Sehnsucht

Der Mond und die Siebensterne
sind unter; um Mitternacht ist’s.
Vorüber ist nun das Stündlein
und ich bin allein gelagert.
 
Sappho, 6. Jhrh. v. Chr.

Der Alte und ich

Nichts zwickt heute.
Ich hänge ab.
Vergesse die Meute.
Vergesse den Trab.

Mein Sessel ruht,
und ich darin.
Es geht mir gut,
geht’s durch den Sinn.

Die Beine hoch,
die Augen zu.
Ich grüble noch,
bin weg im Nu.

Nichts stört den Schlaf,
der Träume Land.
So wirksam traf
des Männchens Sand!

Es findet sich
ein kleiner Traum,
schon sitze ich
im Apfelbaum.

Wünsche entstehn,
Gedanken sind
gedacht, verwehn
im Sommerwind.

Und nebenan
im Sack der Tod.
S´ ist rasch getan,
zu End die Not.

Er blickt zu mir.
Endlich befreit –
ich danke Dir,
vergiss die Zeit!

Und willst Du gehn,
Dein Ruf genüge,
und Du wirst sehn
wie ich es füge.

Schrecken durchzuckt.
Angst im Gesicht.
Mein Ast: Der ruckt,
biegt sich und bricht.

Ein garstiges Geschick!
Ich falle tief, ich Tropf,
und brech´ mir das Genick.
Der Tod schüttelt den Kopf.

Ich bin erwacht,
erhebe mich,
die Sonne lacht
vergnügt. Und ich …

Der Sessel lag
und ich daneben.
Was für ein Tag!
Fühle mein Leben.

Der Tod im Apfelbaum
befreit durch meine Hand!
Gottlob, es war ein Traum
just aus des Männchens Sand.

Der Tod zieht über Land,
sein Schädel grinst, ist hohl.
Und ich total entspannt
fühl mich unendlich wohl!