Heimatgefühl

Mutter Heimat in Kiew/Ukraine

Nun gibt es auch in der BR Deutschland einen Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat.
Wer erzählt mir, was es mit Heimat auf sich hat? Einer plausible Erklärung dazu:
Das Gehirn speichert Erfahrungen vielfach in Paketform ab. Man nennt das Paket ein Engramm. Die Summe aller Engramme nennt man Gedächtnis. Sachlich zusammengehörende Engramme bilden einen Cluster. „Heimat“ ist ein solcher Cluster.

Was ergibt sich aus dieser Betrachtung? Heimat ist eine individuelle, positive Empfindung wie Religiosität, und geht den Staat nichts an. Ein Heimatminister ist folglich entbehrlich. Wenn es ihn nun doch gibt, so müsste sein Einfluss auf die Bürger rigide nationalistisch sein, und da wäre wiederum ein anderer Cluster Aufbewahrungsort. Es wäre der Job eines Propagandaministers. Dann wird dem Bürger blinder Nationalismus abverlangt. Eine mehr als fragwürdige Sache.


Allzeit gilt die Regel: „Wo Fahnen wehen, ist für Verstand und Vernunft kein Platz.“

Zur Klarstellung: Patriotismus steht für Vaterlandsliebe, Nationalismus ist dagegen eine politische Ideologie.

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Dolce far niente – süsses Nichtstun

„Lassen wir den Dingen ihren Lauf.“
 
Welch wundervolle Phrase!
Da  läuft ein Prozess, wir durchschauen ihn nicht,
manches kommt uns komisch vor,
aber wir greifen nicht ein.
 
Dumme Sache. Es kann richtig sein, oder leichtfertig
bis falsch. Aber es ist immer bequem, stimmt’s?
 
Wollten wir richtig handeln, so begänne eine Aktion mit
einer Analyse, um Risiken und Nutzen des Prozesses zu ermitteln,
zu bewerten, und dann Entscheidungen zu treffen.
Und schon stehen wir wieder vor der Frage nach dem Nutzen
für den Aufwand, der für richtiges Handeln erforderlich wäre.
 
Keine Sorge, wir Normalos sind anders gepolt.
Wir entscheiden intuitiv.
Und geht etwas voll in die Hosen, dann war’s Pech,
und eine Erklärung findet sich immer.
 
Nur: Professionell ist das nicht. Es ist Glücksspiel,
und Treffer sind nicht unser Verdienst,
sondern die des Zufalls.
Immerhin: So mancher wird nach „Erfolgen“
belohnt und gilt fortan als Koryphäe.
 
Jetzt darfst Du lachen.

Was ist ein Haiku?

Man sagt, Haikus seien die kürzesten Gedichte. Das klassische Haiku besteht in der Tat aus 17 Silben, die in dreizeiliger Form geschrieben sind, und zwar im Format 5 – 7 – 5 Silben.
Es soll sich durch Konkretheit und einen Bezug auf die Gegenwart auszeichnen, und es soll keine Botschaft an die Leserschaft senden.
Die Gedichtform wurde in Japan vermutlich im 17. Jahrhundert entwickelt.
 
Beispiel von Kobayashi Issa:
 
„Die kleine Schnecke /
ganz langsam steigt sie hinauf /
auf den Berg Fuji.“
 
Nun fragt sich der Europäer, was an diesem schlichten Textlein interessant sein , bzw. wo man einen Wert erkennt. Und ganz Verwegene halten Schillers „Lied von der Glocke“ dagegen, ein nicht enden wollendes Meisterwerk deutscher Lyrik. Und so vergleicht man sinnig einen Kanarienvogel mit einem Airbus A 380. Nur: Man sollte bemerken, dass beide Objekte Wunderwerke sind.
 
Wie will uns nun die kleine Schnecke Gutes bringen?
 
Haikus liefern schlichte Skizzen, und diese so gut, dass die Leser nicht umhin können, das Angebotene gedanklich zu komplettieren, also das Bild fertig zu malen.
Ist der Vogel zu einem veritablen kleinen Businessjet angewachsen, dann ist das Haiku ein Erfolg.

Denken lenken – sehr nützlich

Ein Medizinstudent, kurz vor dem 1. Statsexamen,
erscheint im Büro, offensichtlich übelgelaunt,
schmeisst sich auf einen Besucherstuhl. Grummelt „So eine Sch….“.
Ich frage: „Was ist los, Schorsch?“ Er: „Muss die Küche streichen.“
Ich: „Hast Du doch gerade fertig!“ Er: „Die Dose Ravioli!“
Ich: “Mit Tomatensosse?“ Schorsch: Schweigt.
Ich kombiniere: Dose ungeöffnet erhitzt! Explodiert wie eine Landmine.
Ravioli an der Küchendecke, und auch sonst überall, mit roter Sosse!
Ich: „Schorsch, is was?“ Aber Georg ist schon wieder in seiner Küche.
Oder bei seiner Examensarbeit über die Degeneration von Kniegelenken.
Ich wusste: Dieser Tag ist gelaufen, bevor er richtig anfing.