten
aus der Gegend um Bandol nicht an Ausländer
verschwenden, sondern selbst trinken.
So sieht‘s aus.