Nachgedacht 7



Man kann Gefangener seiner eigenen Unzulänglichkeit werden.
Dann sucht man Tröstliches bei Hoffmann von Fallersleben.
„Die Gedanken sind frei …..“! Gottlob, wenigstens die sind es noch!
 
Man denkt weiter. Und man erkennt, dass sich diese Nebensache unbemerkt zur Hauptsache entwickelt hat. Man lernt es zu schätzen, dass wenigstens der Kopf noch gut arbeitet.
 
Und so ergibt sich:
Wenn ich nicht mehr in die Welt kommen kann, dann möge die Welt zu mir kommen!
Bemerkenswert, dass sie das tut. Die Kommunikationstechnik
beweist dabei ihren besonderen Stellenwert,
indem sie die materielle wie die Geisteswelt präsentiert,
und ständig verfügbar ist.

Das ist einfach grossartig.

Nachgedacht 6 – über Kunstschaffende

Was mögen wohl die besonderen Eigenschaften sein,
die uns einen Menschen rechtmässig der Berufsgruppe der Künstler
zuordnen lässt? Hier ein Versuch:
 
Solides Handwerk beim Umgang mit Werkzeug und Material
Bereitschaft zu Risiken
Fähigkeit zu kreativem Denken
Geistige Flexibilität
Ausgeprägte Imagination
Natürliches Talent
Geduld und Ausdauer
 
So, ich denke, damit liesse sich ein Künstler herstellen. Natürlich habe ich diese Kriterien umgehend zur Begutachtung meiner Person verwendet. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen.
Das Ergebnis hat mich überrascht:

Ich bin keiner! Tatsache!

Nachgedacht 5

Der Tod hat meine Wohnhöhle verlassen, und ich lebe nun allein.
Daum stelle ich mir täglich die Frage nach meiner seelischen Vefassung. Und antworte mir täglich unisono: Es geht mir gut, und ich fühle mich nicht einsam.
 
Es fogt klischéehaft die Vermutung, dass das nicht sein kann und schon garnicht sein darf. Schliesslich habe ich 56 Jahre mit einer Frau Tisch und Bett geteilt. Nun ist sie tot, und ich habe die Pflicht zu beachten, mich einsam zu fühlen, zu leiden oder was auch immer
in einer solchen Situation angesagt ist. Ergo befrage ich als nächstes mein Gewissen. Es antwortet mir wie immer: Mach Dir nicht ins Hemd, Alter! Lass Dir mal etwas Neues einfallen!
Ich stelle wie so oft fest, dass auch dieser Weg nicht zum Erfolg führt.
 
Aber ich bin nun mal auf der Suche nach Absolution.
Die suche ich dann bei mir selbst – ein fragwürdiger Versuch.
Ich bin unversehens dabei, mich vor mir selbst zu rechtfertigen.
Suche rasch mein Gedächtnis durch und finde dort tatsächlich, was ich suche. Doch, es gibt in meinem Alltag Phasen, die den Verlust meiner Partnerin betreffen. Es sind Momente der Trauer, und sie schmerzen.
Darum tut es nicht gut, Erinnerungen an die gemeinsame Vergangenheit zu bemühen. Dafür ist es noch zu früh. Im Alter heilen Wunden deutlich langsamer als in der Jugend.
 
Also baue ich auf eine gute Zukunft als Single.
Auch ich, ein Methusalem mit Handicaps darf das.
Warum? Weil die Zukunft eben jetzt, in dieser Minute beginnt.
Und es gibt noch reichlich Luft nach vorne!