Reisen bildet!

Ein kleiner, grüner Bücherwurm
macht sich auf eine Reise.
Ihm ists zu kalt in seinem Turm –
verfluchte Heizölpreise!

So ringelt er sich unbemerkt
entlang der Unratkübel.
Hat sich grad noch mit BILD gestärkt,
davon ist ihm jetzt übel.

Mit Müh´ kriecht er die Strasse lang
und sucht nach einer Bleibe.
Der kleine Grüne fragt sich bang,
wohin´s ihn heute treibe.

So kriecht er rasch, er treibt sich an
mit unbekanntem Ziele,
und hofft so intensiv er kann,
dass Hellsicht ihn befiele.

Der Traum von einer Bibliothek
gibt ihm viel Mut und Kraft
für einen langen Wanderweg,
noch ist fast nichts geschafft.

Gedankenlos ergreift er jetzt
ein Stück Papier vom Weg.
Er dreht es um, und ist entsetzt:
ein ALDI-Kaufbeleg!

Feindlich gesinnt die Umwelt scheint,
hier liegt ein Dosenetikett,
dort drüben nun ein Kleinkind weint,
der Autoqualm scheint dick und fett.

Nur nichts wie weg von diesem Ort!
Der Grüne hält es nicht mehr aus,
„Marlboro“ – Schachteln hier, und dort ….. !
hinein ins nächste Haus!

Die offne Tür von Nummer acht
lud ein, es zu erkunden,
ob und wie weit es Laune macht,
zu bleiben – ein paar Stunden.

So nudelt er sich denn hinein
in einen düstren Flur.
Die erste Wohnung sei nun mein,
gebärdet er sich stur.

Gesagt, getan, es ist kein Witz,
er plumpst nun aufs Parkett.
Er schaffte den Briefkastenschlitz,
riecht Schreibmaschinen-Fett!

Rasch kombiniert: Wer schreibt, der liest!
Ist dies sein neues Heim?
Beim Bücherleim-Geruch beschliesst
er, erst mal hier zu bleibn.

Das dritte Zimmer linker Hand
versetzt ihn in Exstase!
Ne proppevolle Bücherwand
lädt ein zur Lieblingsphrase:

Hier ist gut sein, hier lässt sichs bleiben
in Belletristik und Poesie!
Sich Sjöwall/Walloe einverleiben!
Die Herr-der-Ringe-Trilogie!

Bei Handke´s Texten wohlig würgen,
über Ulysses einzuduseln,
und leiden mit Herrn Schillers Bürgen,
um gleich zu Eco hinzuwuseln,

ja! Wundervoll ist diese Welt –
Mehr brauchts nicht für ein gutes Leben!
Oh ja, das Sortiment gefällt,
das andre wird sich sicher geben !

Noch während unser Bücherwurm
so träumet und sinniert,
bewegt der „Butt“ sich wie im Sturm,
der Grass wird massakriert!

Und während Goethe Deckung gibt,
Vorsicht scheint angezeigt,
schielt unser Grüner – nun betrübt –
zu dem, was dorten steigt.

Noch ist der Kleine ahnungslos,
und seine Neugier sagt ihm: Bleib!.
Die Augen werden riesengross:
Denn da kommt SIE – ein Weib!

Sein Urinstinkt gebietet Flucht.
So hat er rasch gewendet –
bevor er nun das Weite sucht
scheint er ploetzlich geblendet!

Die hat doch was, da war noch was,
mein Gott! Der güldne Schimmer!
Vielleicht, man könnte ……. dies und das …..
ehmm, ……. und das für immer?

Und so verliess ihn der Verstand,
und schliesslich die Vernunft –
die Folge liegt nun auf der Hand:
Ein Bücherwurm in Brunft!

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