303 -Leckerli

Wir haben alle irgendwelche Schwächen.Ich gestehe, dass ich bei Süßigkeiten schwach werde,und dies auf fast peinliche Weise: Ich habe schon an Schoko gedachtund gesabbert wie ein Neufundländer-Rüde,wenn er auf eine Hübsche trifft,oder auf seinen Besitzer,der sich albern "Herrchen" nennt.Es war unvermeidlich,dass ich meine Lieblingssortegedanklich herbeizitiere,und in Phantasien schwelgtewie ein geiler Bockbeim Anblick seiner Lieblingsziege.Allerdings:Vom ganzen …

302 – Katzenalltag

Sei froh, dass Du kein Hamster bist!Das sage ich Dir an jedem Tag.Wir sind nun 29 Katzen.Ein kleines Universum. Wir?Alles Killer.Mäuse?Ja, auch solche.Noch.Solange Vorrat reicht.Katzengesetz:Erst spielen, dann töten.Fressen? Nein.Zu Hause gibts Besseres.Kitekat und so.Und Frauchen.3 Monate Dressur.Jetzt spurt sie.Katzengesetz:Immer wissen, wo es längs geht.Und entscheiden.Menschen?Niemals!Sind inkonsequent,unzuverlässig.Wieder kein Cheddar im Haus!Aber Bier saufen!Diese Allesfresser.Laut sein.Kein Schwanz …

301 – Gespenst

Wer kennt sie nicht, die biblischen 10 Gebote! Wer sie im Tanach, der hebräischen Bibel nachliest, wird begreifen, dass diese "fossile" Werteordnung, sei sie nun hebräisch oder christlich ausgelegt, die Freiheit des Menschen erheblich beschneidet. Aber wer von den Pharisäern, die in alle Richtungen zu polemisieren gewohnt sind, hat je dazu Kritischesverlauten lassen? Offenbar fürchtet …

300 – Demo…. was?

Vorneweg: Ich schreibe heute nicht über die Rädelsführer des Brexit, sondern ausnahmslos über den berühmten "kleinen Mann auf der Strasse".Ich nenne ihn hilfsweise "Henry". Henry ist über den Brexit und seine Folgen schlecht oder garnicht informiert. Wohl informiert ist er über den Status von GB in der Welt. Briten sind geistige Elite, die der Welt …

299 – Kultur

Kennst Du die Schinkenstrasse am Ballermann in El Arenal auf Malle?Ich nicht.Offenbar habe ich etwas versäumt. Nun sah ich gestern einen kurzen Ausschnitt vom Leben in besagter Strasse:Ein betagter "Schlagersänger" stand auf einem Tisch und sang:"Ich hab ne Zwiebel auf dem Kopf, ich bin ein Döööner!"Natürlich war ich sofort begeistert.Es gibt sie noch, die Idealisten,die …

298 – Zen-Feier?

Der Not gehorchend, und nicht dem inneren Triebe entscheide ich mich für die Senfeier. 30 Minuten angestrengtes Essen, und ich bin erlöst.Eine Zen-Feier dauert erheblich länger und ist auch quälender für Ungeübte. Dessen ungeachtet ist mir das eine so fremd wie das andere. Diese Hühnerklüten in Senfsosse habe ich im Leben nur einmal gegessen; es …

297 – Verloren

Wie so oft ohne Erfolg,doch ich versuche es wieder und wieder.Möchte den Horizont erreichen,unter einem Regenbogen verweilenund die scheinbar graue Weltals buntes Wunder begreifen.Ich schwebe,schaue aufwärts,sehe nun über meinem KopfFisch um Fisch vorbeiziehen -das Meer hat seinen Platz verlassen.Sein sehr irdisches Betthat ein Himmel eingenommen,und so schaue ich nach unten,auf der Suche nach unserer Sonne,die …

296 – Verschwunden

Da steh' ich nun, ich armer Tor,Und bin so klug als wie zuvor! So klagte Goethe's Dr. Faust - und so klage ich heute.Ich stehe tatsächlich in dieser Felseneinöde und starre auf ein Felsentor, das nur dazustehen scheint, um die Tristesse rätselhaft erscheinen zu lassen.Ich weiss nicht, wie und warum ich hierhergekommen bin, oder auch, …

295 – Schattenwelt

Ein Mann geht seinen Weg durch die Stadt.Er ist einsam.Die Strasse scheint menschenleer.Es sind nur Schatten, die vorbeihuschenund sich an ihm reiben.Er spürt, wie seine Gedanken ihn verlassenund seinen Kopf umflattern,dunklen Spruchbändern gleich.Er fühlt sich seinem Gott nahe.Schaut zu, wie die Kathedrale ihr Fundament verlässtund himmelwärts strebt,glaubt, eine gottverlassene Existenz zu sein.Verzweiflung formt sein Gesichtbis …

294 – Nonsense

Mal unter uns Pfarrerstöchtern gefragt: Liest Du auch gelegentlich Deine eigenen Texte in Deinem Blog? Und wenn ja: Ist das nicht ein Anflug von Narzissmus? So etwas wie extreme Eigenliebe? Mit tiefem Durchatmen und einem seligen Seufzer, der sich anhört wie "Ach, was bin ich gut!"? Heute sehe ich, dass ein Gast in meinem Blog …

293 – Begegnung

Nein, es war keine regennasse, kalte und tiefdunkle Nacht, in der ich eine neue Seite des Daseins kennenlernte. Es war ein sonniger, warmer Frühsommertag, und das Schicksal erwischte mich eiskalt, und unspektakulär. Ein Mann schlief ein, schlug mit dem Schädel auf das leder-gewandete Lenkrad, der rechte Fuss verlor den Kontakt mit dem Gaspedal, und ein …

292 – Sau

(noch ein alter Hut, aber ich mag ihn eben, weil ….. weil ich mich in dem Schwein wiederfinde) Ich wünschte, ich könnte fliegen,dann würde ich michaus dem Schweinekoben erhebenund den ganzen Mist hinter mir lassen,Ich würde weder den Schlachternoch seine Wurstküche fürchten,meine Gülle dem Wind überlassen,vogelisch reden lernen,die Flugsicherung verunsichern,bräunen ohne zu braten,im Fluge aus …

291 – Wohnungssuche

(Dies ist noch so ein Stück aus meinem Archiv, das es verdient, nochmals an die Sonne geholt zu werden) Ein kleiner, grüner Bücherwurmmacht sich auf eine Reise.Ihm ists zu kalt in seinem Turm -verfluchte Heizölpreise! So ringelt er sich unbemerktentlang der Unratkübel.Hat sich grad noch mit BILD gestärkt,davon ist ihm jetzt übel. Mit Müh´ kriecht …

290 – Kabeljau-Ballade

(aus dem Archiv nach vorne geholt) Vornweg schwimmt heut Herr Kabeljau,dahinter seine Jungen.Zum Schlusse paddelt seine Frau.So ist man vorgedrungen gen Hamburg, heute meerestiefim Atlantik versunken.Weils mit dem Klima übel lief.(Auch Bremen ist ertrunken.) Den Kabeljaus ist dies ja schnurz.Auf angenehme Weiseentschliesst man sich und geht mal kurzauf Abenteuerreise. Ein Haus in Harburg ist das …

289 – Hämmern

Sie war so um die 27 Jahre alt, trug eine Lederschürze, und prügelte mit einem 300-Gramm-Treibhammer mit Kugelkopf auf Eisenteile ein. Trudi, im Berchtesgadener Land, gut aussehend, so ein wenig wie Maria Furtwängler. Die Eisenteile waren nahezu rund, und glühten vor sich hin. Trudi drosch drauf, bis sie sich in eine Beule verbogen hatten. "Schau, …

288 – Lappen

In unserem Garten steht ein Fahnenmast aus Gfk. Das ist - für Materialunkundige - glasfaserverstärkter Kunststoff. Der Mast ist 8 m lang, mit einer Flaggenleine von 20 m aufgerüstet. Ja, so steht er da. Weiss und protzig. In unserem Haus gibt es eine Flaggenschublade. Dort ruhen so an die 30 Flaggen. Man nennt sie auch …

287 – Mütter

Wer die jiddische Mame kennt,kann den Beweis führen,dass Jesus Jude war. „Erstens: Er lebte noch bei seinen Eltern, als er schon dreißig war.Zweitens: Er glaubte, seine Mutter sei Jungfrau.Drittens: Seine Mutter glaubte, er sei Gott.“ Ist damit alles über die jüdische Mutter gesagt? Nein. „Eine Mutter kommt ins Kinderzimmer:‚Du musst zur Schule gehen, Bernie.‘Bernie zieht …

286 – Olivenbaum

Alles Leben stirbt.So will es die Natur, und so ist es wohl richtig.Alles Lebende folgt seiner Bestimmung.Das tut der Mensch, und das tut der Baum.Doch der Baum ist dem Menschen überlegen.Er überdauert Jahrhunderte und wird - ein Methusalem unter seinesgleichen - von seiner Menschenfamilie verehrt. So können 20 Menschen-Generationen kommen und gehen, und der Baum …

285 – Panik

285 - Panik Lasse mich! Lasse mich fliegen!Es sind die Sinne, die mich treiben.Befreit von Erdenschwereordnen sich die Gedankenzu einem unbekannten Bild,das Leben zeigt,wie ich es nicht kannte.Bewegte Bilder verführenin verschwenderischen Farben,bieten an, greife zu, mein Freund!Ich betrachte meine Hände,sie zittern und zucken,flattern wie Falter,sie greifen dies und das,und endlich ins Leere -ich erschrecke.Nein, ich …

284 – Tag

Ich liebe die Morgendämmerung,sie schenkt mir den Blickauf meine zur Ruhe gekommene Welt,und bereitet mich sanftauf die Betriebsamkeit des Tages vor. Ich liebe es,das Licht des Tages,wie es mir die Buntheit des Lebensund die Farben der Weltnahebringt und mir flüsternd mitteilt,hier sei ich zu Hause. Ich mag auch die Abenddämmerung,wie sie das zweite Leben des …