Eine Reise endete …..

Sie sind zurückgekehrt an den Ort, wo ihre Reise begann.
Sie, die Komplementären. Sie sind, was  
übrig blieb. Sie sitzen in der Lounge und warten.
Man weiss nicht, worauf sie warten.
Vielleicht warten sie auf Charon, den Fährmann,
entrichten ihren Obolus lassen sich
über den Fluss Styx in eine  Oberwelt bringen?
 
Für die Lebenden bleiben sie unsichtbar.
Da ist schliesslich Kerberos, der 3-köpfige Höllenhund.
Er stellt sicher, dass kein Toter die Unterwelt
verlässt, und dass kein Lebender sie betritt.
 
Aber wir können sie spüren, diese Wesen.
Wenn Dich Kälteschauer peinigen,
wenn Dich der Mut verlässt,
wenn Du unversehens weinst,
dann bist Du ihnen zu nahe gekommen.
 
Mensch, merke:
Im Leben magst Du Dich als Primus fühlen.
Geniesse Dein trügerisches Selbstbild!
Alles in Deiner Welt ist endlich.
Im Totenreich wirst Du die Ewigkeit begreifen.
Und hier bist Du ein Nichts, nur noch ein Schatten.

Verzweiflung

Der Güne Mann sitzt längst wieder auf seiner
Couch und hat die übliche Farbe der
Fleischwurst (für Ausländer: „Lyoner“) zurückgewonnen.
 
Man befragte ihn nach dem Grund für seinen
Kurztrip an die Zimmerdecke.
Er sagte, das ginge nur ihn und seinen Kakadu etwas an.
Allerdings legte er Wert darauf ,
einen Hinweis für Nachahmer zu hinterlassen.
 
„Wer an der Decke klebt, wird erkennen:
Weiter geht’s nicht.
Der Ausweg: Zurück auf den Boden.
Und dann habe ich ihm den Hals umgedreht,
dem Dummschwätzer.“

Der Mond ist aufgegangen

Wunderbare Welt!
Der Mond verbündet sich mit seinem Planeten
zu einem pittoresken Ensemble
auf beinahe unwirkliche Weise.
Poetische Momente sind flüchtig.
So auch dieser –
die Erde und der Mond,
beide sind unterwegs
und folgen Gesetzen,
die nicht der Mensch,
sondern das Universum bestimmt.

Kulturschock

Seit dem Beginn der Zeitrechnung
sind ca. 35 Kulturen  untergegangen,
und es haben sich neue Kulturen entwickelt.
Zurück blieben stets Rudimente,
manchmal anschaulich als Ruinen.
Nicht eingerechnet sind hier afrikanische
Stammeskulturen, sowie die indianischen
Nordamerikas, und die Aborigines in
Australien.
 
Für die desorganisierte Gesellschaft wurden neue
Organisationsformen erprobt: aktuelles Beispiel
ist die heute so moderne Demokratie,
die mit dem griechischen Original nicht viel
gemein hat. Jenes war auch für Sippen erdacht,
nicht für 300-Millionen-Völker.
 
Eines hat sich aber seit Urzeiten nicht
verändert: Der Mensch.
Es haben sich nur die Mittel und
Methoden für sein Handeln in einer
Gemeinschaft verändert. Sie sind subtiler,
und damit hinterhältiger geworden.
Modernes Leben!

Winters Ende

Tropfen versuchen,
ihr Geheimnis zu hüten.
Ihr kaltes, kaltes Herz.
Vergebens, denn da ist die Sonne.
 
Sonne und Eis,
nichts verbindet sie.
Trügerisch ist das Licht
des Sonnenstrahls im Kristall.
 
Aber Tropfen um Tropfen
verrinnt das Gebilde.
Was die Sonne übrig lässt,
das trinkt die Erde.

Friedhofskriminalität

Vorbemerkung:
 
Zur Pflege eines Grabs  braucht man oft eine Hacke.
(Für technisch Unbegabte: Siehe Bild oben)
Mit diesem Gerät prügelt man so lange
das Grab, bis die Erde mürbe ist und
die Disteln entfernt werden können.
Die Hacke deponiert man hinter dem Grabstein.
und erspart sich so den Transport.
Das ist nicht unprobematisch.
Ein Friedhofsbesucher:
 
Dinge, die ich besonders liebe,
verführen mich zu bösem Tun.
Man weiss, Gelegenheit macht Diebe
sie lassen mich nun mal nicht ruhn.

Ganz vorne an stehn Friedhofshacken!
Wieso? Ich weiß es selber nicht.
Es ist das Werkzeug mit drei Zacken.
Auf solche bin ich sehr erpicht.

Wenn Vormittage Regen bringen
und meine Stimmung ist nicht gut,
dann geben mir von allen Dingen
die Friedhofshacken frohen Mut.

Es müssen an die siebzig sein,
die blank geputzt den Keller schmücken.
Sind mein geheimer Sonnenschein
bereiten unentwegt Entzücken!

Es sind die Stiele, die erfreuen,
mal kurz, mal bunt und auch mal lang.
Begeistert putze ich die Neuen,
zwei Stück. Der jüngste Friedhofsfang!

Früher war mehr Lametta!

Tja, letztes Jahr war der Weihnachtsbaum in meinem
Haushalt chancenlos. Erstmals in meinem Leben
machte ich einen erfolgversprechenden Versuch,
ein Kindheitstrauma zu bewältigen. Jenes Trauma
hat einen Namen: „Lametta“. Diese Stanniolstreifen
sollten Engelshaar, also schön sein,
und mussten zur Wiederverwendung wieder
runter von der Fichte, glattgestrichen und
sorgsam verpackt werden.
Und das mach mal mit 2 kg Lametta.
Wenn ich diesen Job in ein Gefängnis gebe,
um Mörder und Diebe zu peinigen, bekomme ich es
mit dem Europ. Gerichtshof für Menschenrechte zu tun.
Aber mich, mich hat keiner geschützt.
„Diese Arbeit gehört nun mal zu Weihnachten! Basta!“
 
Weisst Du, was es heisst, wenn Dir beim
Glattstreichen so ein Stanniolfaden zerreisst?
Der hängt dann nächstes Jahr nicht mehr,
sondern kann nur noch als 2 Halbe quer liegen!
Mein Vater spuckte Gift und Galle, bis er schliesslich
mitarbeitete – und jeden 4. Lamettafaden
immer in der Mitte zerriss. Endlich richtete er
seinen Zorn auf sich selbst. und ich war entlastet.
„Sammel die Drecksdinger ab und wirf sie in den Müll!
Nächstes Jahr kauf ich neu!“ Und das ging mir nun
wirklich flott von der Hand.
Aber ich konnte meine Klappe nicht halten.
Also sagte ich, er solle dann doch lieber einige Kugeln
kaufen, deren Reste könne er hinterher einfach
zusammenfegen.
Dies, fand er nun, sei respektloser Spott. Und ich Dödel
hatte seinen Zorn wieder auf mich umgelenkt.
Das war genauso unerfreulich wie Mama’s Anisplätzchen,
ein Mörder-Gebäck mit einem gefühlten saisonalen
Gesamtgewicht von 40 kg. Ok, war gut gemeint.
Die Milchzähne von Bubi mussten halt
irgendwann und irgendwie raus, also warum
nicht brachial, mit steinharten Anisplätzchen?