Was ist ein Haiku?

Man sagt, Haikus seien die kürzesten Gedichte. Das klassische Haiku besteht in der Tat aus 17 Silben, die in dreizeiliger Form geschrieben sind, und zwar im Format 5 – 7 – 5 Silben.
Es soll sich durch Konkretheit und einen Bezug auf die Gegenwart auszeichnen, und es soll keine Botschaft an die Leserschaft senden.
Die Gedichtform wurde in Japan vermutlich im 17. Jahrhundert entwickelt.
 
Beispiel von Kobayashi Issa:
 
„Die kleine Schnecke /
ganz langsam steigt sie hinauf /
auf den Berg Fuji.“
 
Nun fragt sich der Europäer, was an diesem schlichten Textlein interessant sein , bzw. wo man einen Wert erkennt. Und ganz Verwegene halten Schillers „Lied von der Glocke“ dagegen, ein nicht enden wollendes Meisterwerk deutscher Lyrik. Und so vergleicht man sinnig einen Kanarienvogel mit einem Airbus A 380. Nur: Man sollte bemerken, dass beide Objekte Wunderwerke sind.
 
Wie will uns nun die kleine Schnecke Gutes bringen?
 
Haikus liefern schlichte Skizzen, und diese so gut, dass die Leser nicht umhin können, das Angebotene gedanklich zu komplettieren, also das Bild fertig zu malen.
Ist der Vogel zu einem veritablen kleinen Businessjet angewachsen, dann ist das Haiku ein Erfolg.