Szenen einer Ehe

Den Schnabel wetzt Frau Lämmergeier,
hackt auf der Nachbarin herum,
dabei verliert sie Geier-Eier –
für sie läufts heute wirklich dumm!

Der Alte kreischt: Nun halt mich fest!
Die Mulde ist noch immer leer!
Jetzt scher´Dich bloss in unser Nest!
Vier Eier müssen dringend her!

Quak´ bloss nicht rum, es ist zum Lachen!,
die Geierin bleibt richtig cool.
Ich werde rasch vier neue machen,
hab ohnehin schon Kalk im Stuhl! (Uii!)

Ich weiss nicht, ob die Brut gelingt,
bin ständig angemeiert
vom Alten, der mich nicht bespringt,
nach andren Weibern geiert.

Jetzt guck Dich bloss mal richtig um!
Der fiese Alte keift und meckert,
und kommt der Geierin nun dumm:
sie hätte sich mit Schiet bekleckert,

und – das ist auch nicht gerad fein –
sie sei zu träge und zu feist!
Ein dicker Hintern wie beim Schwein,
Der Geier wird jetzt richtig dreist!

Nun wird der Geirin Blick sehr kalt.
Schau Dich nur an, Du Sack!
Der Pürzel schlaff, krumm die Gestalt,
Im Kopf nur Gift! Jetzt pack!

Sprachs, und ein rascher, harter Tritt
trifft ihn nun in die Klüten.
Sie gibt ihm noch vier Eier mit.
Mag er sie selbst bebrüten.

Die Geirin grinst, der kahle Kopf
neigt sich nun übern Rand
des Horstes. Und würgt aus dem Kropf
was sich dort drinnen fand.

Den Alten treffen Eierschalen,
D e r Schlag hat nun gesessen!
Er leidet endlich Höllenqualen –
sie hat die Brut gefressen!

Vom Nestrand ätzt es nun herab:
Hau ab zu Deinen Hennen!
Die bringen Dich vielleicht auf Trab!
Dort lernst Du Arbeit kennen!

Und haben sie Dich rangenommen
dass Dir die Flügel lahmen,
dann brauchst Du garnicht zu mir kommen,
ich habe genug von Deinen Dramen.

Ich habe meine eigne Sicht:
Ein Pflegefall bist Du.
Man füttert Dich oder auch nicht,
nur: Meine Tür bleibt für Dich zu!

Der Lämmergeier sitzt und grübelt.
Das war nicht gut gelaufen!
Die Alte hat ihm viel verübelt.
Er muss sich erst verschnaufen.

Beschliesst, nun doch nicht wegzugehn.
Die Stimmung wird auch wieder gut.
Setzt sich ins Gras, sie muss ihn sehn,
Blicke von oben machen Mut.

Nun, es hat doch nicht funktioniert.
Nicht in der Lämmergeier Sippe.
Wer aus der Reihe tanzt, verliert.
Im Gras sitzt nur noch – sein Gerippe.

An die Trinker

Was  für ein Ruhm liegt in einer
großen Trinkfestigkeit? Auch wenn
du die  Palme erringst und deine
vom Schlaf hingestreckten und
sich erbrechenden  Trinkkumpane jedes
Zutrinken zurückweisen, selbst wenn du
der einzige  Überlebende des ganzen
Gelages bist, alle durch deine großartige 
Leistungsfähigkeit übertroffen hast
und niemand sich als so trinkfest 
erweist wie du, wirst du zuletzt
doch besiegt: Vom Fass.

 
 Lucius Annaeus Seneca (ca. 4 v. Chr. – 65 n. Chr.),
ein  römischer Philosoph, Schriftsteller,
Naturforscher und  Politiker;
Selbsttötung auf Geheiß seines ehemaligen
Schülers Nero (Römischer  Kaiser von 54 – 68)     

Schatzgräber – Goethe 1797

Arm am Beutel, krank am Herzen,
Schleppt‘ ich meine langen Tage.
Armut ist die größte Plage,
Reichtum ist das höchste Gut!
Und, zu enden meine Schmerzen,
Ging ich, einen Schatz zu graben.
Meine Seele sollst Du haben!
Schrieb ich hin mit eignem Blut.   

Zu allen Zeiten das Gleiche.

Nur die Wege sind andere.

Eine andere Welt

Wir lieben das Leben,
sagen die Schattenwesen.
Leben, das ist für sie die Stunde,
ihre Stunde, wenn der Mond
unserer Erde nahe gekommen ist.
 
 Die Gräber bleiben geschlossen.
Aber die Schatten erheben sich,
um in eigener Sache in ihrer
eigenen Dimension auszusagen
über Leben, Liebe und Tod.
 
So bewahren sie die Erinnerung
an irdische Leben äonen-weit.
Seelen tragen Geschichten weiter
in die Welt der Menschen.
Nichts soll vergessen sein.

Pessimismus ?

Zur Zeit bin ich einigermassen irritiert.
Das Leben, genauer mein Leben scheint
im wesentlichen bestimmt zu werden durch
Negatives, das sich um mich verbreitet
wie eine Seuche. Ich könnte unentwegt
abgrundtiefen Pessimismus verströmen.
Zugleich aber lässt meine Lebenserfahrung
vermuten, dass eine Fülle positiver
Zustände und Ereignisse zu konkurrieren
versucht, in meinem Bewusstsein jedoch
nicht zum Zuge kommt.
 
Da haben wir nun ein seltsames Dreigestirn:
Das Positive – das Negative – und ich.
Wir kommen nicht miteinander zurecht.
Zweifelsohne bin ich selbst die Störquelle.
Ich bin der aktive Teil, nehme das Positive
als Selbstverständlichkeit hin und beklage
vehement das Negative, denn es gibt immer Besseres –
das sich mir verweigert.
 
Normal ist das nicht.

Werkzeug „Ordnung“

Klare Strukturen bewirken Ordnung.
Sie zu schaffen bedeutet nicht
Gleichschaltung, sondern
unter Nutzung allgemein
gültiger Grundsätze als Eckpfeiler
eine individuelle Ordnung
herzustellen.
Ist diese transparent,
so schafft sie Interesse, Verständnis
und damit Toleranz –
mithin die Voraussetzungen für
ein friedliches Zusammenleben,
fruchtbare Zusammenarbeit,
und für Raum zur Entwicklung
von Begabung und Kreativität.

Absurdes

Herrschaften, ich predige das Folgende
heute zum siebten, und zum  letzten Male.
Wer’s dann nicht drauf hat,
ist bei der Kartoffelernte gut aufgehoben, klar?
 
„Der Basisauswahlsatz
ist ein elementarer Lehrsatz
der Linearen Algebra.
 
Der Satz lautet wie folgt – Z u h ö r e n :
 
In jedem Vektorraum V {\displaystyle V} V
über einem beliebigen Körper K {\displaystyle K} K
lässt sich aus einem endlichen erzeugenden System
stets eine Basis auswählen. Insbesondere hat jeder
endlich erzeugte Vektorraum eine endliche Basis.

J e d e r !“
 
J e e e e e e d e r !