Eine andere Welt

Wir lieben das Leben,
sagen die Schattenwesen.
Leben, das ist für sie die Stunde,
ihre Stunde, wenn der Mond
unserer Erde nahe gekommen ist.
 
 Die Gräber bleiben geschlossen.
Aber die Schatten erheben sich,
um in eigener Sache in ihrer
eigenen Dimension auszusagen
über Leben, Liebe und Tod.
 
So bewahren sie die Erinnerung
an irdische Leben äonen-weit.
Seelen tragen Geschichten weiter
in die Welt der Menschen.
Nichts soll vergessen sein.

Schlaumeiern

Wir Schlaumeier äussern gelegentlich
recht eigenwillige Ansichten.
 
Lies!
 
Wir möchten ein langes Leben geniessen,
aber nicht alt werden.
 
Und wir möchten als jung gelten,
aber „unreif“ sei eine schwere Beleidigung.
 
Wir zählen 80 Lenze und kommentieren:
„Dackel sind vorne mehr hinten als höher.
Oder andersrum?“
Und wir verübeln die Lacher der Zuhörer.

Trivia: Nachtgedicht

Tatsächlich habe ich nicht gedacht,
dass nichts geschieht in dieser Nacht.
Sie ist – Gott weiss warum – trinkfest,
und mir gab Single Malt den Rest.
 
Wie’s scheint, hat sie mich heimgebracht,
sitzt morgens bei Kaffee, und lacht:
Noch so ein Ding, und ich bin weg!
Und hier liegt der Kassenbeleg.
 
Du schuldest mir nun hundertzehn.
Ich trinke aus und muss jetzt gehen!
Sie ging, ich nahm mich selbst beiseite.
Sie schmerzt mich, diese dumme Pleite.
 
Hätt‘ ich ein wenig nachgedacht,
wär‘ was geschehn in dieser Nacht.

Irre ist menschlich

Eine chinesische Familie kauft einen Hundewelpen,
eine tibetanische Dogge, Do Khyi genannt.
Diese Hunde können bis zu 85 kg wiegen,
sind Riesenviecher.
Der Do Khyi gedieh in der Familie, wuchs heran,
und bei 110 kg Eigengewicht frass er
täglich 2 Eimer Nudeln. Aber er entwickelte
eine fremdartige Eigenart,
indem er begann,
 auf den Hinterbeinen zu laufen.
Der Familie dämmerte allmählich,
dass sie einen Bären gekauft und
aufgezogen hatten.
Der asiatische Schwarzbär ist eine
gefährdete Rasse.
Als Do Khyi sieht er so aus:

Nachgedacht 18

Soeben tönte mein TV:
„Deutschland ist ein gerechtes Land,
ist das richtig?“
Verflucht, denke ich. Was, wenn man
mich fragen würde?
Meine unbedachte Antwort:
Ein kategorisches „Nein!“
 
Aber betrachten wir dieses Nein
fallweise. Ziehen wir über Land
und sammeln „Fälle“ von
Ungerechtigkeit –  das Nein
scheint gerechtfertigt.
Nun sammeln wir Fälle von
Gerechtigkeit – das Nein
wird fragwürdig.
 
An diesem Punkt ist Nachdenken gefragt.
Um es kurz zu machen:
Ein gerechtes Land ist utopisch.
Unser Gesellschaftssystem ist genauso
unperfekt wie wir Individuen.
Im Innern brodeln die Kräfte,
konkurrieren, gewinnen
und verlieren, und liefern
wie jede instabile Maschinerie
gute Produkte und jede
Menge Ausschuss.
 
Ich denke, die systemische Betrachtung
hilft zu verstehen, und auf Wunder
zu verzichten.

Gegen die Wand!

Die Arbeiterklasse hat nicht genügend Arbeit.

Die Mittelschicht hat nicht genug Mittel.

Und die herrschende Klasse hat keine Klasse.

So spricht Gonzalo Ernesto Caceres (Santiago de Chile)

Ein wenig Ringelnatz


In Hamburg lebten zwei Ameisen,
Die wollten nach Australien reisen.
Bei Altona auf der Chaussee,
Da taten ihnen die Beinchen weh,
Und da verzichteten sie weise
Dann auf den letzten Teil der Reise.

Nachgedacht 17

Das Schicksal hat es so gewollt.
Nun ist er da, in unserem Dunstkreis,
der Aussenseiter.
Ein Problem hat sich aufgetan,
und wir sollen damit fertig werden.
Was nun?
 
Wir schaue uns diese Person an.
Stellen fest, dass sie anders tickt als wir.
Eilig werden alle passenden Klischées
zusammengesucht, und eine kurze
Diskussion ergibt: Passt nicht.
Abgelehnt.
 
Oder:
Wir schauen uns diese Person an.
Stellen fest, dass sie anders tickt als wir.
Aber Neues macht neugierig.
Nun wird diese Person gegriffen
und gelöchert bis zum Abwinken.
Wir haben Gemeinsamkeiten und
Gegensätze gefunden, bewertet,
und kommen zu einem Ergebnis:
Eine interessante Bereicherung
ist immer willkommen.
Und was nicht passt, wird
passend gemacht.
 
Zwei Wege. Und die Nutzerzahlen
pro Weg korrelieren direkt
mit dem IQ der Akteure.