Haiku

Der Wurm krümmt sich sehr.
Haken sind sehr ungewohnt.
Ein Mann steht am Teich.

Haiku

Blüten schliessen sich.
Sie ruhen bis zum Morgen.
Ein Bach murmelt leis‘.

Parabel: Melusinde

Parabel: Melusinde

Ausgerechnet in Paderborn, einer der katholischsten Städte in der Bundesrepublik!
Man kann es nicht fassen. Aber dort in Paderborn, an der Jesuitenmauer gleich hinter dem Verlagsgebäude verbrachten drei Angestellte ihre Mittagspause. Sie hatten sich, dem schönenen Wetter geschuldet, zu einem Spaziergang entschlossen: Zwei Verlagsangestellte mit ihrem Vorgesetzten. Man beschäftigte sich während des Spaziergangs intensiv mit den Problemen des SC Paderborn 07 und seinen unrühmlichen Auftritt bei Fortuna Düsseldorf – als plötzlich direkt aus der Sonne eine Gestalt hervorschoss und sich vor dem Männertrio aufbaute: „Ich bin Melusinde, eine gute Fee, und jeder hat einen Wunsch frei, der sofort erfüllt wird!“ Und wusch – Melusinde war verschwunden. Der erste wünschte sich ein Hausboot in der Prinsengracht in Amsterdam! Wusch! Weg war er. Der zweite überlegte nicht lange und wünschte sich einen Palazzo am Canale grande in Venedig. Wusch! Der Chef stand nun allein an der Jesuitenmauer. Er liess sich Zeit. Dachte kurz an die Misère des FC Paderborn 07, verwarf die Idee, dem Fussball zu helfen und formulierte:

„Ich wünsche mir, dass die zwei Idioten nach der Mittagspause wieder an ihren Schreibtischen sitzen!“

Es ist nicht überliefert, ob Melusinde amüsiert war oder eher gallig.
Aber Kluge lernen aus dieser Geschichte Wichtiges:
„Lasse Deinem Chef immer den Vortritt!“

Ein Blick zurück

Kurt Tucholsky war ein deutscher Schriftsteller von hohem Rang. Er lebte von 1890 bis 1935 und verstand sich als linker Demokrat, Antimilitarist und Pazifist.

Dieser Mann schrieb m i r ins Stammbuch:

Wenn der Mensch fühlt, daß er nicht mehr hinten hoch kann, wird er fromm und weise; er verzichtet dann auf die sauren Trauben der Welt. Dieses nennt man innere Einkehr.

Der gute Mann hat meine heutige Situation zutreffend beschrieben, als hätte er mich gekannt. Nur: Wenn er das vor 100 Jahren so formulierte, so ist die Quelle doch wohl sein Umfeld, und die Werkzeug seine Beobachtungsgabe und sein Wortwitz! Es ist direkt enttäuschend, annehmen zu müssen, dass Menschen meiner Wesensart auch weit vor meiner Zeit zu finden waren. Ich bin kein Unikat, kein Kind des 20. Jahrhunderts – nur ein Mensch! Wie gewöhnlich!

Und schon erkenne ich einen scheinbaren Widerspruch. Wenn man wie ich die Last einer ausgeprägten sozialen Gesinnung mit sich umher schleppt, den militärischen Scheiss verflucht und ziemlich idiotisch dem Gedanken an Völkerverständigung nachhängt, dann sollte es Ereignisse wie den 2. Weltkrieg nicht geben können …. oder? Was lief, und was läuft heute noch schief?

Diese Frage ist rein rhetorisch zu verstehen. Ein jeder kennt die Antwort. Sie klingt grosskotzig, aber ich schreibe sie dennoch hier hin:

Nur ein kleiner Teil der Menschheit ist für Massnahmen zum Erhalt einer friedllichen Welt qualifiziert. Es regieren leider Gier und Dummheit. Die kleine Schar der sozial Intelligenten, der Idealisten, der Humanisten und Altruisten, also diese ganze …..isten-Bagage wird zusammengetrieben und im Klo weggesperrt, wenns gut geht. Stalin zum Beispiel war konsequenter, er hat sie töten lassen.

Ein kalter Abend

Er schaute aus dem Fenster und sah den Tag, wie er ihn fühlte. Das Draussen hatte alles verloren. Es fehlten Schönheit, Charme, Freundlichkeit, verloren war alles, was des Menschen Sinne befruchtet, um Dasein in Leben umzuformen und die Seelen, die diese Stadt beherrschen, zu befrieden. So spürte er die Aufruhr in seinem Innern und war beunruhigt. Wusste er doch, was nun folgen würde.

Unbestimmte Wünsche keimten auf, formierten und verbündeten sich, wurden konkret, begreifbar, und wuchsen an zu brüllende Forderungen, übernahmen die Kontrolle über ihn und seine Bedürfnisse, und bestimmten sein Denken, und am Höhepunkt auch sein Handeln. Im Hintergrund dieses Terrors spielte zugleich wie leise Begleitmusik in einem Kaffeehaus eine abgrundtiefe Traurigkeit.

Er wusste, dass er wieder einmal die Macht über sein Ich verloren hatte und entschloss sich, zu tun, was er in solchen Fällen immer tat. Er kleidete sich an und verliess den Ort seiner Niederlage, wanderte eine Stunde lang durch die menschenleere Stadt, dann eine weitere Stunde, und mittlerweile hatte Dunkelheit dem Regen seinen Schrecken genommen.

Unversehens stand er vor dieser Bar, die er so oft aufsuchte, wenn ihn der Schmerz übermannte. Er trat ein, schälte sich aus seinem regennassen Mantel und stellte sich an das hintere Ende des langen Tresens. Der Barkeeper blickte herüber, der neue Gast nickte leicht, und man reichte ihm einen Single Malt, der nach Rauch und Algen duftete. Zwei Finger breit, im Tumbler, mit einem winzigen Schuss Wasser zur Blüte gebracht
standen nun vor ihm. Ein Wortwechsel dazu war überflüssig. Der Barkeeper hatte den Gast längst durchschaut; er ist ein Meister beim Lesen seiner Gäste, ihrem Zustand und ihren Bedürfnissen.

Der Mann am Tresen begann, seinen Scotch mit Bedacht und in kleinen Schlucken zu trinken, und es schien, als würde sich seine Miene entspannen und seine Seele in einen Normalzustand zurück finden. Und irgendwann reichte ihm der Keeper einen zweiten Whiskey, den er dann nahezu zeremoniell genoss. Schliesslich legte er einen Geldschein auf den Tresen und verliess die Bar grusslos.

Es schien, als ob sich sein Schritt gefestigt und seine Körperhaltung aufrechter entwickelt hätten. Er überquerte die Strasse, bog in eine Nebenstrasse ein, blieb vor einem Haus stehen und schaute auf hell erleuchtete Fenster im Hochparterre. Lehnte sich gegen den alte gusseisernen Zaun und wartete, wartete und vergass die Zeit. Endlich erschien sie. Vielmehr bemerkte er ihren Schatten auf der weissen Gardine, und offenbar trug sie ihr Kind durch die Stube, die er so gut kannte. So stand er am Strassenrand, im Regen, und wartete auf neue Bilder, bis das Licht erlosch. Die Nässe in seinem Gesicht schmeckte nun nach Salz. Er spürte Kälte.

Er wandte sich ab und ging mit schnellen Schritten weiter, in Richtung Fluss.

Russisches Wetter

Dieser Putin ist ja ein Mensch, der seine Männlichkeit ständig beweisen muss, indem er mit nacktem Oberkörper und ohne Sattel durch Steppen reitet. Doch, er sitzt dann auf einem Gaul! Das nervt mich. Der Typ gehört auf einen Esel. Wie? Schon gut! Ich weiss, Esel sind kluge Tiere, und ich entschuldige mich bei ihnen für die eben geäusserte Zumutung, als Symbol für alle möglichen Typen herzuhalten.

Zur Sache kommend, sage ich, der Putin hätte erst die Gasleitung Nordstream II fertigbauen sollen, bevor er uns für den Mai die sibirische Kälte in Form eines stabilen Hochdruckgebiets unter permanentem Ostwind zumutet. Bei 3 Grad Celsius lässt er gewiss seinen Gaul im Stall und seine wollene Kalsone, die mit Seiteneingriff rechts, am eigenen Hintern. (Achtung! Nicht verwechseln mit der Calzone, dem italienischen Döner.)

Haiku:

Verdammt kalter Mai!
Die Heizung läuft immer noch.
Gazprom jubelt laut.

Wege und Ziel

Der Weg aus einer privaten, kleinen Welt
in die globale, grosse Welt
ist weit mühsamer als der Weg zurück.
Wer beide Wege bewusst gegangen ist,
kann finden,
was er unbewusst suchte,
das ist Frieden mit sich selbst.

Haiku

Ein Mann liegt im Gras
und lächelt sich in den Tag.
Frauen lachen laut.

Auf dem Weg in die Ewigkeit

Langsam, und eher unbemerkt habe ich mich einem Lebensalter genähert, das nicht nur anregt, sondern unverblümt fordert, sich mit dem Tod zu beschäftigen. Diese Erkenntnis überkam mich heute früh, noch im Bett verweilend, und mitten in einem Entscheidungsprozess um die Frage, ob ich weiterschlafen sollte oder nicht. Natürlich fühlte ich mich gestört, und gar verstört, als ich begriff, welches Thema sich in den Vordergrund gedrängt hatte.

Nun bin ich gottlob jener Typ, der gerne mit Standardsprüchen hantiert, vielmehr parliert. Und einer meiner wichtigen lautet: „So geht’s aber nicht!“ Richtig. So nicht. Ich gönnte mir einen kurzen Monolog, um mich davon zu überzeugen, dass der Tod kein Thema für tief schürfende Betrachtungen sein kann – zumindest auf dem Festland. Bei den Briten mag das anders aussehen. Ich denke an Holyrood Palace in Schottland, wo es jährlich eine Woche lang spukt, indem eine alte Lady dort durch die Räume huscht und so tut, als sei sie die Queen. Aber das nur nebenbei.

Ja, der Tod. Fürchterlich? Was daran soll fürchterlich sein? Ich schaue zur Sicherheit etwas genauer hin, und entdecke – nichts. Ich finde nur meinen Verdacht bestätigt. Mein Tod bedeutet nur, tot zu sein. Wer da mehr vermutet, liegt meilenweit daneben.
Oder ….. wie ist das eigentlich mit Fall zwo, der Wiedergeburt?

Zum Thema Wiedergeburt mangelt es mir an Fachwissen. Ich bin also inkompetent und kann mich nur auf dem Niveau der Politik bewegen, also in der unteren Schublade.
Aber schauen wir mal.

Ich sterbe vor mich hin. Irgendwann trennt sich meine Seele von meinem Körper und sucht das Weite. Dann bin ich nicht mehr Mensch, sondern Leiche. (Stammt nicht von mir!) Ich bin nicht mehr ich. Das Ding da kann beseitigt werden. Das erledigt die Sondertruppe der Müllabfuhr, die mit dem schwarzen Daimler, den sogar Vorhänge schmücken. Das wäre in aller Kürze der irdische Teil meiner Betrachtung.

Die Seele ist auch nicht mehr meine. Sie gehört demjenigen, der sie mir geliehen hatte. Und dieser Jemand hat nun vielleicht ein Problem mit der Seele, die da zurück kommt. Möglich, dass sie beschädigt ist! Schliesslich kann das Leben grausam sein, nicht wahr?

So, wie das Ding zurückkommt, kann es nicht wieder verwendet werden. Man kann einem Fötus keine kaputte Seele mit ins Leben geben. Und oft genug verwendet schrumpft das kranke Teil von der Weintraube zur Korinthe. Dann kann man sie nur noch wegwerfen. Dabei ist sie angeblich kostbar!

Also: Die Seele kommt zurück ins Depot, muss überprüft und repariert werden. Nun sind im 2. Weltkrieg insgesamt 19,6 Millionen Menschen umgekommen. Wer bitte hat den Job mit den Seelen gemacht? Und es kommen doch täglich Hunderttausende dazu, weil immer gestorben wird wie verrückt!

Jene, die wir Seelenklempner nennen, sind es schon mal nicht. Sie sind im irdischen Teil des Systems angesiedelt und versuchen, im laufenden Betrieb die Drähte wieder gerade zu biegen. Das Rätselhafte liegt aber im Jenseits!

Zugegeben, ich bin mit dieser Frage überfordert und kann nur vermuten. Entweder man arbeitet im Him ….. wo eigentlich liegt das Seelen-Lager? Im Himmel? Quark! Nehmen wir hilfsweise an, es gibt dafür ein separates Universum. Dort arbeitet man nach dem Prinzip First in > first out. Die Quarantäne für kaputte Seelen dauert 24 Monate, weil die Zeit alle Wunden heilt. Die Zeit! Alle. Das macht für mich Sinn. An eine Allmacht, die per Segen 19,6 Millionen ramponierte Seelen für den Einsatz fit macht, mag ich nicht glauben. Aber eines weiss ich ganz sicher. Der Chef im Vatikan ist es schon mal nicht. Oder könnte er, und will bloss nicht? Unsinn. Franz ist nicht so einer.