Drachsätels

Vor Jahren hat mir eine alte Dame in einer Kleinstadt
nahe Zürich den Weg zu einer Gärtnerei erklärt. Sie
machte das verbal und nonverbal – wie klug!
Von ihrer verbalen Erklärung in Schwyzerdütsch habe
ich kein Wort verstanden. Aber die Sprache ihrer Hände
war präzise, und ich stand kurz danach vor dieser Gärtnerei.
Ich hatte zwei Dinge gelernt:
Schwyzerdütsch, schnell gesprochen, ist nicht für mich gemacht.
Und: Nimm bei Kommunikation die Hände aus der Tasche.
Die Vielfalt der Gesten, von der zarten Andeutung eines Kusses bis zur Faust mitten auf die Zwölf  ist ein wertvolles Hilfsmittel,
um Sprache lebendig zu machen.

Drachsätels? Stelle Dir vor, dass über Deinen Oberkörper
zwei breite Bänder senkrecht bis zum Hosenbund anliegen.
Greife mit beiden Daumen dahinter und ziehe die Bänder
nach vorne, so weit wie es geht – und dann lasse los.
Es klatscht, tut ein wenig weh, und Du weisst nun: Du hattest
Drachsätels zu fassen. Nonverbal erklärt – Klatsch!
Verbal und in Ostfriesisch: Drachsätels.
In der Hochsprache: Hosenträger.
 
Um dem babylonischen Sprachgewirr zu entgehen,
hat man gottlob das Erlernen einer erste Fremdsprache
zur Bürgerpflicht gemacht, das Hochdeutsch. Damit wurde
die Vielfalt der deutschen Stammesdialekte auf reines
Kulturgut reduziert. Die Verständigung zwischen Menschen
wird dann über andere Hürden stolpern,
wie den Intellekt, ein sehr beliebtes Hindernis.