905 – Diverses

Ich habe den Rüssel gestrichen voll vom Brotbacken. Heute habe ich wieder so eine Kanonenkugel angefertigt. Es ist das erste wirklich geniessbare Roggenmischbrot aus der Hand eines Gehirnamputierten.

Ich hatte viel gelesen, und einiges erfolglos probiert. Heute ist der Tag der Rache. Alle Brotrezepte sind gelöscht, ich habe frei Schnauze gebacken, es gibt ein halbwegs gutes Brot, und Erkenntnisse, wie ich noch optimieren kann.

Der Zeitaufwand für das Brotbacken ist lächerlich gering. Man muss nur anwesend sein, wenn die Uhr klingelt, weil z. B. die Temperatur reduziert werden soll. Man dreht am Temp-Regler, wischt sich den Schweiss von der Stirn, und liest weiter. Aber ….. worüber keiner der Superbäcker schreibt, ist der Aufwand beim Abwasch. Es ist ein beständiger Kampf gegen Mehl und gegen klebrige Teig-Klüten, vorwiegend an Schüsseln und Töpfchen. Dort muss also optimiert werden.
Das ganze Gedöns, das man zum Thema liest, ist nicht viel wert.Oder positiv gesehen beschreibt es, was man garantiert nicht machen sollte.

Anderes Thema. Frage: Wenn man 82 Jahre alt ist, ein Brot gebacken hat, und wenn die Uhr 15:30 anzeigt, darf man dann ein Bier trinken? Mir ist so sehr danach, und ich traue mich nicht. Habe eh schon einen schlechten Ruf in der Nachbarschaft. Dabei habe ich schon als Kind gesungen: „Wasser säuft das liebe Vieh, fallera und falleri!“
Ich schaue ungeduldig auf die Uhr. Schon wieder 10 Minuten ohne Alk geschafft!

Nächstes Thema. Heute hatte ich zu Mittag eine Suppe. Ich binso etwas wie ein Suppenfetischist und habe als solcher verschiedene Vorlieben.
Selbst kochen – das passiert mir selten. Ich öffne lieber Dosen, die man mir ins Haus liefert. Natürlich weiß ich, was in der Dose ist. Bei einigen Produkten ist die Qualität erbärmlich. Aber das Zeug ist als Basis für m e i n e Suppe brauchbar. Ich erzähle mal kurz, was heute dazu ablief.
Ich griff mir eine Dose Erbsensuppe und eine mit Bihun-Suppe. Kippte beides in einen Topf und schmeckte ab. Danke, so nicht! Tomatenmark rein – schon besser. Süsse per Rübenkraut rein – zu süss. Korrektur mit Zitronensaft. Worcestersosse rundete ab. Dann kam Chilisosse dazu – ein guter Scharfmacher. Und nun? Nichts. Die Suppe ist gegessen. Sie war gut, und selten. Keiner wird sie nachbauen, sie gehört ganz mir.

Es ist halb fünf. Darf ich jetzt ein Bier ….. ?

904 – Milch

Ich sitze auf dem Rolli vor dem Kühlschrank.
Dann erreicht mich eine Bitte.
„Gibst Du mir bitte die Milch aus dem Kühlschrank?“
In meinem alten Kopf formt sich das Bild einer Kuh.
Es ist immer eine Holsteiner Schwarzbunte.
Man nennt das dann ein Klischee.

Wie auch immer, ich öffne das Kühlmöbel,
schaue hinein.
Ich sehe keine Kuh.
Also melde ich: „Keine Milch da.“
Eine Hand schiebt sich vor.
„Geh mal weg da!“
Ich werde wuschig.
Öffne den Kühlschrank erneut: Keine Milch!
Die fremde Hand greift über meine Schulter.
Sie schnappt sich die Milchtüte.
Eine Stimme: „Die steht doch ganz vorne!“
Ich: „Hab sie nicht gesehen.“
Sie: „Gross und bräsig!“
Ich: „Da stand keine Milch!“
Sie: „Du musst auch nicht nach einer Kuh suchen!“
Ich: „Das weiss ich auch. War wohl in Gedanken.“
Sie: „Du wirst alt!“
Ich: „Tatsächlich?“

Schaue auf die Milchtüte. Dort grinst mich eine aufgemalte Schwarzbunte an. Hab ichs doch gewusst! Ich vermute, meine Brille hat manchmal einen Aussetzer. Es ist mit dem modernen Kram ein Kreuz; je moderner solche Geräte sind, desto störanfälliger reagieren sie.

Ich hatte einen Arbeitsweg von rund 30 km. Fuhr am Feierabend nach Hause, mir war schwindelig, und ich hatte Sehstörung. Dachte, ich sollte rasch zum Doc. Aber vorher noch die Brille putzen. Griff zum Microfasertuch und versuchte das linke Glas zu putzen – die Brillenfassung war leer. Dann habe ich noch das Glas rechts geputzt, und das Glas für links gesucht. Es ruhte in der Tasche meines Sakkos. Einsetzen, aufsetzen, und der Schwindel war weg. Warum erzähle ich das? Es ist eine Warnung. Brillen sind manchmal gestört, haben Aussetzer. Und es ist nicht immer gleich ein Optiker greifbar.

Ich wollte das nur mal gesagt haben.

903 – Eternity

Ich gönne mir den Luxus, auf dem Thema „Zeit“ ein wenig herumzukauen. Ich darf das, da ich für mich selbst schreibe, und ich bemerke noch immer, wenn ich mir selbst auf den Keks gehe.

Es geht um Folgendes:

Angenommen, in Dortmund fällt eine Blattschaufel um. Das ist ein Ereignis. Es klebt auf der Ewigkeit, kann nicht entfernt werden. Wenn 20.000 Jahre später ein Alien in der Ewigkeit herumsucht und den Ausschnitt für Dortmund erwischt, wird es finden, dass dort eine Blattschaufel umgefallen ist. Dann muss es wohl den Begriff „Blattschaufel“ googeln.

Davon abgesehen stelle ich fest, dass „Ewigkeit“ weder von der Physik noch von der Religion definiert ist. Die beste Definition von allen unerlaubten ist genial einfach: Ewigkeit ist zeitlos. Warum das nicht gilt, weiss ich nicht; schliesslich bin ich dem Wurstbrot näher als dem Raum-Zeit-Kontinuum. Ich muss das nicht wissen. Immerhin habe auch ich eine Vorstellung: Ewigkeit – das ist ein Raum ohne Wände, und von unbekannter Grösse. Das ist für mich ein Hilfskonstrukt.

Es könnte sein, dass die Ewigkeit garnicht gibt, dass sie ein Hilfskonstrukt griechischer Philosophen wie Platon ist. Und ich, eine Leuchte aus Dunkellicht kaue darauf herum und kriege sie nicht runtergewürgt!

Möglicherweise hat alles, was existiert, seine eigene Ewigkeit im Rucksack; man muss nur mal hilfsweise akzeptieren, dass auch Kieselsteine einen Rucksack tragen. Dann kannst Du als Dortmunder Deine Schaufel zehn mal hinschmeissen, das interessiert den Sultan von Brunei nebenan einen Kehrricht. Das Tolle: Auch Dein Privatissimum hat keine Wände, ist grenzen- und zeitlos. Und es kann nicht beseitigt werden. Es ist Dein Shangri La! Es ist der Ort, wo Deine Seele bleibt, wenn Du den Löffel weggelegt hast!

STOP !

Ich bemerke, ich bin ins Schwafeln geraten, und die Pferde gehen mit mir durch. Das ist zwar egal, da ich ohnehin keine Seriosität beanspruche. Den Gebrüdern Grimm möchte ich dennoch nicht ins Gehege kommen. Dennoch geht die Geschichte noch ein Stückchen weiter – nein, vergiss es, Alter!

902 – November

Es muss ein grosses Wunder sein,
dass sie, die Stolze heute blüht,
den Winter hatte sie besiegt
da ihre Pracht den Garte ziert.
Sie ist die letzte ihrer Art,
zeigt sich jedoch in hellstem Rot
an diesem trüben Wintertag.
Die Rose steht im Nebelgrau
und bietet uns ein Märchenbild,
das Hoffnung gibt und Stärke zeigt.
Sie mahnt: Mensch bitte glaube mir,
es wird ein neuer Sommer sein
mit Sonnentagen reich geschmückt.
Am Boden liegt ein Blütenblatt.
Es endet dieser Rose Leben.
Ein wenig Trauer kommt ganz leis.
Doch was gewiss ist, was ich weiss:
Bestimmt werd ich sie wiedersehn.
So mag sie heute gehn, still gehn.

901 – Verlust

Was nützt es,
wenn sich die ganze Welt Dir öffnet,
und Du Dein Herz
vor der Welt verschliesst?

Wenn Du der Herausforderung ausweichst,
und Dich statt dessen
in Dein Schneckenhaus zurückziehst?

Du verlierst die Welt,
und die Welt verliert Dich.

Dies ist ein kleiner Tod.
Jene, die Dich lieben,
bleiben traurig zurück.

900 – Aliens

Ist sie nicht hübsch, diese Fireleg-Vogelspinne?
Wie bitte? Arachnophobie?
Gewiss, es gibt diese irrationale Angst vor Spinnen, und Betroffene verdienen unser Mitgefühl.

Aber gestehen wir den Spinnen doch auch eine Humanophobie zu, die Angst der Spinnen vor dem Menschen. Und deren Phobie ist wohl sachlich gerechtfertigt.

Man weiss, dass unsere Spinnen keine Menschen töten, aber unsere Mitmenschen töten Spinnen, wo immer sie welche antreffen. Muss das sein?

Wie auch immer: In meinem Haus sind sie willkommen. Besonders Elli, ein richtig fettes Luder war gerne gesehen.
Sie kam am Abend pünktlich nach der Tagesschau ins Zimmer,
sass fünf Minuten vor dem Fernsehgerät und kroch dann wieder in ihr Versteck.
Das trieb sie täglich so an die 3 Wochen lang,
bevor vermutlich irgendein Vogel auf der Suche nach Häppchen
sein Jagdglück auskosten konnte.

Liebe Elli, ich habe Dich wirklich vermisst!

899 – Maria_hilf!

Gerade eben habe ich, so ganz gegen meine Gewohnheiten, meinen Text Nr. 898 noch einmal gelesen. Nun bin ich tatsächlich erstaunt über die Erkenntnis, dass ich ein schlauer Kerl bin. Mir ist nun eine Erkenntnis aufgepoppt, die mir einen grundsätzlichen Fehler beim Texte-Schreiben erklärt.
Jetzt bin ich doch ein wenig peinlich berührt. Wieso? Ich erkläre das mit einem Bild. Ich bin ein Koch, der nur Pichelsteiner Eintopf kann, also Brühe mit viel verschiedenem Gemüse drin. Alles klein geschnitten, alles Brocken. Als hätte einer, während ich schreibe, andauernd „Schnitt!“ gerufen, oder auch „Cut!“ , für die Fortgeschrittenen.
Darum liest sich Nr. 898 wieder mal, wie sich eine Fahrt im Bollerwagen anfühlt. Wie? Bollerwagen kennst Du nicht? Hinweis: Ungefedert, Holzräder mit Stahlreif.
Siehst Du, schon bin ich wieder abgeschweift und könnte meine Erfahrungen mit Bollerwagen ein wenig ausbreiten, bis ein neuer Trigger kommt, der mich zur Strassenbahn in Kiew weiterleitet.

Ehrlich, ich bin etwas ratlos. Der Gedanke, zwei Seiten lang über meine morgendlichen Kreuzschmerzen klagend zu berichten, ist mir nicht nur fremd, sondern zuwider.
Ich könnte, wenn ich wollte. Ich kann eine Geschichte breittreten, hier ein wenig kalt glätten, dort mit einem heißen Eisen etwas glattbügeln, mit oder ohne Dampf natürlich, durch alternative Wahrheit anreichern und so fort.
Und? Machts einen Text besser? Ich glaube fast, dass ja.
Habe ich Lust auf Verändern? Ich weiss, dass nein.

Was, verflucht, soll dann dieser Text?
Ich sage es Dir.
Ich habe einfach mal darüber nachgedacht.
Ansonsten gilt weiterhin: Es ist mir egal, wo der Gaul hinrennt. Hauptsache, ich bleibe im Sattel.
Und Pichelsteiner mag ich, wenn viel gutes Rindfleisch drin ist.

898 – Morgengrauen

Oh ja. Kenne ich. Meine erste Stunde das Tages ist wahrlich grauenvoll. Aus dem Bett und auf die Beine kommen ist ein schmerzhafter Akt, dem ein wasserfestes, hochwertiges Etikett anhaftet. Es empfiehlt, im Bett zu bleiben. Der Sicherheit wegen.
Aber ich, von Stunde Null an ein unartiges, trotziges Kind bleibe auch im Alter, was ich immer war: Ungehorsam. Also quäle ich täglich meine Lendenwirbel bis kurz vor Ibuprofen und wanke 6 Schritte weit, mich überall festhaltend, ins Badezimmer, mache auf einer der Sitzgelegenheiten eine längere Pause und krieche dann auf zwei Beinen in mein Büro, genauer gesagt in meinen Schreibtisch-Sessel.

Es ist nicht zu glkauben, aber dort drinnen geht es mir besser, und nach ungefähr 20 Minuten therapeutischen Sitzens kann ich mittels Rollator den Marsch in die Küche antreten. Das ist ein langer Weg, der mir mindestens 16 Schritte abverlangt.

In der Küche angekommen drehe ich den Rolli zurecht, lasse mich schwer auf seiner Sitzfläche nieder, drehe sitzend um 90°, und starre die Kaffeemaschine an.
Und genau in diesem Moment hat das Morgengrauen für mich ein Ende, und ich habe Kapazität frei für anderes Grauenvolles.

Als Behinderter lasse ich mich gerne versorgen. Nein, nicht mit Essen, Trinken und Rücken waschen, sondern mit Weltnachrichten. Dafür habe ich zwei Quellen zur Verfügung. Das sind W., was meine Tochter ….. Du weisst schon, und das ist das Radio, genauer gesagt NDR info. Und genau hier setzt das Morgengrauen wieder ein. Wenn W. darüber plaudert, was in der Welt so los ist, also wo wie und warum intensiv gestorben wird, so erzeugt das irgendwann bei mir eine Gänsehaut. Wenn der Radiosender mir berichtet, so gerate ich umgehend in einen Wutanfall, weil man mir – ich bin ja stets im Bilde – nahezu jedes Mal falsche Bilder verkaufen möchte. Wie soll ich das jetzt erklären ….. man versucht, einen Hundehaufen so sauber zu waschen, dass man ihn zu Hause auf einem Teller servieren darf. Und das geschieht dann auch, dafür steht dann der Zahlkellner am Tisch und kassiert; er nennt das dann Rundfunkgebühren.

Morgengrauen – Grusel oder Wut, beides ist Horror.
Und so beginnt mein Tag.
Nun bin ich kein Typ, der über Selbstverstümmelung nachdenken würde. Im Gegenteil. Ich kann mit etwas Disziplin den täglichen Mist auch rasch wieder los werden, und das ohne Alkohol.

Der Wahrheit zuliebe muss ich gestehen, dass es auch Tage ohne fortgesetztes Grauen gibt. Dann trickse ich meine Wirbelsäule aus und habe für den Rest des Tages Ruhe – sofern ich nichts mehr esse.

Neulich habe ich mir Käse-Nudeln zubereitet. Seitdem habe ich Angst vor mir selbst. Einer anderen Person hätte ich gewünscht, dass ihr beide Hände abfallen. Verallgemeinert: Ich meine das Grauen im Kochtopf.
Es entsteht als Morgengrauen und wirkt erst gegen Mittag. Dann ist alles möglich, bis zum Haarausfall.

Gestern hatte ich einen „bunten Salat“ gemacht. Es sind versehentlich 4 grosse Portionen für zwei Leute geworden. Somit stand auf dem Speiseplan: Mittags – Salat. Abends – Salat. Was soll ich sagen? Der Salat hat mich vor der abendlichen Gruselnummer bewahrt, deren Hauptdarsteller allzu oft das „Wurstbrot“ ist. Ein modernes Wurstbrot in der Klappstullen-Version besteht nämlich aus zwei Scheiben trockenem Brot, einem Klecks Butter, der nicht wie Butter schmeckt, sondern wie eine Vorstufe von Margarine, und aus Wurst, die ich als Sünde der Leb ensmittelindustrie bezeichne, weil es der Wurstfabrik nicht gelingt, einen Bierschinken oder eine Lyoner als solche schmecken zu lassen. Der Vollständigkeit halber: Der lokale Schlachter kauft Fabrikwurst billig ein und verkauft sie teuer als Eigenprodukt. Bei Tisch, in meiner Verzweiflung hole ich mir Hilfe bei den Tomaten, nur um festzustellen, dass ich mir Wasserbehälter besorgt habe.

Lassen wir es dabei. Das abendliche Grauen ist hinreichend skizziert. Um komplett zu werden: Jedesmal quält mich der Gedanke, einige Dosen Starkbier gut kühlen zu sollen, denn:
Das bisschen, was ich esse, kann ich auch trinken. Es ist frei von Fett, und macht dennoch einen dicken Bauch. Und die Zähne, dieses alte Geschirr in meinem Kopf, sie werden geschont. Ich brauche sie noch, um bissig zu bleiben.

Ok, es reicht. Ich habe verstanden. Aber bei den holländischen Tomatenbauern werde ich mich nicht entschuldigen. Sie kriegen von mir eine volle Breitseite Fremdenfeindlichkeit.

Ich kanns mir nicht verkneifen: Ich gehe in Italien ein wenig spazieren und gelange in eine Tomaten-Plantage unter Folienzelten. Dann komme ich am Wohnhaus des Bauern vorbei. Was sehen meine entzündeten Augen? Frei wachsende Tomatenstauden an der sonnigen Hauswand, voller Früchte. Und mir geht ein Licht auf, heller als tausend Sonnen. Dem Tomatenbauern sind seine Produkte nicht gut genug. Auch er bevorzugt, was in der Erde wächst, nicht auf Substrat, und in der Sonne reift.

Alles klar? Ich verrate jetzt ein Geheimnis, auch wenn ich mich damit blamiere.
Gleich gehe ich in die Küche und wärme mir eine Porrée-Suppe auf, von der ich weiss, dass sie nicht nach Porrée schmeckt. Aber ich werde eine Dose Bihun-Suppe dazugiessen. Dann schmeckt die Bihunsuppe mal anders. Ich weiss: In meinem Topf ist dann Schweinkram. Aber es ist Schweinkram mit einem mir unbekannten Geschmack. Und das hat was. Es kann gut gehen. Falls nicht: Ich weiss, wo meine Toilette steht, und ich habe Pizza im Frost.

Nebenbei: Meines Wissens ist es unmöglich, dass ein Risch verhungert. Die große Gefahr liegt im Flüssigen. Wir könnten verdursten.

So. Hast Du das alles gelesen? Ja? Selbst schuld!

897 – Regen

In der guten Stube steht ein Paar wirklich gute Boxen. Wenigstens sehen sie gut aus, und sie sind laut, wenn ich am falschen Knopf drehe. Sie plärren nicht, sie brüllen los! Irgendwo an ihren Böden sind dicke Kupferdrähte befestigt, an deren anderen Enden schwarzes Gerät angeknotet ist. Dortselbst dreht sich zur Zeit eine unserer alten Langspielplatten, das sind Teile, die die Jugend von heute nur noch vom Hörensagen kennt. Nun, ich dachte, ich sollte die alten Sachen einfach mal wieder durchhören, nachschauen, ob ich sie immer noch mag. So habe ich also eine LP aufgelegt und ….. wie war das nochmal? Tja, welcher die vielen Knöpfe muss nun ….. vielleicht der, mit dem man Phono …. ja! Ich bin schon drin, und höre!

Ja, ich habe etwas gehört. Es war allerdings keine Musik, was da aus dem Boxenpaar plätschert. Nein, es plätschert im Wortsinne. Ich versuche mich zu erinnern. Worpswede. Das Kreative Haus. New age. emotional, meditational, uplifting and enlightening. Titel der LP „Fluting paradise“. B-Seite erwischt, erster Titel heisst „Smelting snow“, schmelzender Schnee also. Damit ist das Plätschern gerechtfertigt, gleichsam erklärt, alles hat seine Richtigkeit, das Equipment ist nicht kaputt, auch nicht die Dachrinne, und nun setzt tatsächlich auch die erste Flöte ein, es muss eine von diesen Panflöten sein, die man aus einem Rohrstock knotet, und es plätschert im Hintergrund weiter, ich kenne jemand, der bei derlei Geräuschen umgehend das Klo zum Pieseln aufsuchen muss, also auf dem Topf weitermeditiert, ich weiss nicht recht, ob das alles so sein muss!

Endlich schaue ich aus dem Fenster. From Windows to and thru the window. Es regnet. Das muss man sich mal vorstellen: Drinnen wird eine Panflöte von Schmelzwasser umplätschert, und draussen hat es prompt zu regnen begonnen, so, als würde einer versuchen, mir die wahre Natur zu erklären. Draussen spielt die Musik, das ist die Realität, das ist der Hamburger Frühling, und das hier drinnen ist only a artificial world (fuer die Säuberer der deutschen Sprache: nur eine künstliche Welt).

Nun hat die Musik gewechselt, Der zweite Titel lautet „Whispering brook“, flüsternder Bach also. Nur: Das Wetter hat wie schon zu Beginn nichts mitgekriegt. Es regnet einfach weiter. Ich habe verstanden. Wer auch immer Du sein magst: Es ist Dein Wetter. Du bist der Boss. Der externe. Der interne Boss: „Es regnet. Fährst Du mich zur Post? Das Paket muss heute noch weg!“ Die Musik spielt also hier drinnen vielerlei Melodien. Mal fluting, mal commanding!
Ich mache mich auf die Socken, hin zur Post. Es regnet, was sonst?

896 – Bruchstücke

Ich will nichts.
Oder ich will alles.
Aber das will ich.
Habe das da nicht gewollt.

Gut, gut.
Ich will nur Glück.
Ein wenig davon.
Aber ein wenig viel.

Zufrieden?
Zu albern.
Zuschauen?
Eine Zumutung.

Was tun?
Täter werden?
Tatenlos zuschauen.
Habe nichts getan!

Man macht.
Macher sind gut!
Machen die nichts?
Die an der Macht!

Macht?
Danke!
Sauber bleiben.
Bleibe ein kleines Licht.

Armselig.
Leutselig.
Unselig.
Selig sind die Dummen.

Macht macht.
Kriegt Krieg.
Finger fingern
mit List und Hinterlist.

Alles für Dich.
Für Euch das Beste.
Kann nichts dafür.
Eher nichts für alle.

Das Beste ansagen,
das Gute nicht sehen.
Alles normal –
schlecht gelaufen.

Hinschauen –
wegsehen.
Heisse Luft
wärmt nur für den Moment.

Ich bin.
Kleine Welt,
meine Welt.
Für Euch: Kein Platz.

Ehrlich gesagt:
Ergötzlich,
und nützlich,
der Götz.

Guter Gedanke
macht froh.
Ihn leben
macht frei.

895 – Jugend

Es hat mich einigermassen betroffen gemacht, dass Bundesinnenminister Waffengesetze verschärfen möchten. Mag sein, dass sie dies am besten beherrschen. Mag sein, dass sich in solchen Aktionen ihre Fähigkeiten erschöpfen. Man kennt das, und man verübelt es ihnen nicht einmal. Dennoch: Du stehst unmittelbar vor dem Höllentor und wagst es nicht, hindurchzuschreiten – aus Angst, es könnte Dir dort die Wahrheit über den Weg laufen, oder es könnte ein Richter fragen: Was war Dein Beitrag, Mensch?

mailto: innenminister@berlin.oje

Minister,
anscheinend sind Sie und Ihre Beamten nicht in der Lage, oder nicht willens, diese schlimme Erfurter Tragödie korrekt aufzuarbeiten. Ich bin in Rente und habe ausreichend Zeit und Musse, das für Sie zu erledigen. Ob Ihnen das passt, oder nicht, ist mir relativ gleichgültig. Lesen Sie einfach weiter, und lernen Sie von Hans Otto Triebelmann!
· Der Erfurter Massenmord im Gutenberg-Gymnasium ist ein konsequenter Racheakt eines in seelische Schieflage geratenen jungen Menschen. Gleichartiges ist zu allen Zeiten geschehen, Alltag in einer gewalttätigen Welt.
· Der Tod eines Menschen, ja, auch solch sinnloser Tod ist schmerzlich für die Angehörigen. Sie verdienen Rücksicht-nahme und Mitgefühl.
· Es ist nicht die ganze Nation betroffen. Dies in die Welt zu posaunen ist billige Propaganda.
· Die Erfurter Ereignisse werden journalistisch erbarmungslos vermarktet. Sie bringen Einschaltquote und Auflage. Diese Widerwärtigkeit zwingt den Zuschauer und Leser, sich angeekelt abzuwenden. Oder sie animiert zur Suche nach blutigen Bildern im Internet – je nach Veranlagung. Aber sie behindert das Nachdenken.
· Gleiches gilt für Politikerreisen nach Erfurt. Betroffenheit mimen oder – im besten Falle – sentimental werden wird als Imagewerbung erkannt, und besonders in Wahlkampfzeiten korrekt verübelt.
· Talkshows im Fernsehn kreisen wie selbstverständlich um dieses Thema. Dort geht man nach der Methode Hühnerhof vor: Scharren an der Oberfläche, und gelegentlich laut gackernd ein Körnchen (Wahrheit?) hochhalten, bekunden, man habe etwas, oder alles erkannt und verstanden. Es werden 3 kluge Bemerkungen in 60 Minuten Geschwätz verpackt geboten.
· Wer hat in den letzten 2 Jahrzehnten je den Begriff „Gewalt“ definiert? Sie auch nicht, Minister! „Keine Zeit, keine Zeit. Muss Gesetze verschärfen!“
· HOT meint: Bildung und Erziehung sind in einem wahrlich desolaten Zustand. Benutzen wir doch hilfsweise einige hinlänglich bekannte Klischees, um uns auf die Verifizierung dieser Feststellung vorzuarbeiten.
· In den Schulbussen wird tagtäglich randaliert. Schüler terrorisieren ihresgleichen, und Erwachsene: Was willst Du alter Sack hier? Mach, dass Du rauskommst! (O-Ton)
· Höflichkeit ist Schwäche. Es werden statt dessen die Ellenbogen gestählt.
· In der Schule sitzen mehrheitlich unfähige, faule oder resignierende Lehrkräfte. Ihre Aufgabe ist es nicht, die Kinder zu erziehen. Sie können nicht ersetzen, was die Eltern versäumen.
· In den Pausen wird geraucht, gedealt, geraubt, erpresst, genötigt, gesoffen. Drei Elfjährige mit einer Flasche Doppelkorn – Pausenaufsicht findet nicht statt. (Eigenbeobachtung)
· Lehrer sind rechtlos, sprachlos, haben ihre Ideale verloren und gehen womöglich mit 45 aufgeraucht in Pension. (Eigenbeobachtung)
· Schulbehörden sind blind. Oder sie spielen Blindekuh. Es hat den Stab nicht zu interessieren, wer an der Front draufgeht.
Anmerkung: HOT hat selbst zwei Kinder über die Runden bringen müssen., und Erfahrungen als Schulelternrat gesammelt.
· Kultuspolitiker sind primär Ex-Partei-funktionäre; sie sehen den Kultur- betrieb als Selbstläufer, der keine intelligente Politik abverlangt.
· Die Bundesregierung ist nicht zuständig. Kultur ist Ländersache.
· Das also ist das Klima, in dem Kinder ihre Bildung erhalten, und dafür gute Arbeitsleistungen erbringen sollen, in dem beispielsweise das bekannte PISA-Ergebnis gediehen ist.
Dieses Szenarium existiert. Offenkundig mangelt es allen Verantwortlichen an Vorstellungskraft. Sie sind nicht in der Lage, zu spüren, was sie unseren Kindern mit einem derartig konditio-nierten Lernangebot antun. Aber sie können jederzeit ansagen, was es kostet.
· Kommen wir zur Rolle der Eltern. Sie vernachlässigen ihre erzieherischen Aufgaben. Was geht, wird mit Geld erledigt. Was mit Geld nicht funktioniert, mit Fernsehn. Und was man weder mit Geld noch mit Fernsehn erledigen kann, das wird durch Grosszügigkeit ausgeglichen. Hauptsache, es herrscht Ruhe im Haus.
· Im übrigen sind Eltern froh und glücklich, wenn
ihre Kinder sich auf der freien Wildbahn behaupten. Sie haben das „Recht des Stärkeren“ verinnerlicht, wissen, dass Weicheier auf der Strecke bleiben.
· Selbst berechtigte Angriffe auf ihre Nachkommen werden mit äusserster Härte abgewehrt. Beliebter Pennäler-Spruch: Das sag ich meinen Eltern, die bringen Dich vor Gericht! (Eigenbeobachtung)
· Solcherart gediehene Kinder sind an das Nehmen gewöhnt. Sie nehmen, wo sie Nützliches kriegen können. Auch z. B. Lehrbücher aus der Uni-Bibliothek. Mittlerweile darf man sie getrost als Kotzbrocken bezeichnen.
· Man trifft sie in den Unternehmen wieder. Dort wird das Hauen und Stechen fortgesetzt. Schwächere haben gegen sie keine Chance. Sie sind in den Chefetagen gerne gesehen und bilden den Führungs-nachwuchs. In ihnen erkennen die Bosse sich selbst.
· Oben wird Unfähigkeit durch Brutalität gegen die Mitarbeiter ersetzt. Man übt die Verwendung von Begriffen wie lean management und Synergieeffekte morgens vor dem Spiegel. Arbeitsplatzvernichtung statt Umsatz ist in Mode. Das hat Folgen:
· Der Vater verliert seinen Job, damit seine Vorbildfunktion, und der Sohn keilt umso mehr, um im Spiel zu bleiben. Einige gewinnen, aber viele verlieren.
· Die Politik glänzt durch Abwesenheit, oder sie redet sich mit armseligen Sprüchen um Kopf und Kragen. („Ich bin ein Automann!)
· Dies also ist das Klima, in dem soziales Denken und Handeln gedeihen sollen.
Schliesslich die Erfurter Tragödie: Wie um alles in der Welt kann so etwas geschehen? Bei uns in Deutschland! Wo hier doch alles so toll ist! Die ganze Nation ist betroffen! Und die halbe rennt zu Gedenkgottesdiensten.
Ich sagte ja eingangs, ich würde Klischees benutzen. Man muss hier natürlich relativieren. Ich will das nun versuchen, und zugestehen:
Auf jeden negativen Fall kommen drei positive. Es ist die an Stammtischen so beliebte Art zu diskutieren. Einer kennt da einen Fall, und ein anderer drei andere Fälle. Und alle übersehen das Wichtige:
Auf dem Weg in die soziale Verantwortlichkeit sind zu viele junge Leute auf der Strecke geblieben. Sie sind oft falschen Zielen nachgejagt, haben sie nicht erreicht und bleiben irgendwo desillusioniert, frustriert und ohne neue Perspektive hängen. Verlierer.

Es reichen 25 Prozent irgendwie asozial gepolter Bürger aus, um eine Gesellschaft nachhaltig zu schädigen. Längst ist ein entsprechendes Schneeballsystem in Bewegung gesetzt. Wir registrieren die Folgen, diskutieren die Ursachen, reden und reden, und es scheint unmöglich, den Verfallsprozess anzuhalten.
Wenn Sie nicht gerade Gestze verschärfen müssen, lesen Sie doch mal bei Oswald Spengler nach, in seinem Werk „Der Untergang des Abendlandes“.
Noch ein netter Aspekt: Der Mensch verfügt heutzutage über Atomwaffen. Sie bietet die unglaubliche Chance, auf schnellstem Weg einen kulturellen Neuanfang zu organisieren. Gewiss, das ist blanker Zynismus. Noch. Warten wir mal ab.
Übrigens: Ich grüsse nur Leute, die ich achte.

RRisch

894 – Rentner

Diese Doppel-Feiertage! Alle Geschäfte sind geschlossen, und man kann kein Klopapier kaufen, auch wenn man es dringend benötigt. Zugegeben: Das ist die Sicht des Pensionisten. Diese Gattung Mensch wird von jenen, die einer regelmässigen Arbeit nachgehen müssen, beneidet und gefürchtet, oft verspottet, aber nie bedauert. Nie!

Rentner werden gefürchtet, weil sie den übrigen Menschen stets im Wege sind. Die ersten beim Arzt, beim Friseur, beim Einkauf – Rentner sind immer vorneweg, denken einfach nicht dran, dass Berufstätige die kurze Zeitspanne zwischen Frühstück und Arbeitsbeginn nutzen müssen, um Dringendes zu erledigen. Da sitzen Dir die zahnlosen Grauen Panther vor der Nase und gebärden sich, als würden sie wichtigste Termine verpassen, nörgeln herum, und was ist? Sie möchten um zehn in der Früh´ schon wieder auf ihrer Couch liegen, wo sie dann eine kleine Runde Schlaf abbeissen – ohne zu bemerken, dass sie ausgeruht wären, schliefen sie des Morgens richtig durch und gingen um 10 zum Doktor, wenn der malochende Teil dort ist, wo die Rente der Alten zusammenverdient wird.

Rentner werden verspottet, weil sie – wie Kranke auch – nie Zeit frei haben. Dummerweise ist das sachlich sogar richtig. Selbst wer nichts tut, hat keine Zeit – Rentner leben einen anderen, ihrem Job angepassten Rhythmus, genau wie der Berufstätige. Wer 45 Jahre lang in den Sielen hing, hat es zu einem bedingten Reflex entwickelt, den Tag einzuteilen, ihn mit dem anzufüllen, was anliegt. Es beginnt damit, dass man bis um halb zehn pennen kann. Dann macht man Frühstückspause und liest die Zeitung, dazu benötigt man anderthalb Stunden. Gegen elf schliesslich stellt man fest, man müsse sich sputen, um das Wichtigste einzukaufen. Der Rentner tritt an die Öffentlichkeit – und legt Nervosität und Ungeduld an den Tag. Kritische Beobachter spotten über den Spinner. Der aber hechelt so schnell, wie´s noch geht, nach Hause und beginnt umgehend, Kartoffeln zu schälen und die Bohnen zu putzen; schliesslich ist um halb eins Essenszeit. Nach dem Aufklaren der Küche hat es ihn dahingerafft; zwei Stunden Schlaf sind nicht zu vermeiden, sonst wirds mit dem Fernsehn am Abend nichts. So gegen vier bleiben ihm gerade mal noch zwei Stunden, um ….. sagen wir mal, um zum Zahnarzt zu tippeln, weil seine dritten Zähne immer noch drücken. Dort trifft er dann auf die Berufstätigen und den angesprochenen Interessenskonflikt.

So wird die Zeit danach bis zum Beginn der Abendnachrichten im Fernsehn schon wieder reichlich knapp. Und in einen solchen Tagesablauf sind nicht eingerechnet die Zeit zum Dorftratsch, die Reparatur des Krückstocks, der Streit mit dem Nachbarn, das Bekämpfen von Ameisen in der Küche, das Arbeiten mit Müll und Kompost uvam.

Unklar bleibt dabei, wie er das früher alles neben seinem Job geschafft hat.

Rentner werden nicht bedauert, obschon sie weder Urlaubstage noch Feier-, Sams- und Sonntage kennen. Die Rentenversicherer zahlen weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld, keine Überstunden, keine Leistungsprämien – nichts, nada, niente, nitschewo.

Das Rentnerleben verläuft immer egalweg. Wenn Pensionäre am Einkauf gehindert werden, weil mal wieder alle Läden geschlossen sind, betrachten sie das als unzulässige Einschränkung eines Grundrechts, etwa des Rechts auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Und keiner tut etwas für sie.

Darum plädieren sie mit grosser Mehrheit für die Liberalisierung der Ladenschlusszeiten in der finsteren Absicht, wegen Zeitmangels tagsüber dann in den Abendstunden einzukaufen, wenn der arbeitende Teil der Bevölkerung die Supermärkte und Registrier-kassen belagert. Immer vorneweg, und jeden Preis der acht Artikel mit der Kassiererin diskutieren, Vergleiche mit den Preisen von 1923 können dabei erhellen, wo es in unserer modernen Gesellschaft im Argen liegt.

Rentner werden verachtet. Sie arbeiten nicht, kassieren aber. Sie wollen nicht auf die Enkel aufpassen, aber respektiert werden. Sie wollen kein Kassenwart im Sparclub sein, aber sechs von 12 Monaten auf Reisen. Sind sie nicht auf Achse, dann werden sie gewiss krank und belasten die Krankenkassen bis an die Grenze der Beitragserhöhung. Ihre volkswirtschaftlich relevante Funktion ist das Einschleusen ihrer Monatsrenten in den Geldkreislauf. Dabei sind sie allerdings unentbehrlich.

Wartet es getrost ab. Ihr kommt auch noch dran. Und ich werd nimmer sein!
Für diesen Fall halte ich es mit Theodor Herzl:

Macht mir bloß keinen Ärger, während ich tot bin!

893 – Gott

Herr Gott!

Wir wohnen in der Peripherie Hamburgs. Unser Hund ist leider tot, mein Motorrad verkauft, und mein Computer häufig kaputt. Seine Krankheit heisst „Schwerer Ausnahmefehler – explorer erzeugt eine fehlerhafte Seite in Modul „Unbekannt“ – Schliessen -“ . Das ist die Lage.


Keine Sorge, ich glaube nicht, dass Du hier die Finger im Spiel hast, und es wäre unfair, Dir alles Übel der Welt anzuhängen. Da bin ich nicht für.
Aber weisst Du zufällig, was das für ein Error ist?

Ach ja, vielleicht sollte ich erst mal beichten, dass es unter meinen Vorfahren einen berüchtigten Kirchenräuber gab. Er lebte fast ausschliesslich vom Ausrauben der Opferstöcke in den katholischen Kirchen Südwest-Deutschlands. Ich sage das, weil’s ohnehin rauskommt.

Zurück zu meinem Eigenbild. Kurz gesagt, ich möchte nicht mit mir verfeindet sein. Charakteristika: Cholerisch, kritisch, rechthaberisch, streitsüchtig. Oberlehrerhaft. Ein Ekelpaket? Hm, ich geb´s zu: Jein!

Gott, nun magst Du Dich fragen, was der ganze Unfug soll. Was will dieser Wurm, dieser Risch von mir, fragst Du. Tickt der noch richtig?
Und ich sage Dir: Hör mir mal ganz gut zu, wie´s sonst nicht Deine Art ist, Herr Gott! Manchmal kann man beten wie der Teufel, und Du hörst einfach nicht zu! Also jetzt mal die Lauscher zuschalten: Du hast mehrfach versucht, mich zu kriegen, mich zu Dir zu nehmen, wie man das in Kleriker-Kreisen euphemistisch zu formulieren pflegt. Ich sage Dir, Du sollst nur wissen, was Du Dir bei einem gelungenen Versuch ins Haus holst. Es wird ein Griff ins Klo. Mehr sage ich nicht. Lies besser noch mal von vorne. Und warte, bis die Alters-Milde meine Messer stumpf gemacht hat.

Informiere bitte Deinen Erzengel. Sie sollen bleiben, wo sie sind. Und sage meinem Schutzengel, er soll weiterhin seinen Job so gut machen wie bisher. Und in ca. 30 Jahren reden wir noch mal über meinen „Heimgang“. Einverstanden?

Ich höre keinen Widerspruch, danke Dir. So brauchen wir uns nicht zu zanken.

Ach ja: Und lass´ bitte die nächsten drei Jahre den Herbst sonnig und trocken werden, damit wir Weintrinker wieder mal einige gute Jahrgänge zu schmecken bekommen, ja? Wenn nicht für uns Menschen, dann tue es für die Reben ….. bitte! Auch sie sind Deine Geschöpfe.

Herzlichen Dank im voraus! Und freundliche Grüsse!

892 – Selbstkritik

Dieser Spruch aus dem Zen-Buddhismus meint, man solle mit der Suche nach Ursachen für Probleme bei sich selbst beginnen. Die Wirklichkeit, also die Wahrheit wird Dich verändern.

Was für eine Zumutung! Wo soll nur die Riesenportion Ehrlichkeit herkommen, die dazu nötig wäre? Wir sind in der Regel keine Übermenschen, nicht wahr?

Aber wir sind fortschrittsgläubig. Darum ignorieren wir den ersten Schritt und gehen den zweiten an. Ursache für ein Problem ist immer der oder das Andere. Der Nachbar, oder das Wetter, und so weiter.

Ist das nicht toll, so rasch und schmerzfrei die Verantwortung, wir sagen auch „den Schuldigen“ gefunden zu haben?

Dieses Verhalten zu kritisieren ist bösartig. Man nimmt uns eine Schmerztablette weg. Und das auch noch im Zusammenhang mit Zen, diesem esoterischen Schwachsinn.

Denkste! Wer sich auf die im Zen formulierten Regeln für das alltägliche Leben beschränkt, wird nur Bekanntes lesen. Es sind Selbstverständlichkeiten ….. die zu realisieren uns so unendlich schwer fällt.

Zen-Buddhismus ist anscheinend eine Strategie für den Kampf gegen sich selbst, gegen den inneren Schweinehund, dessen Name wir verschämt verschweigen.Er wird als Negativum gemieden, obwohl er unser aller Leben steuert. Es ist die stärkste Kraft des Menschen, eine Kraft, die in allem zu finden ist, was lebt. Korrekt gesagt reden wir über den Egoismus. Was sonst?

891 – Geo-Strategie 2

Heute werde ich zur Abwechslung ein wenig arrogant. Das ist nicht meine Art, aber ich bin – wenn es passt – auch ein gewissenloser Schweinehund. Der Witz in dieser Sache ist, dass man sich mit Arroganz nur selbst schadet. Egal, aber nun zur Sache.

Mein Beitrag Nr. 890 zu geo-strategischen Entwicklungen hat, wie ich amüsiert feststelle, keine große Begeisterung ausgelöst.
Leser mögen glauben, ich wäre zum Verschwörungstheoretiker degeneriert. In Hamburg würde man mich „Spökenkieker“ nennen, das sind Leute, die Gespenster sehen. Eine solche Ansicht zur meiner Person geht mir „am Arsch vorbei“.

Zur deutschen Berichterstattung:
Sie ist tendenziell und in einem Ausmass unvollständig, dass man sie moralisch verkommen nennen muss. Gefrustete Insider berichten darüber, wie es in den Redaktionen zugeht. Verschweigen, kürzen, beschönigen und überfüttern sind die Werkzeuge für den täglichen Gebrauch. Wer nicht mitmacht, wird gemobt. Wohlverhalten wird mit hoher Bezahlung honoriert.
Man manipuliert die öffentliche Meinung wie zu Hitlers Zeiten – nur subtiler.
Komme mir nicht mit dem Grundgesetz und dem Recht aus freie Meinungsäusserung.
Hier wird nicht dran gedreht, weils nicht durchsetzbar ist. Die Falle sieht, wer sich ein wenig in der Sozialpsychologie umschaut, genauer gesagt in der Massenpsychologie. Ich erspare mir weitere Erklärungen; hierbei kann man sich selbst verlieren.

Info-Quellen:
W., was meine Tochter ist, grast auf der ganzen Welt die Weiden ab und liefert mir, was die deutsche Berichterstattung „aus erzieherischen Gründen“ unter den Teppich kehrt. Anderswo haben Info-Quellen noch Qualität. Das sind insbesondere – aufgemerkt! – es sind die USA und GB. Ausgerechnet die! Wenn man deren Berichte von den Lügen befreit, bleibt immer noch das Dreifache der gesamten deutschen Berichte.
Weltnachrichten verarbeiten ist wie Schnaps brennen. Man muss mit Kaliumpermanganat den groben Dreck herauslösen und dann mehrfach filtern. Dann wird man zum Moonshiner und beginnt damit, das Destillat zu schlucken.
Wie auch immer: Was bei dieser Art der Informationsverarbeitung übrig bleibt, sind so etwas wie Puzzle-Teilchen, die man dann versucht, zu einem Gesamtbild zusammenzufügen.
So ist Beitrag Nr. 890 entstanden. Da stecken ca. 6 Wochen Diskussion drin, oder – wenn das aussagekräftiger ist – 84 Becher Kaffee auf nüchternen Magen.

Zum Schluss:
Ich habe hier ein wenig geflunkert. W. und ich durchleben weder Dramen noch Tragödien. Es ist nur ein tägliches Ritual, zusammenzusitzen, und W. kramt Neuigkeiten hervor, man amüsiert oder ärgert sich, bewertet, guckt mal, wo es hinpasst usw. Und irgendwann ergibt es sich wie von selbst, dass man versteht, warum Putin die Ukraine komplett kaputt machen will.

Ich habe beschrieben, wie wir das Bild heute sehen. Aber nichts ist von Dauer. Überall ist Bewegung. Übermorgen kann alles ganz anders aussehen. Da gibt es Konkurrenz für Putin und Xi Jinping. Es sind die Superreichen des Westens, die die Weltherrschaft anstreben. Ich meine die Trilaterale Commission mit ihren Bilderbergern, die man in Wiki als politikberatende Denkfabrik verkaufen will, obschon David Rockefeller die Ziele deutlich angesagt hat: Änderung der Weltordnung, also z. B. Abschaffung der Gesetze zum Arbeitnehmerschutz. Zentralregierung ohne demokratische Legimitation und und und.
Vielleicht hat der Ober-Chinese bei den Trilateralen abgekupfert? Wie man weiss, ist das Klauen von Technik das, was die China-Leute am besten können!
Übrigens: Das Schwarzpulver haben sie nicht erfunden. Sie sind darübergestolpert. Im 9. Jahrhundert hatten taoistische Alchemisten ein Unsterblichkeitspulver erfunden, das ihnen dann um die Ohren geflogen ist und nun Sterblichkeitspulver genannt werden müsste. Ob in China je etwas erfunden wurde, weiss ich nicht. Immerhin ist das kreatve Nichts der Fundus, auf dem sie ihre Weltherrschaft (O-Ton Xi Jinping) begründen wollen.

Ich muss jetzt mal ein Ende finden.
Das ganze Gewürge geht mich nichts an.
Wenn irgendwo irgendwas losgeht, bin ich schon weg,
habe mein Eßbesteck beim Pförtner abgegeben.
Schade. Es ist die Ungnade der frühen Geburt.
Leider werden nun erst mal die Figuren für das Große Spiel aufgestellt.
Das dauert.
Ob und wann das Spiel gestartet wird, wissen nicht mal die Spieler,
sondern nur die Götter.

890 – Geo-Strategie

Die Zeichen mehren sich für ein Komplott. Der Osten plant. Der Chinese Xi Jinping und der Russe Putin haben ein gemeinsames Ziel definiert und werden weiterhin zusammenarbeiten.

Das Ziel nenne ich ganz platt „Weltherrschaft“. Xi Jinping redet davon bereits öffentlich, und zieht aus der Deckung die Strippen. Aus seiner Sicht ist Putin der Köter für die Drecksarbeit.

Das „Projekt“ Ukraine schlucken war ein offener Test, ein genialer Test für den Chinesen, der nun erfahren hat, wie die Welt reagieren wird, wenn er über Taiwan herfällt.

Die Inbesitznahme westlicher Territorien organisiert er anders. Als Beispiel gilt Großbritannien. Dort regiert dert Russe. Und man blicke nach Australien. Dort kontrolliert der Chinese das Trinkwasser. Die Aussies haben es endlich verstanden und setzen sich gegen China zur Wehr. Die Briten sind noch nicht aufgewacht. Sie stehen unentwegt vor dem Spiegel und bewundern so Ihr Ideal, den Gentleman.

Man kann sagen, dass die Waffe der Russen und Chinesen „Geld“ genannt wird. Wenn das russische Geld abgezogen wird, kann London City die Pforten schliessen. EU und USA müssten Finanzhilfe leisten, um den Bankrott zu vermeiden, und das wäre sehr teuer.

Apropos EU: Dierser Staatenbund ist soweit gereift, dass man ihn auflösen müsste.
Man redet zur Zeit über Reformen, möchte gerne Mehrheitsentscheidung anstelle der Einstimmigkeit, und kriegen solche Korrekturen niemals auf die Reihe, weil die kleinen, Geld fressenden Klitschen auf das Machtinstrument nicht verzichten werden.
Die EU sabotiert sich selbst, schwächt sich, und ist für das Große Spiel nicht tauglich.
Und die Wirtschaft des Westens hat unentwegt Knowhow nach China transferiert, weil Billiglohn den Profit steigert. Dabei hat man nicht gesehen, dass China die Transfer-Masse nutzt, um die deutsche Mutter mit Billigpreisen aus dem Markt zu drängen.

Die USA haben einen anderen Weg zum Untergang eingeschlagen. Sie sind sehr stark mit ihrer Innenpolitik beschäftigt, hauen sich gegenseitig die Augen dick, müssen mit einer Massenpsychose fertig werden, die „Trumpismus“ genannt wird und streiten sich um Macht, die sie längst verloren haben. Und sie müssen sich wohl oder übel mit den Briten gut stellen, weil sie militärisch, per Geheimdienset abgesichert, finanztechnisch, mit dem Söldner-Unwesen und dem totalen Zugriff auf das www äusserst wirksame Waffen besitzen.

Und langsam, ganz langsam kommen Meldungen aus Afrika. Da sitzen auch einige Psychopathen, die mitspielen möchten. Mit bunten Glasperlen sind sie nicht mehr zufrieden zu stellen. Dazu ein selbst erlebtes Beispiel: Eine deutsche Furma baut eine Fabrik in Uganda. Als die Anlage produktionsreif war, kam der Staatschef, legte seine Hand drauf und entschied:“Alles meins.“ Die Deutschen packten und reisten ab in ihre kalte Heimat. Ende des Berichts.
Natürlich haben die Chinesen ein Riesenproblem: Zu viele Menschen, zu wenig Raum. man weiss, dass man in Peking davon träumt, Bevölkerung in Afrika anzusiedeln. Dazu kann man das, was in und mit der Ukraine geschieht, nahzu identisch als Fortgang des chinesischen Abenteuers vorausahnen.
Die gute alte AK-47, die Kalashnikow als Anti-Chinesikum – das hat was.

Relative Ruhe herrscht in Ozeanien. Dort hält man sich alle Optionen offen, aber mit den Chinesen kuscheln fände man schon attraktiv.

Die Pol-Regionen sind bereits zum Streitobjekt geworden. Man vermutet dort wertvolle Bodenschätze. Die Chinesen haben die Nase vorne. Die Deutschen erkennt man sofort, sie sind im Rennen die letzten. Berlin hat unlösbare logistische Probleme, nicht mal Unterhosen für die Bundeswehr. Unser Forschungsschiff findet die Felder mit Mangat-Knollen – andere besorgen die Ernte. Sie nennen das dann Arbeitsteilung.
Der Kampf um die Schätze der Arktis wirkt ein wenig wie eingefroren. Übrigens wollten die Chinesen das dänische Grönland kaufen und damit einen Territorialanspruch auf die Arktis anmelden. Die Dänen haben angeblich 11 Tage lang nur gelacht.

Kleinen Moment – da war noch etwas. Ich habs. Andorra. 80.000Leute, halb so gross wie Berlin. Man ist selbstbewusst. „Lassd sie kommen! Hier sind 40.000 Jagdwaffen, in Kampfgruppen organisiert, die von Capitanos geführt werden. Man schiesst gerne mit Sauposten, weil 2,75 mm-Schrot richtige Löcher in die Hose des Gegners reisst.

Ja, da ist noch der Vatikan mit seiner Schweizer Garde. Mittelalter per Hellebarde gegen das moderne China mit dem G 36 von Heckler & Koch – denkbar, aber nicht dankbar. Die Chinesen zerstören die Sixtinische Kapelle, als wäre es eine Sandburg am Strand von Norderney. So sind die Regeln im Krieg. Man glaubt, Michelangelo sei eine Nudelsorte.

Vermisst jemand Südamerika im Grossen Spiel? Verständlich. Ich auch.

889 – egoku: Egoku

Nimm, was Du willst, es geht wirklich immer.
Ein Egoku steckt in allem drin.
Mal wird es schlimm, oder noch schlimmer,
Mal mit, oder mal ohne Sinn.

Anmerkung:

Diese Vierzeiler sind Kinderkram. Mittelmässig begabte 8-jährige schreiben so dran längs wie die Feuerwehr in der Katastrophe. Mit dem Gefühl, auf infantile Weise Magerquark produziert zu haben, ein Produkt, das ich ums Verrecken nicht esse, beende ich die egoku-Aktion.

Ein Egoku mit Intelligenz anzureichern erfordert viel Hirn (das ich nicht mehr habe).
Man muss unter dem Schädeldach mittels elektrischer Energie biochemischer Reaktionen erzeugen, um die Intelligenz anzureichern, sie quasi zu düngen, um den Kopf-Salat zu Prachtexemplaren gedeihen zu lassen – ehrlich, das ist nichts für mich. Zu quälend, zu anstrengend. Echte Arbeit.

Wie sagt man doch so poetisch (proletisch)?:
Dummheit frisst!
Ich nehme mir die Freiheit, das zu bestätigen.
Wenn ich es mir aussuchen darf:
Für ein Matjesbrötchen lasse ich jeden IQ-Test liegen.

%d Bloggern gefällt das: