Illusionen

Man verdaut nur schwer, wenn man Illusionen verliert.
Gemeint ist hier z. B. die Illusion, unsere gewählten Politiker seien Übermenschen, sie seien besser als wir selbst. Nein, sie sind nur freier als wir. Dafür haben sie selbst gesorgt. Wann ist je ein Politiker für seine teuren Fehlleistungen zur Rechenschaft gezogen worden? Für seine Affairen? Nichts dergleichen ist justitiabel. Wenn die Clique nicht will, wirst Du diese Leute nicht los! Nicht, bevor sie wegsterben!

Wie? Abwählen? Dass ich nicht lache. Sie wechseln doch im selben Raum nur den Stuhl. Los bist Du sie noch lange nicht. Wenn die das nicht selbst besorgen, dann leidest Du an ihnen wie an einer unheilbaren Krankheit. Und wenn sie es selbst besorgen, bist Du eine Null immer noch nicht los. Sie taucht am Ende auf einem lukrativen Posten in der Wirtschaft wieder auf.

Brutal dumme Vereinfachung

Das Sortieren von Menschen in Schubladen ist von Beginn an zum Scheitern verurteilt, denn der Mensch hat mehrere Gesichter.
Wer ist  dumm? Und wer intelligent? Wenn Du willst, kann ich Dir auf Anhieb ein Dutzend Blödmänner nennen – aber ich möchte es nicht riskieren, jemanden der Dummheit zu bezichtigen. Wie bitte? Du siehst nicht den Unterschied zwischen Etikett und Inhalt?

Wie könnte man  jemanden intelligent nennen? Was genau sagt ein „IQ“ von 150? Eines der Probleme besteht doch darin, dass man die Ungebildeten nicht unterbringen kann, nicht wahr? Sie bilden ihre eigene Gruppe der scheinbar Dummen, über die man sich wundert, wenn sie, die blinden, mit einem Male mehr Körner finden als die sehenden Hühner.

Es ist meine feste Überzeugung, dass es keine wirklich dummen Menschen gibt. Politisch Dumme können mit ausgeprägter praktischer Intelligenz ausgestattet sein, und politisch Clevere ohne jede soziale Intelligenz. Unter der letztgenannten Sorte leidet die Menschheit seit Urzeiten.

Unter fachkundiger Betreuung erbringen geistig Behinderte kreative Leistungen – und Kriminelle beweisen gelegentlich  Sozialkompetenz – alles ist möglich, weil der Mensch so eine wunderbare –  Bestie ist. Ob Gutes oder Schlechtes entsteht, ist doch nur davon abhängig, welcher Teufel uns gerade reitet, oder? Jeder von uns hat gelegentlich einen Exorzisten nötig, nicht wahr?

Ja, ich mag Dich, bella Italia!

mailto: maurizio@raiuno.com

Ich wollt´, ich wär´ein Trüffelschwein,
dann zög´ich mir ´n Trüffel rein
wie´n Kinderkopf so gross.
Statt dessen bin ich kurz und klein,
schwimme umher in Chianti-Wein
als Bratenstück mit Soss´.

Buon giorno, Mauro, Du alter Florentiner!
Dieser dämliche Vers ist mir gestern Nacht im Bett eingefallen. Nach der Soss´ bin ich direkt hinübergeglitten – in Morpheus‘ Arme. Und heute morgen war er wieder da, der Vers (nicht der Morpheus). Ich glaube, das hat etwas zu bedeuten. Vermutlich ist es schon wieder viel zu lange her, seit wir die Toscana besuchten. Du erinnerst Dich an Montaione, ja? Was für ein Nest! Und was für ein grandioser Lebensmittelhändler, der keine zwei Eier verkaufen kann, ohne dazu eine halbe Arie zu singen!

Ich weiss, dass Du Dein Land liebst, mein Freund. Ich bewundere Dein unbeirrbares Bemühen, bella Italia in harmonischen Bildern zu schildern.
Mauro, Mauro! Du Meister der Ausflüchte und der Simplifizierung, natürlich  werde ich wieder mal in die Toskana reisen, und diesmal alle Orte auslassen, die mein Reiseführer anpreist, aber ich werde San Gimignano zu später Stunde besuchen, wenn alle anderen Touristen müde in ihren Bussen Richtung Hotel in San Irgendwo abgedüst sind.
Ich möchte dort mit Dir einen Sassicaia trinken, wenn er dekantiert serviert wird, oder an dem alten Travertin-Brunnen sitzend eine riesige Portion Gelato aus der Hand des Meisters von gegenüber  geniessen, und schliesslich bei Einbruch der Dämmerung einen der Türme besteigen und die Landschaft in einem Rausch von Pastellfarben eintauchen zu sehen, darauf zu warten, dass die untergegangene Sonne neue Stimmungsbilder gestaltet – und dass der Abend schliesslich das Licht ausknipst. Das bringts.
Cu, nächstes Jahr, aber nicht in Jerusalem, eher in Firenze!
RO

„Keine anderer  Ort öffnet Dir sein  Herz so wie die Stadt Siena!“ So eine Inschrift an der Porta di Camollia, einem Tor zur Altstadt von Siena. Und keine andere Kirche hat mich je so willkommen geheissen wie der Dom von Siena, dessen Baumeister mit den  Farben des Marmor verschwenderisch, und doch in vollendeter Harmonie ein Wunder errichtet haben – man kann sagen ein doppeltes Wunder, denn diese Kirche ist nicht nur einmalig, schön im eigentlichen Sinne, nein, sie fasziniert auf eine nie erlebte Weise, hält den Besucher gefangen, indem sie ihm das Gefühl vermittelt, hier zu Hause zu sein. So jedenfalls habe ich den Dom von Siena erlebt.
Eigentlich unfassbar – für einen Atheisten wie mich. Man soll eben nie nie sagen.

Nie wieder alt ! ?

Der Mensch altert. Es laufen unaufhaltsam physiologische und psychologische Prozesse ab, in denen er gleichsam rücksichtsvoll auf seine finale Rolle als Erblasser vorbereitet wird. Dabei sind individuelle Parameter wirksam – deshalb altern wir nicht alle auf dieselbe Weise. Und darum hat es der eine in den Knien, und der andere im Kopf, und der dritte am Kehlsack, an den Knien und im Kopf.
Die Parameter sind teils fix, teils variabel; das meint: Wenn meine Stammzellen sagen, mit 65 geht die Pankreas in Rente, dann bin ich ab 65 Diabetiker Typ II. daran ist nicht zu rütteln. Und wenn mein Phlegma mir sagt, Sport sei Mord, dann wäre schon dran zu ruckeln, theoretisch. Iss nicht so viel. Theoretisch machbar. Statt Bauch nur noch Bauchlappen wie beim Kaninchen (lecker mit Zwiebelfüllung!), lässt sich wegschneiden. Das wäre auch mit dem Kehlsack machbar; aber wie sieht das dann  aus? Überleg mal:
Ein altes Gesicht über einem jungen Hals, und ganz oben das strahlende Nichts, wo mal Haare gewachsen sind, der Hintern in der weissen Mai-Büx, die ich vor 53 Jahren gekauft und nie getragen habe, und am neu gestylten Hals vielleicht eine Goldkette, etwa 400 g schwer, den Rolex-Nachbau aus Hongkong am rechten Handgelenk – sehr eigen, das Bild. Und im Kopf den Iwan und die Schlacht um Stalingrad.

Ich bin eh für´s Gründliche, wenn also etwas gemacht werden soll, dann richtig, und das hiesse: Krampfader links raus, rechtes Bein ab, Hinterteil geliftet, Brust- und Kopftoupet, Perlweiss auf die Zähne, Sonnenbank in den Keller, Gesicht zum Dauer-Smiley geliftet, die Goldkrone im Mund von hinten nach vorne versetzt, den Schnauzbart blondiert und alle Mitesser raus, Peeling drüber und Wimpern re-implantiert, das Fettabsaugen von den Hüften nicht vergessen! Und mit Winston Churchill argumentieren: „No sports!“ Gut, gut, jetzt ist der Gaul mit mir durchgegangen, back to normal!

Meine konservative Gesinnung verlangt von mir einen altersgerechten Habitus, eine altersgerechte Lebensweise. Aber: Was zum Teufel ist das eigentlich?
Sagen wir es mal so: Ich bin in einer verfressenen Gesellschaft aufgewachsen. Darum habe ich verinnerlicht, es müsse für alles ein Rezept geben. Eben auch für das Älterwerden. Bestimmt habe ich mal eines gefunden, (Dale Carnegie oder so),  es hat nicht funktioniert, und deshalb habe ich es wieder vergessen. Letztendlich stehe ich da mit allen Zutaten, aber ohne Kochanleitung, und es wird nichts Rechtes. Kennst Du das auch?

Fee bei der Arbeit

Wenn die Not am grössten ist, erscheint vielleicht die gute Fee. Sie bietet mir die berühmten drei Wünsche an, und setzt resolut hinzu: „Und ICH sage Dir, was Du Dir wünschst. Dein erster Wunsch: Vernunft. Dein zweiter Wunsch: Weisheit. Und Dein dritter Wunsch: Gelassenheit. Sie seien Dir erfüllt!“ Wusch!, und sie ist wieder weg. Bin garnicht zu Wort gekommen, aber ich verstehe: Die Dame kennt mich in- und auswendig.

Ich gestehe: Das geht mir alles zu schnell. Und ich glaube,  die Fee hat bei mir gepfuscht. Jedenfalls funktioniert es nicht so, wie ich es erwartete. Aber das Prinzip scheint stimmig. Soviel habe ich verstanden. In meinem Falle heisst „Weise sein“, zuzulassen, dass Dinge an Wert verlieren, und andere an Wert gewinnen. Ich soll ein meiner Situation angemessenes Wertesystem entwickeln und akzeptieren. Gut, das ist vorläufig zugesagt. „Vernünftig sein“ soll möglicherweise bedeuten, ich möge mich gefälligst bei meinem Tun und Lassen an meinen eigenen Masstäben orientieren. Heiligs Blechle! Das war frech! Ja wer tut denn sowas!
Und „gelassen sein“ meint möglicherweise, ich möge mich um meinen Kram kümmern und nicht mehr darauf achten, was andere davon halten. Das wenigstens kann ich.

Die Fee meint vielleicht auch: Jener Teil von mir, jener junge Mann, der ich gestern noch zu sein glaubte, hat vor Jahrzehnten gelebt, war gestern eine Illusion, und er ist heute  eine Erinnerung. (Da muss man erst mal draufkommen!)

Die Fee meint: Mache es Dir endlich bequem, denke nach, und dann beginne,  Dein Leben auf behutsame Weise in eine neue Richtung zu lenken. Du hast Zeit, und die ist zu knapp zum Verplempern!

Griff ins Klo

……. leistet sich , wer Phrasen drischt. „Wir haben über Gott und die Welt geredet!“ ist z. B. schliesslich nur eine Killerphrase, mit der man das Verlangen nach Schilderung kompliziertester Gesprächsverläufe abwürgt. Man kriegt ohnehin kaum ein zweites Mal zusammen, wie unter der Prämisse „Frau als Papst“ der Eierpreis die Lebensdauer eines Basalt-Pflastersteins beeinflusst (Stammtisch-Gespräch).


Nun hat der mündige Bürger aus dem politischen Alltag abgeleitet, dass mehr als dümmlich handelt, wer Phrasen auf ihren Inhalt zu überprüfen sucht.  Phrasen sind Sprache gewordener Etikettenschwindel. Man nimmt allgemein an, sie seien üblicherweise hohl. Hohle Phrasen müssen aber nicht zwangsläufig auch leer sein. Mein Senfglas ist hohl, aber halb gefüllt. Wie bitte? Mein Senfglas  sei keine Phrase? Gute erkannt. Aber „Gott und die Welt“ ist eine, gell? Und jetzt gucken wir mal rein. Deckel auf!


Nehmen wir GOTT. Spassvögel nennen ihn auch den alten Herrn, der über uns wohnt. So sind ruckzuck  Person und Ort festgemacht. Ja, zumindest imaginär, individuell, und auf naive Weise sogar intelligent. Ach ja, der. Hat gewiss keinen weissen Bart, aber egal! Auch wenn es ihn nicht gibt, Hauptsache, er ist da, wenn er gebraucht wird. Und flugs wird er – Gott natürlich – je nach Geschmack und Bildungsgrad im Ordner KIRCHE oder im Ordner RELIGION abgeheftet, quasi für kirchliche Events parat gehalten, dort, wo auch die zehn Gebote auf bessere Zeiten warten, in  Evidenz gehalten, bestenfalls.


Über Gott und die Welt reden heisst in der Regel, herumzuschwadronieren, und wohlerzogene Menschen vermeiden, dabei religiöse Aspekte mit durch den Wolf zu drehen. Genau, das gehört sich nicht. Ist intolerant. Das verletzt Gefühle. Und wenn der Pastor so etwas hört? Ob der mich dann noch unter die Erde bringt? Oder ob er den Preis für mein Totengeläut verdoppelt? Bei derartigen Schicksals-fragen kann man schon in betretenes Schweigen verfallen ….. ja, man redet dann über anderes – für den Moment. Maul halten und damit etwas Wichtiges sagen ist eine der höchsten Formen des Sprachgebrauchs – begabte Schweiger kennen den Trick.

Zum UND.
UND ist leicht verständlich zu definieren, wenn man sich dazu der Schalttechnik bedient. Das AND-Gate ist eine elektronische Grundschaltung zur Realisierung der UND-Funktion im Sinne der Schalt-Algebra; sie realisiert die Verknüpfung zweier oder mehrerer Eingangssignale, ist im einfachsten Fall durch die Reihenschaltung mehrerer Schalter zu bauen. So simpel ist das mit dem UND.
Du zweifelst doch nicht etwa?


Redet man über DIE WELT, dann … also …. ojeh!    Die Herkunft dieses Begriffs WELT ist zumindest jenen klar, die althochdeutsch parlieren können. „Weralt“ meint bekanntlich Menschenalter, Menschenzeit. Hast Du nicht gewusst? Nun, ich auch nicht. Egal, man hat einen Aufhänger, an dem man festmachen und in logischen Gedankengängen eine Definition entwickeln kann, die schlussendlich in der Science fiction ihre letzte Erklärung finden mag, und man ist nschliessend in der Lage, der 96-jaehrigen Tante die Heimat von E.T. plausibel zu machen.
Oder man macht in der Astrophysik fest, wenn es denn dort unbedingt sein muss, am besten irgendwo in der Nähe von Stephen Hawkins, der in jener Sphäre lebte und arbeitete, auch wenn er in Ermangelung weiterer Erklärungsmodelle über die Philosophie auf die Theologie zurückgriff, was sein Weltbild etwa so griffig macht wie 2 Liter Senf, oder man landet direkt in der Philosophie und versinkt in ihr, denn wer von den Weltendenkern hat nicht schon seinen Geist dazugegeben, nämlich praktisch alles, was Rang und Namen hat, hat gedacht, kommentiert oder kritisiert – was und wie auch immer.
Was also ist die WELT? Kostproben:
Die Welt ist die Gesamtheit der wirklichen Dinge im erkennbaren All. (aus der Kosmologie)
Die Welt als beseeltes Wesen (Philosophie der Antike), oder
Die Welt als goettliche Schoepfung. (Christliche Philosophie des Mittelalters)
Die Welt ist die absolute Totalität des Inbegriffs existierender Dinge. (Kant, Erkenntnistheorie)
Phänomenologisch: Sie ist der Horizont der Erfahrung (Husserl), die Ganzheit der Welt ist als der offene Horizont der Raum-Zeitlichkeit zu begreifen.


In Weiterfuehrung der Kant’schen transzendentalen und phänomenologischen Bestimmung von WELT ist sie die Allheit der Dinge begründenden ontologischen Kategorie als Charakter des Daseins, als Verstehenshorizont für das Seiende sowie für den Menschen, und zudem Entwurf des eigenen Seinkönnens, d. h. Welt ist die Ganzheit der Seinsmöglichkeit des Daseins (Martin Heidegger).

So viel zur Klarstellung.