Horror: Weltbevölkerung

Neulich verkündete ein TV-Moderator fröhlich, in den nächsten 80 Jahren würde die Weltbevölkerung auf 18 Milliarden Menschen anwachsen. Der heutige Stand wäre um die 7 Milliarden. Nun, so dachte ich bei mir, da hat doch wieder einmal ein Unheilsprophet sein Werk getan, und die Welt hört mit Recht weg.

Aber: Wer sich kümmert, weiss um das unbestreitbare Wachstum. Und es werden Prognosen geliefert, die bis zum Jahr 2100 blicken und 12 Milliarden erwarten lassen. Ich habe also eine komplizierte Rechenoperation durchgeführt, die mir schliesslich ein Wachstum von + 5 Milliarden bis 2100 zeigte.

Ich googelte „ Weltbevölkerung Wachstum“, und Google schlug eine Erweiterung vor mit „ursache“. Ich war sprachlos. Sinnierte darüber nach, ob ich bei WIKI vielleicht einen populär formulierten Text zum Thema „Wie mache ich ein Kind?“ hinterlassen sollte, ergänzt um den Hinweis, dass die katholische Kirche immer noch den Gebrauch von Präservativen missbilligt.

Lassen wir die Polemik. Ob es nun + 5 oder doch nur + 3 Milliarden werden, ist von untergeordneter Bedeutung. Schauen wir auf die Welt von heute. Da sind

7 Milliarden Menschen
Staaten mit brauchbarem Sozialwesen
Staaten ohne dieses
Staaten mit Hungersnot
Staaten im Kriegszustand
Staaten ohne nenneswerte wirtschaftliche Entwicklung
solche, die man richtig als „reich“ bezeichnet,
und solche, die Reichtum und Armut gleichermassen aufweisen.

Es kommt, wie es kommen muss. Eine Völkerwanderung hat sich längst in Gang gesetzt mit dem Ziel, die Bevölkerung der Krisenstaaten vom Wohlstand der reichen Staaten profitieren zu lassen. Die Folge ist eine Schädigung der sozialen Strukturen mit endlosen Konflikten. Diese Wirkung wird sich fortsetzen und verstärken.

Der Grund für ein zu erwartendes Desaster: Soziale Verwahrlosung auf der Ebene der Macht, und insbesondere des Gelds. Und genau dies ist der Ort, wo das geschilderte globale Problem gelöst werden muss. Es gibt keinen anderen Weg aus dem Dilemma der Überbevölkerung des Planeten Erde.

Wir alle wissen, eine solche Forderung ist nichts weiter als idiotisch.
Deshalb muss zwangsläufig die Karre mit unserem Gemeinwesen krachend gegen eine Wand fahren. Ob in Raten oder en bloc bleibt abzuwarten.

Aphorismus: Träume

Träume sind von besonderem Wert. Wer viele Träume hat, wird einen verlorenen Traum leicht verschmerzen.

Er wird erleben, dass seine anderen Träume dann um so heller leuchten.

Neues aus der Medizin

Der Gemeine Beifuss

Manche traditionell zubereiteten Suppen wirken ähnlich effektiv gegen Malaria wie Medikamente. Die Forschenden vermuten, dass das Heilkraut Bleifuss für die Wirkung verantwortlich ist.

(aus HEILPRAXIS natural health vom 19.11.2019)

Die tägliche Praxis bestätigt im Wesentlichen die Heilkraft des Bleifuss nur in statistisch nicht signifikanten Mini-Panels.
In Einzelfällen war die therapeutische Wirkung allerdings verblüffend deutlich. Bei allen Verkehrstoten mit Bleifuss konnte ein Malaria-Erreger nicht gefunden werden.

Schlaf‘ weiter, Michel!

Vielleicht wird es ein böses Erwachen geben, für Dich, für Deine Kinder, oder für Deine Enkel!

Anderswo (Mein Beitrag „Etwas Grusel gefällig?“) habe ich über die Absicht des Geldadels berichtet, eine neue Weltordnung zu schaffen.

Ich zitiere:

Machtgeile Regierende übereignen ihr Volk an betrügerische, geldgeile Narzissten, die sich auch noch „die Elite“ nennen.

Das ist Sklavenhandel in großem Stil, ganz wie ihn sich die Bilderberger wünschen:

„Du musst die Hände zum Nehmen ausstrecken und zum Geben einziehen, auf dass deine Gelenke nie einrosten.“ (John D. Rockefeller) lt „Meller Kreisblatt“ vom 20. Mai 2005.

„Es wäre unmöglich gewesen, dass wir unseren Plan für die Weltherrschaft hätten entwickeln können, wenn wir Gegenstand der öffentlichen Beobachtung gewesen wären. Aber die Welt ist jetzt weiter entwickelt und darauf vorbereitet, in Richtung einer Weltregierung zu marschieren. Die supranationale Souveränität einer intellektuellen Elite und der Weltbanker ist sicher der nationalen Souveränität, wie sie in der Vergangenheit praktiziert wurde, vorzuziehen“. (David Rockefeller 1991 auf der Bilderberg-Konferenz)

„Wir befinden uns am Anfang einer globalen Umwälzung. Alles, was noch fehlt, ist eine große weltweite Krise, bevor die Nationen die ‚Neue Weltordnung‘ akzeptieren.” (David Rockefeller 2005 auf der Bilderberg-Konferenz in Rottach-Egern)

Nun wurde die Aufmerksamkeit auf eine „Trilaterale Kommission“ gelenkt, eine Gründung der Bilderberg-Konferenz im Jahr 1973.

The Trilateral commisssion betreibt eine Website. Dort findet man eine Darstellung der Ziele und Aufgaben dieser Kommission. allerdings in gutverdeckter Form . Es bedarf einigen Spürsinn, sich die Auswirkungen angedeuteter auf unsere aktuelle Gesellschaftsordnung auszumalen.

In 1975 erschien ein 200 Seiten starkes Buch zum Treiben dieser obskuren Kommission. Es wurde umgehend auf den Index gesetzt und damit der Öffentlichkeit entzogen. Dennoch gab es einige Leser. Und so hat irgendwer dazu einen deutschen Text geschrieben, der in einem Archiv der Niederlande aufgefunden wurde. Ich hänge diesen Text hier ans Ende meines Beitrags.

Der Aufsatz ist zugegeben eine Zumutung, und das in mehrfacher Hinsicht. Man braucht einen richtigen Arsch in der Hose, um ihn gut zu verarbeiten. Aber wer das geschafft hat, wird auf dieser Basis die Wirklichkeit in der BRD reflektieren, und er wird erkennen, was die Quelle vieler negativer Entwicklung sein könnte.

Hier die Info:

Die “Mäßigung der Demokratie”

1973 wurde auf Betreiben von David Rockefeller die Trilaterale Kommission ins Leben gerufen, die einer Koordination der globalen Systemsteuerung zwischen den USA, Westeuropa und Japan dienen sollte. Zu den Mitgliedern zählten Spitzenpolitiker aller drei Kontinente, CEOs von Konzernen wie Exxon, Toyota, Fiat, Lehman Brothers oder Coca Cola, aber auch Gewerkschaftschefs (etwa der damalige DGB-Vorsitzende Heinz-Oskar Vetter) sowie führende Journalisten, darunter die Herausgeber des Time Magazine, der Financial Times und der Zeit.

Einer der ersten Berichte, die die Kommission in Auftrag gab, trug den Titel Die Krise der Demokratie. Samuel Huntington und seine Mitautoren aus Frankreich und Japan diagnostizieren in dem Bericht einen „Exzess von Demokratie“, der die Systemstabilität gefährde. Huntington blickt wehmütig auf die 1950er-Jahre zurück, als „Präsident Truman noch in der Lage war, das Land mithilfe einer relativ kleinen Anzahl von Wall-Street-Bankern und Anwälten zu regieren“.

Mit bemerkenswerter Offenheit stellen die Autoren fest, dass „europäische Demokratien nur teilweise und auf theoretischer Ebene offene Systeme sind. Ihre Steuerung beruht auf einem subtilen Filterprozess von Teilnehmenden und Forderungen.“ Huntington fährt fort:

“Eine effektive Steuerung des demokratischen politischen Systems erfordert einen gewissen Grad von Apathie und Nicht-Einbeziehung bestimmter Individuen und Gruppen. (…) Jetzt aber beginnen solche randständigen Gruppen, wie im Fall der Schwarzen, voll am politischen System teilzunehmen; dabei besteht die Gefahr, das System mit politischen Forderungen, die seine Funktionen und seine Autorität untergraben, zu überladen.”

Huntington beklagt darüber hinaus, dass die fortgeschrittenen Industriegesellschaften eine Schicht von „wertorientierten Intellektuellen“ hervorgebracht hätten, die „der Führerschaft schaden, Autoritäten infrage stellen und etablierte Institutionen demaskieren und delegitimieren“. Eine weitere Gefahr drohe von Journalisten, die „immer mehr Einfluss gegenüber den Eigentümern und Herausgebern geltend machen und die traditionelle Normen von ‚Objektivität’ und ‚Neutralität’ im Namen von politisch engagierter Berichterstattung beiseite fegen“. Die neuen Werte, die sich überall in der Gesellschaft verbreiteten, würden es Regierungen immer schwerer machen „den Bürgern Disziplin und Opfer aufzuerlegen“.

Die Analysen dieses Berichtes sind eines der genauesten und eindringlichsten Zeugnisse über die Ängste „liberaler“ politischer Eliten vor echter Demokratie. Die Empfehlungen, die der Bericht am Ende gibt, bleiben dagegen vergleichsweise vage. So ist etwa davon die Rede, „eine Balance zwischen Regierung, Presse und anderen gesellschaftlichen Institutionen herzustellen“ oder „die Bildung wesentlich stärker mit wirtschaftlichen und politischen Zielen in Einklang zu bringen“. Aus der Vagheit dieser Empfehlungen spricht noch die ganze Ratlosigkeit, die das Establishment Mitte der 1970er-Jahre befallen hatte. Die Strategien des Großen Rollbacks waren noch nicht erfunden.

Das Große Rollback

Die politischen und wirtschaftlichen Eliten, die sich zur Steuerung der Großen Maschine berufen fühlten, hatten in den 1970er-Jahren an mindestens zwei Fronten zu kämpfen. Auf der einen Seite gab es die Herausforderung durch die Gegenkultur und die antisystemischen Bewegungen, auf der anderen Seite zeichnete sich eine globale ökonomische Krise ab. Nach drei Jahrzehnten des Booms und der Expansion begann um das Jahr 1973 eine Phase der Stagnation und Kontraktion, die von einem sprunghaften Anstieg der Ölpreise, einer schweren Rezession und dem Zusammenbruch des Weltwährungssystems („Bretton-Woods-System“) einschließlich der Goldparität des US-Dollars eingeläutet wurde.

Die Antwort auf diese Konstellation war das, was man später die „neoliberale Revolution“ genannt hat, obwohl es eigentlich eher so etwas wie eine konservative Reaktion war. Ihr Ziel bestand darin, die stotternde Geldvermehrungsmaschine wieder in Gang zu bringen, die Gegenkultur zurückzudrängen und die Macht der dominierenden ökonomischen Klassen, die in den 1960ern deutlich geschwächt worden war, wiederherzustellen. Diese „Revolution“ hatte mehrere Säulen: eine wirtschaftspolitische, eine ideologisch-propagandistische und – was oft übersehen wird – eine militärische.

Der Erfolg des neoliberalen Programms hat seither eine Verwüstungsspur auf dem Planeten hinterlassen und sozial, ökonomisch und ökologisch in Chaos geführt. Wie bereits im späten 19. Jahrhundert und in der Weimarer Zeit nutzen rechte Bewegungen dieses Chaos, um von den tatsächlichen Ursachen abzulenken und die Schuld auf Sündenböcke zu projizieren. Zum Beispiel auf die Menschen, die vor den Folgen unserer „kannibalischen Weltordnung“ (Jean Ziegler) flüchten. Einmal mehr bietet sich der Faschismus an, um die kapitalistischen Eliten vor dem Zorn der Bevölkerungen zu retten, indem er soziale und ökologische Konflikte in einen Kampf von Völkern und Kulturen umdeutet.. Ob diese Strategie aufgeht, ist allerdings offen. In der systemischen Krise, in der wir uns befinden, steuern wir auf tiefe historische Brüche zu, die auch emanzipatorische Bewegungen nutzen können, um das Schiff in eine andere Richtung zu steuern. Die Epoche von 1968 ist voll von Inspirationen und historischen Lehren dafür.

Ok, weniger kryptisch einige Goals:

Mittelstand reduzieren,
Bildung reduzieren,
Sozial-liberales Gedankengut eliminieren,
Mitbestimmung in den Unternehmen beseitigen,
Gewerkschaften schwächen,
soziale Regulierung den Märkten überlassen,
sozial-verträgliches, meint frühes Ableben fördern,
Demokratie durch neo-feudalistisches System ersetzen.

Soll ich jetzt tatsächlich anlisten, wo überall solche Ansätze bereits real sind? Einen Teufel werde ich tun.

Deutschland, erwache!

Der Ordnung halber: Natürlich haben die Strippenzieher ihre eigenen Probleme mit der Verwirklichung ihrer Ziele. Ihre Macht ist unvollkommen, und die Veränderungen in den Gesellschaften sind gelegentlich schneller als die träge Masse einer Kommission und ihrer Protagonisten in deren noch trägeren Homelands. Und dort sind immer noch diese Scheiss-Wahlen so hinderlich ………

Letzte Worte

eines Giganten:

„Schade, schade…zu spät.“

Ludwig van Beethoven hatte eine Lieferung von  12 Flaschen Rotwein als Geschenk erhalten, am 26. 3. 1827.

Sterben wie Johannes Brahms:

„Oh, das schmeckt gut.“

Letzte Worte zu seiner Krankenschwester, die ihm ein Glas Wein gegeben hatte, am 3. April 1897

Zitat J. Brahms:

„Du hast keinen Begriff davon, wie unsereinem zumute ist, wenn er immer so einen Riesen hinter sich marschieren hört!“

Mit dem „Riesen“ meinte er Beethoven.

Sichtweise – 18 –

Altholz, verrottet, ökologisch wertvoll

oder

Ein Reiher auf der Jagd an einem leeren Teich? Zauberhaftes Beispiel für die Symbiose verschiedener Pflanzenformen? Ein kleines, ästhetisches Wunderwerk der Natur?

Hinterlistiges

Wenn ich darüber nachdenke, was mir, einem 79jährigen männlichen Geschlechts gelegentlich durch den Kopf wandert, so beginne ich mich zu sorgen. Manche Gedanken sind ein wenig abartig, oder sagen wir mal etwas seltsam. Mit einem bedingten Reflex versehen sucht man ebenso dringend wie vergeblich nach der Delete-Taste, um das Andersartige wegzudrücken. Was ich meine? Ich versuche zunächst, die Merkwürdigkeit mit einem Beispiel zu erklären.

Soeben, es ist genau 10:00 Uhr am Vormittag, Moment …. also eben ging ich am Badezimmer vorbei, und unvermittelt befiel mich die Frage, warum niemand je etwas über extrem nützliches und flüchtiges Utensil geschrieben hat, nämlich das Klopapier.
Zwischenbemerkung: Wer jetzt weiterliest, sei ohne Sorge – ich widme
mich ausschliesslich dem ungenutzten. Obwohl ….. Hundebesitzer kümmern sich liebevoll um den Hundeköddel auf dem Trottoir, aber vor dem menschlichen schrecken sie zurück. Irrational. Das hat man dem Kleinkind auf dem Töpfchen antrainiert, und der 94jährige Greis leidet noch darunter, sobald seine Verdauung wieder einmal – nun ja, man kennt das.

Zur Sache: Klopapier ist auch unter dem Namen Toilettenpapier bekannt. Dies sei erwähnt, um Verwechslungen zu vermeiden.
Also: Es lässt sich nicht vermeiden, auch über „kein Klopapier“ zu schreiben. Stellvertretend für eine allseits bekannte prekäre Situationen sei der Wanderer genannt, der die Eifel durchstreift, das Unvermeidliche erleidet und sich verzweifelt nach einem Ort umschaut, wo ihm grossblättrige Pflanzen zur Hand sein sollten, und doch nur Heidelbeersträucher und hochstämmige Buchen wachsen. Zu Hause lagern 30 Rollen von ALDI, und im Wald befällt den Betroffenen Trübsinn. Nächstes Mal, Rucksack, Papier wiegt ja nichts, und so fort.
Man muss dieses Thema nicht plattieren wie ein Kalbsschnitzel. Dem geneigten Leser sollte die eigene Phantasie – oder die Erfahrung – genügen, um zu begreifen, wo der Hase im Pfeffer liegt..
Wenden wir uns also doch dem Klopapier zu. Zunächst wird definiert, und hierzu Wikipedia bemüht:
Das Toilettenpapier, auch Klopapier oder WC-Papier ist ein zur einmaligen Verwendung gedachtes Tissue-Papier zur Reinigung der Ausscheidungsorgane. Es zerfällt in der Kanalisation. Tissuepaper ist feinkreppig und saugfähig. Es wird auch für Tischservietten, Küchenwischtücher und Papiertaschentücher verwendet. Aha!

Und just an dieser Stelle befällt mich die Erinnerung an meinem Grossvater, einen hervorragenden Möbeltischler. Nach dem Lesen seiner Tageszeitung, das Blatt hiess „Talpost“, zerschnitt er das Blättchen in grosse Rechtecke und stieg eine Aussentreppe zum selbstgebauten Plumpsklo hinauf, um die Papierteile dort auf einen Draht zu spiessen. Ich glaube zu erinnern, er bevorzugte die Seiten mit Politik und Todesanzeigen. Opa zeigte mir, wie man mit seinem Klopapier umgehen sollte. Kurz gesagt: Links und rechts anfassen und das Papierstück zwischen beiden Daumenballen so lange rubbeln, bis es weich oder kaputt war. Dazu referierte er noch kurz zum Thema Druckerschwärze und Händewaschen – das war es dann aber auch.
Ich vergass zu erwähnen: Es war die üble Zeit nach dem 2. Weltkrieg, und selbst die beiden Papierfabriken in der Kommune verfügten nicht über brauchbares Material. Aber bereits 1948 traf man in den Toiletten der Fabriken auf die BUNTE aus dem Burda-Verlag. Interessant zu lesen, aber zum Gebrauch musste man wegen der Papierglätte sehr lange rubbeln.

In den 60er Jahren hatte sich die Lage deutlich verbessert. Wer in dieser Zeit „gedient“ und die rauhen Sitten der Panzergrenadiere und Pioniere erlebt hat, kennt auch das in den Kasernen verwendete Klopapier, das ein Mitarbeiter des Herstellers Feldmühle gutmütig spottend „Servus brutal“ nannte, ein Produkt der Premiummarke SERVUS aus Flensburg.
Selbst heute trifft man in öffentlichen Toiletten diese Rarität an; vermutlich geht man zu Recht davon aus, dass dieses Papier keinesfalls gestohlen wird.
Servus brutal ist wie Schleifband mit 400er Körnung, nur deutlich flexibler, also für harte Kerle gedacht. Oder für Stadtkämmerer mit leeren Kassen. Aber werden wir wieder sachlich.
Das Standardmass für Klopapier ist ca.100 x 120 mm, 250 Blatt = 30 m auf eine Papphülse gerollt, und per Perforation zu trennen, wobei Klopapier auf einer Seite garantiert nicht an der Perforation abreisst, sondern ein Stück vom nächsten Blatt mitnimmt. Hier gilt, dass schlechte Perforation als verkaufsförderndes Merkmal verstanden werden sollte. Halbperforation steigert den Verbrauch um 25%.
Klopapier wird heute 1-, 2- oder 3-lagig angeboten, auch 4- und 5-lagig wird solches Material in der Luxus-Version angeboten. Die Feuchtversion ist gut verpackt und duftet vor der Benutzung wie ein 7-stöckiges-Freudenhaus.
Zu den Kosten: 96 Rollen 3-lagig hochweiss kosten um 28 Euro. Und ein Testsieger namens Charmin de Luxe liegt bei 33 ct. pro Rolle und ist deshalb der gesellschaftlichen Oberschicht gewidmet.
Deutschland verbraucht 4 Milliarden Rollen im Jahr und gibt dafür mehr als 1 Milliarde Euro aus. Hier kommen nun die Schlauberger ins Spiel. Sie kaufen 1-lagig um 17 ct. pro Rolle, reissen 3 Blätter ab und falten sie zu 3-lagigem Klopapier. Damit liegen sie mit 51 ct. pro Rolle in der absoluten Luxusklasse, und haben dennoch keine Herzchen-Prägung im Papier. Ist eine Rolle aufgebraucht, so bleiben sie auf einem Einzelblatt sitzen, müssen eine zweite Rolle verbrauchen, und eine dritte, um den Rest als 3-lagig benutzen zu können. Längeres Nachdenken ergibt: Es ist sinnloses, es ist verteuerndes Sparen, und man rät davon ab.

Ökologisch ausgerichtete Käufer erwerben ein Recycling-Produkt. Es wird aus Altpapier hergestellt, und bleibt ohne Anteile von Frischholzfasern. So bleiben viele Bäume dort, wo sie hingehören: Im Wald, und nicht in den Toiletten. Einige Fahnder haben sich vergebens bemüht, Schwermetalle, Formaldehyd oder polychlorierte Biphenyle nachzuweisen. Recycling papers sind also durchaus brauchbar, und die Schmirgelwirkung ist deutlich geringer als bei Servus brutal.

Nun muss zum guten Schluss das Schmuck-Klopapier erwähnt werden. Man bekommt Prägungen mit Figuren und mit Texturen wie Leinen. Man kann Bedrucktes kaufen, mit Spontisprüchen, mit Figürchen aus dem Kinderzimmer, oder mit Fotos von Politikern oder der ungeliebten Schwiegermutter. Rotwein-Trinker kaufen das Produkt mit aufgedruckten Bierflaschen, Biertrinker mit Etiketten des Chateau Latour von der Gironde. Die Industrie vermutet, auf diese Weise könne jeder seinem Vergnügen frönen – oder seinen Frust abreagieren, wohlgemerkt: Im Badezimmer und by paper!
Noch ein Hinweis für Snobs: Vergessen Sie Handgeschöpftes! Es hat eine Konsistenz, die der Wellpappe in der Exportversion, als Panzerkarton für seefeste Verpackung empfindlicher Güter gleicht. Vergessen Sie es ganz rasch!

Krank sein

Krank sein ist im allgemeinen ein Ausnahmezustand. Nicht bei mir. Krank sein ist ein Dauerzustand. Aha, sagt man vielleicht, chronisch. Ich sage „richtig“ und wende mich ab. Ich möchte nicht über Krankheiten reden. Kein normaler Mensch lässt es mit sich geschehen, dass er über die Schilderung pathologischer Zustände in miserable Grundstimmung versetzt wird, wozu nicht etwa ein Mitleiden beiträgt, sondern ein gesundes Ablehnen aus Prinzip.

Nein, ich mag nicht darüber reden. Vielleicht schreiben? Ich versuche es mal. Hier und heute. Warum? Nun, ich möchte wissen, ob ich das könnte, wenn ich wollte. Eine innere Stimme meldet sich. „He Alter! Das ist doch Krampf!“ Und schon messe ich nach und erkenne: Es ist Krampf. Aber zugleich erinnere ich, geschrieben zu haben, man könne über alles schreiben. Ich weiss, dass es so ist. Ich habe es getestet,
indem ich einen Beitrag zum Klopapier schrieb (Titel: Hinterlistiges, ab heute verfügbar. ;>))) Also müsste ich auch über Kranksein schreiben können. Soweit Grundsätzliches.

Merkst Du, wie ich herum eiere? Ich könnte, aber ich will nicht. Es wäre einfach sinnlos.
Vielleicht hilft Anekdotisches aus der Klemme?

Arzt 1: Herr Risch, Sie waren tot und wir haben Sie zurückgeholt!
Ich: Falsch. Ich bin zurückgekommen!

Arzt 2: Herr Risch, die Liste Ihrer Erkankungen reicht für 7 Leben!
Ich: Abwarten! Ich bin noch nicht fertig.

Arzt 3: Man hat Sie in die Onkologie überwiesen, damit Sie dort sterben!
Ich: Sprachlos vor Wut.

Arzt 4: Herr Risch, Sie sind schwer krank!
Ich: Stimmt. Ich bin vor allem schwer.

Genug davon. Ich habe nicht das geringste Bedürfnis, schlaue Sprüche über das Kranksein und die Bewältigung der damit verbundenen Probleme zu verbreiten. Aber es drängt mich, etwas niederzuschreiben, das mir neulich abends durch den Sinn ging:
Ich habe keine Erinnerung daran, wie es sich anfühlt, gesund zu sein.

„Und?“, ruft mein Verstand, „Und, was jetzt?“
Und er gibt sich selbst die Antwort: „ Leben, aber in der ersten Klasse bitte!“
Ich bin erheitert. Das heisst, ich mobilisiere nun meine Emotionen.
Die sagen mir: „Du kennst doch den Arsch mit seiner langweiligen Logik!“

So redet man daher. Und man weiss: Der Arsch hat recht. Also ist es gerechtfertigt, wenn ich nun 3 Brötchen mit Räucherlachs auf einem Salatbett belege und genussvoll aufesse. Ich tue das wegen der Omega 3-Fettsäure, was sonst? Und wegen dem Fischfett werde ich für die Bekömmlichkeit eine Flasche Sekt trinken.

Für dieses Abendbrot lasse ich mir viel, viel Zeit.
Das ist ein Luxus, aber schliesslich habe ich genug davon.

Haste wirklich bis hierhin gelesen?
Schade, dass Du nicht hier bist! Zu zweit schmeckts deutlich besser!