Gerechtigkeit

Soeben tönte mein TV:
„Deutschland ist ein gerechtes Land,
ist das richtig?“
Verflucht, denke ich. Was, wenn man
mich fragen würde?
Meine unbedachte Antwort:
Ein kategorisches „Nein!“
 
Aber betrachten wir dieses Nein
fallweise. Ziehen wir über Land
und sammeln „Fälle“ von
Ungerechtigkeit –  das Nein
scheint gerechtfertigt.
Nun sammeln wir Fälle von
Gerechtigkeit – das Nein
wird fragwürdig.
 
An diesem Punkt ist Nachdenken gefragt.
Um es kurz zu machen:
Ein gerechtes Land ist utopisch.
Unser Gesellschaftssystem ist genauso
unperfekt wie wir Individuen.
Im Innern brodeln die Kräfte,
konkurrieren, gewinnen
und verlieren, und liefern
wie jede instabile Maschinerie
gute Produkte und jede
Menge Ausschuss.
 
Ich denke, die systemische Betrachtung
hilft zu verstehen, und auf Wunder
zu verzichten.

11 Antworten auf “Gerechtigkeit”

  1. Dort, wo zwei oder mehr Menschen zusammenleben, gibt es ab und an Interessenkonflikte. Um diese nicht eskalieren, in Gewalttätigkeit ausarten zu lassen, haben wir Menschen uns Regeln für das Zusammenleben gegeben — Gesetze.
    Wenn nach diesen Gesetzen gehandelt, gelebt und geurteilt wird, dann nennen wir das wohl „gerecht“. Dies beinhaltet auch, dass wir unseren Egoismus bisweilen ein wenig zurücknehmen müssen.
    Der Egoist, der sich und seine Interessen über die vereinbarten und gesetzten Gesetze zu stellen versucht, wandelt sich leicht zum Psychopathen — zum Ungerechten.

    Es kann ganz schön schwierig sein, gerecht zu sein.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

    1. Dort, wo zwei oder mehr Menschen zusammenleben, gibt es ab und an Interessenkonflikte. Um diese nicht eskalieren, in Gewalttätigkeit ausarten zu lassen, haben wir Menschen uns Regeln für das Zusammenleben gegeben — Gesetze.
      Wenn nach diesen Gesetzen gehandelt, gelebt und geurteilt wird, dann nennen wir das wohl „gerecht“. Dies beinhaltet auch, dass wir unseren Egoismus bisweilen ein wenig zurücknehmen müssen. DAS NENNE ICH EINE UNZULÄSSIGE VERHARMLOSUNG. SEIT ICH DENKEN KANN, HAT ES IRGENDWO AUF DEM GLOBUS KRIEGE GEGEBEN. ETWA GERECHTE KRIEGE? ( NUR EIN BEISPIEL) DIE MUSIK SPIELT NICHT AM GARTENZAUN IN SACHSEN. UND DIE MELODIE HEISST IMPERIALISMUS, KOLONIALISMUS, USW.
      WARUM SIND IN DER VERGANGENHEIT ALLE KULTUREN UNTERGEGANGEN? WARUM DER BREXIT? WIESO DROHT EIN NEUER NORDIRLAND-KONFLIKT? POLITISCHE ANSAGEN SOLLEN MEIST DIE WAHRHEIT KASCHIEREN. WENN DAS KLEINE UNGEHEUER IM KINDERWAGEN BRÜLLT, KRIEGTS EINEN BUTTERKEKS IN DEN MUND GESCHOBEN, UND EINE RUH IST.

      1. Hier in Europa / in der EU leben mehr als zwei Menschen zusammen, und auch hier gibt es ab und an Interessenkonflikte zwischen EU-Mitgliedsländern. Krieg hat es zumindest in der EU seit langer Zeit jedoch keinen gegeben, da Demokratien üblicherweise keine Kriege gegeneinander führen.

        Dass es Kriege gibt — auch Stellvertreterkriege — bestreite ich damit nicht.

  2. Ein perfides Spiel,
    wenn man vor die Gerechtigkeit
    die Toleranz stellt.

    und wie oft nehmen wir dann den einen Stein, (des Anstoßes),
    wonach alles relativ ist, der einfache Mensch in Beliebigkeit versinken soll, auf daß er von denen intolerant umdribbelt und ausgespielt wird, welche im Hintergrund mit ihm spielen…

    Liebe Grüße,
    Raffa.

    1. Nun, solche Tricks gehören zum Spiel der Grossen wie der kleinen Leute. Und Idealisten neigen dazu, sich selbst aus dem Spiel zu nehmen. Es gibt dazu eine Entwicklung vom Zorn zur Resignation, das Harmoniebedürfnis formt um in Toleranz und Fatalismus, und es endet mit dem Rückzug ins Schneckenhaus. Das ist politische Agonie.
      Wer solls richten? Etwa Gutmenschen an der Macht? Siehe Lumumba und Allende!

      Wir wurden in die Falle hineingeboren, und sind ihr nie entkommen. Null Chance. Wir drinnen, die Fallensteller draussen.

      Was kann man tun? Man kann sich so weit wie möglich aus dem Spiel nehmen. Und man kann warten, bis uns das System unter dem Hintern zusammenkracht und seine Protagonisten erst mal ausgespielt haben. Dann gibt es eine neue Chance für Besseres. Obs dann gut wird – ich zweifle.
      Herzlich,
      Roland

      1. Na, die Protagonisten bauen offensichtlich die Bühne um und wie in jedem guten Theater gibt es eine Zweit- und eine Drittbesetzung.
        Natürlich kann man warten, auch kann man die Fallen, die Stricke erkennen – doch warum Null Chance?? Mit dieser Sicht gebe ich mich doch schon jetzt wieder verloren und die Protagonisten kommen entspannt miit Plan A oder zumindest mit Plan B durch.
        Hey, wer hat den Zweifel in dich gesät…?? Welches Programm läuft da, auf das du dich (wieder) von vornherein disqualifizierst? Und so haben die Protagonisten schon wieder leichtes Spiel…

        Hab Mut,
        Raffa.

      2. Ich gestatte mir soeben ein weises Lächeln.
        Warum? Es mangelt nicht an Mut, sondern an Zeit. Ich werde demnächst 80 und bin ziemlich krank. Deshalb gestatte ich mir den Luxus des Vogelperspektive – dort weitet sich der Blick, und alles Irdische wirkt ein wenig kleiner. Könnte man auch Politikersyndrom nennen!
        Zugegeben, ich bin Pessimist. Aber Optimisten leisten es sich, ihren Standpunkt in die Welt hinauszutrompeten, ohne Rezepte zu liefern, wie man das Menue schmackhafter machen könnte. Warten wir etwa auf eine göttliche Fügung zum Besseren? Hilft mir auch nicht. Bin Atheist. Moment …. da gibts noch so’n Wort, das passt ….. nee, Praktiker wars nicht …. yeap! Pragmatiker!
        Kindly
        Roland

      3. Richtig, es geht in keinsterweise darum in dieser Welt, ob man Atheist ist oder auch nicht. Da ist ja auch dem Prinzip der Spaltpilze und Protagonisten im Hintergrund zu zuschreiben, welche wunderbar ihr Spiel „These -Antithese“ Spielen, um uns dann Ihre Lösung zu verkaufen. Schade, daß du dich als Pessimist bezeichnest – Realist und Praktiker ist doch nicht von schlechten Eltern oder? Und die (0 Jahre sind doch auch kein Hinderungsgrund – du hast es doch viel besser und vorallem die zeitliche Freiheit im Gegensatz zu den Arbeitssklaven heute? Leider müssen die Optimisten, nach ihre „geistigen“ Arbeit in eben dieser Welt gegen ein paar Stromschnellen anschwimmen, welche du ja auch detailliert in denem Blog anprangerst. Warum, eben aus deiner Freiheit heraus, nicht diesen Optimisten helfen . und auch hier gilt: Man läuft keinen Marathon von Jetzt auf Sofort .
        Ergo, Praktiker, ran an die Schüppe, auch die Geistige und nutze deine Freiheit — frei nach Reinhard Mey — mit dem Gedanken an die Kinder und Enkelkinder.

        Alles Liebe und bitte nicht die Menschen teilen, wie es gewisse Herrschaften belieben.
        Raffa.

      4. Lieber Raffa, da haben wir es wieder. Ich kassiere einen Appell, ich soll raus gehen und Gutes tun, aber keiner zeigt mir die Tür. Vielleicht finde ich sie noch bevor ich mein Essbesteck beiseite lege.

        Um es zu verdeutlichen: Ich bin ein mässig begabter Analytiker und kritisiere nicht Menschen, Vereine oder Parteien und Staaten.
        Nein, ich kritisiere die aktuell gefahrenen Gesellschaftssysteme, und die, die es zu ihrem Vorteil und zum Nachteil der Bürger nutzen. Ich kritisiere nicht den Einzelnen, mag er noch so dumm oder ungebildet sein, sondern die, die ihn verarschen.

        Ganz unten ist für mich jene Truppe, die für die Erledigung politischer Aufgaben bezahlt werden, und die ihren Job nicht korrekt machen. (aktuell: Tempolimit abgelehnt) Sie sind Berufsdemokraten, mehr nicht. Ich vergesse nicht, dass schon Aristoteles in seiner 1. Staatsformenlehre die Demokratie als illegitime Herrschaftsform ablehnte. Und mir geht das Herz auf, wenn ich Kants Definition der Aufklärung lese. Zitat: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“
        Was dabei herauskommt, sind Typen wie ich. Deshalb ist Aufklärung im klassischen Sinne nicht sehr modern und ziemlich unbeliebt in der Politik.
        Aber was treibe ich hier mit meiner Tipperei? Ich verteile Pillen. Sie sollen anregen, oder aufregen, wütend machen oder traurig – was auch immer. Ist das nicht ein aktiver Beitrag in Deinem Sinne?
        Sapere aude, Raffa!
        Grüße. Roland

      5. Nun, dann bleib in deinem Mut, diese bitteren Pillen zu verteilen. Ich bin in „ähnlicher Mission“ unterwegs, als „salziger Finger, welcher sich zu allem Überfluß noch in den Wunden dreht“..- Was ist ein Apell, ist es nicht eine Erinnerung, eine Erinnerung an die eigene Größe und auch, um das eigene Potential zu nutzen, sein Licht eben nicht unter einen besagten Scheffel zu stellen. Ja, der Aristoteles und seine Nikomachische Ethik… und Kollege Kant hat etwas neuformuliert ohne das Lametta der katholischen Kirche, ergo frei von Heuchlerei. Was jedoch allen neuzeitlichen Humanisten und Philosophen fehlt in ihren Werken ist die Basis menschlichen Handelns: Liebe. Nun, ganz klar im Zeitgeist der Aufklärung und der modernen Wissenschaft beschränkt sich der Mensch auf die 5 Sinne, auf all das, was sich vermeintlich messen läßt – doch auch da hängen wir in der nächsten Limitierung, einer schleichend tödlichen…

        Ich bin definitiv dankbar für deine Beiträge und Sichtweisen, erweiteren sie mein Verständnis, wie meinen Horizont – und sind eine Hilfe auf dem nie endenden Weg der Erkenntnis. Von daher brauchen wir hier auch nicht weiter über diese Politmarionetten zu sprechen, wo ich gleichwohl bestätigen darf, das sie zu dem Kanon gehören, den Menschen zu verdummen.

        Alles Liebe und aufbald,
        Raffa.

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