Schwarzer Onyx

Der Nachmittag unter dem sonnendurchfluteten Blätterdach des Herbstwalds wäre perfekt gewesen, ohne den Ring, diesen Fingerschmuck aus Platin mit einem durch Zarge gefassten schwarzen Onyx. Irgendwer, oder irgendwas hatte ihn auf meinem Weg so plaziert, dass ich ihn unmöglich übersehen konnte.
Ich nahm ihn auf und steckte ihn auf meinen linken Ringfinger. Wie für mich gemacht, dachte ich noch, und dann packte mich ein kalter Schauer. Nun zog ich diesen Ring von meinem Finger, und die Sonne wärmte mich wieder, wie es sich gehört.
Gedankenverloren streifte ich den Ring erneut über, um mich dann wegen der Eiseskälte zu erschrecken, die mich umgehend erfasste.
Nun wiederholte ich den Vorgang mehrfach, bis der Prozess überraschend einen neuen Verlauf nahm.
Plötzlich wärmte die Sonne auch ohne Ring nicht mehr. Die Kälte durchdrang meinen ganzen Körper und war durch nichts zu bändigen. Ich spürte, wie nahe ich dem Kältetod gekommen war. Intuitiv streifte ich den Ring wieder über den Finger. Nun lösten sich Krämpfe, und Wärme sorgte grosszügig für eine angenehme Befindlichkeit.
 
Beim Betrachten meiner linken Hand erfasste mich Verwunderung.
Ich konnte nicht anders. Lehnte mich zurück.
Es war nun nichts anderes zu spüren als Wohlbehagen.
 
Was war geschehen? Habe ich seinen Widerstand gebrochen, oder hat er mich einfach als neuen Besitzer akzeptiert? Ich weiss es nicht. Ich weiss garnichts, ausser: Ich muss diesen schwarzen Onyx weitertragen, wenn ich nicht erfrieren will.

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