Nachgedacht 5

Der Tod hat meine Wohnhöhle verlassen, und ich lebe nun allein.
Daum stelle ich mir täglich die Frage nach meiner seelischen Vefassung. Und antworte mir täglich unisono: Es geht mir gut, und ich fühle mich nicht einsam.
 
Es fogt klischéehaft die Vermutung, dass das nicht sein kann und schon garnicht sein darf. Schliesslich habe ich 56 Jahre mit einer Frau Tisch und Bett geteilt. Nun ist sie tot, und ich habe die Pflicht zu beachten, mich einsam zu fühlen, zu leiden oder was auch immer
in einer solchen Situation angesagt ist. Ergo befrage ich als nächstes mein Gewissen. Es antwortet mir wie immer: Mach Dir nicht ins Hemd, Alter! Lass Dir mal etwas Neues einfallen!
Ich stelle wie so oft fest, dass auch dieser Weg nicht zum Erfolg führt.
 
Aber ich bin nun mal auf der Suche nach Absolution.
Die suche ich dann bei mir selbst – ein fragwürdiger Versuch.
Ich bin unversehens dabei, mich vor mir selbst zu rechtfertigen.
Suche rasch mein Gedächtnis durch und finde dort tatsächlich, was ich suche. Doch, es gibt in meinem Alltag Phasen, die den Verlust meiner Partnerin betreffen. Es sind Momente der Trauer, und sie schmerzen.
Darum tut es nicht gut, Erinnerungen an die gemeinsame Vergangenheit zu bemühen. Dafür ist es noch zu früh. Im Alter heilen Wunden deutlich langsamer als in der Jugend.
 
Also baue ich auf eine gute Zukunft als Single.
Auch ich, ein Methusalem mit Handicaps darf das.
Warum? Weil die Zukunft eben jetzt, in dieser Minute beginnt.
Und es gibt noch reichlich Luft nach vorne!