Lebensart

Sinnbild für Faulheit

Ich lebe mit einem Minimum an Arbeit und viel Freizeit. Ich kultiviere diese  Freizeit intuitiv zur Muße. Das bedeutet, dass ich über die Verwendung von Zeit selbst bestimmen möchte. Aber die tägliche Praxis lehrt mich, dass Muße im Wortsinne nicht immer erlebt werden kann, denn es wirken innere Zwänge dagegen, ausgelöst durch bedingte Reflexe. Substantielle Gedanken koalieren mit Emotionen, eine recht unbequeme Verbindung. Sie fordern unentwegt dazu auf, nachzudenken, im schlimmsten Fall gar zu analysieren.
 
Idealistisch nannte Cicero dies „Otium cum dignitate“, also würdevolle Muße.
Vielleicht wollte er damit einen Zustand beschreiben, den man im Japanischen mit Za-Zen benennt, den Weg in die Meditatioen. Diese Vermutung entbehrt allerdings jeder Grundlage. Ich habe Cicero nicht persönlich kennengelernt.
 
Nun, in diesen Tagen beschäftigt mich meine eigene Lebensart. Damit ist nicht die Kunst zu leben gemeint, sondern die Art und Weise, wie ich mein Leben gestalte.
Äussere Umstände erzwangen nämlich einen Wechsel.
Nun breitet sich in meiner inneren Welt das Gefühl aus, meine neue Lebensart sei nur ein Provisorium. Wenn mich dieses Gefühl nicht trügt, so schliesst das die Notwendigkeit zu einer endgültigen Lösung ein. Vielleicht läuft ein Prozess ab, dessen Ergebnis ich nicht kenne? Vieles wäre dann möglich.
 
Ich denke, zur Sicherheit beende ich das Provisorium, schreibe den Istzustand fest und schiebe tapfer alle Alternativen in die langfristige Planung. Auch wenn Bert Brecht schrieb:
 
Ja, mach nur einen Plan!
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch’nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.

2 Antworten auf “Lebensart”

  1. Wirklich? Muße?
    Auch Nachdenken ist Aktivität. Mag der Sportschuh ein neues Micro-Ökosystem beheimaten…viel schlimmer, wenn man intelektuell einrostet und sich für nix mehr interessiert….wenn einem nix mehr bewegen kann, innerlich…

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    1. Der Rost bietet ein gutes Bild. Er beginnt seinen Job mikroskopisch klein und hat am Ende sein Opfer aufgefressen. So kanns auch mit dem Menschen geschehen, und er kann sich nicht dagegen wehren. Da läuft ein Prozess von langer Dauer, und damit ist eine Veränderung des persönlichen Wertesystems verbunden. Schuld trägt nicht der Mensch, sondern ein schleichender Leistungsverlust, dem man sich notgedrungen anpassen muss, um nicht durchzudrehen.

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