Dampfplaudern

Ein Redner, ich meine einen Profi am Mikro, redet 2 Stunden lang; wenn er den Inhalt seines Vortrags auf die reine Substanz eindampft –  sinnigerweise reden Köche vom Reduzieren der Kochflüssigkeit, um mehr Geschmack z. B. an die Sosse zu bekommen –  wenn also der Redner eindampfen würde, blieben acht bis zehn Sätze übrig, die angesagt drei bis vier Minuten erforderten, dann wüsste jeder Bescheid, und alle könnten rascher ans Kalte Buffet gelangen. Aber: Wie armselig stünde der Redner hinter seinem Pult,  müsste sich fragen lassen, wofür er ein solches Pracht-Honorar kassiert. Und er würde sofort erkennen, dass er nicht für die Essenz bezahlt wird, sondern für den Verdünner – farblos und ohne Geschmack.
Gewiss: Ohne Substanz ist eine Rede, eine Unterhaltung nicht auszuhalten; die Protagonisten setzen sich der Lächerlichkeit aus.
Das ist, wie man weiss, noch kein Hinderungsgrund – substanzlose Reden sind an der Tagesordnung, denn wer etwas sagen muss, obwohl er nichts zu sagen hat, der kann nur noch zu diesem merkwürdigen Verhalten Zuflucht suchen.

Also noch mal von vorne. Warum soll man sich über Dampfplauderer auslassen? Möglicherweise schärft man damit den eigenen Blick zum Erkennen der Rattenfänger in unserer Gesellschaft, und damit auch der solideren Gattung, die redlich ist …

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